Bauernwochenende 2012

23.01.2012

Bauernwochenende 2012

Das Glück liegt in der inneren Balance

 

Auf Einladung der Landeskirchen haben sich Frauen und Männer aus dem bäuerlichen Umfeld in der Kartause Ittingen eine Auszeit gegönnt und festgestellt, dass ihr persönliches Glück oft sehr nahe liegt.

 

Es waren Wintertage wie aus dem Bilderbuch. Auch wenn zu Hause auf dem Hof die Arbeit nie ausgeht und man immer etwas hat, das getan werden muss, haben sich sieben Thurgauer Paare und ein Landwirt aus dem Bernbiet in der Kartause Ittingen eingefunden um für kurze Zeit aus dem Hamsterrad auszusteigen und einen ehrlichen Blick aus einer gewissen Distanz auf ihre eigene Situation auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb zu werfen. Motiviert, engagiert und mit einer grossen Offenheit diskutierten die Bäuerinnen und Bauern das immer härter werdende Umfeld in der Landwirtschaft und die persönlichen Folgen davon. Was passiert in der Familie, in der Partnerschaft wenn auf dem Betrieb immer mehr, immer schneller und effizienter produziert werden muss, um den veränderten Herausforderungen im landwirtschaftlichen Umfeld gerecht zu werden? Bleiben dabei Glück und Zufriedenheit auf der Strecke?

 

Vertrauen ist wichtig

Thomas Bachofner, Pfarrer und Leiter Tecum, dem Zentrum für Spiritualität, Bildung und Gemeindebau in der Kartause Ittingen zeigt in seinem Referat auf, dass der Einzelne die äusseren Umstände wie die sinkenden Preise, die zunehmenden Vorschriften zu Gunsten von Tier- und Naturschutz, der administrative Aufwand, die Regulierungen und anderes kaum beeinflussen könne. Hohe Erwartungen aus dem Umfeld oder von uns selber, fehlendes oder abnehmendes Verständnis der breiten Bevölkerung setzen viele unter Druck. Deshalb sei es wichtig, genau hinzusehen und zu reflektieren, wie wir unsere innere Haltung stärken um dem zunehmenden Druck Stand zu halten.

Das Vertrauen in sich selber, in die eigenen Kräfte und möglicherweise auch das Vertrauen in Gott seien wichtige Pfeiler druckresistenter zu werden. Angst sei ein schlechter Begleiter und behindere uns, die gesteckten Ziele zu erreichen, sagte Bruder Leo Gauch, Benediktinermönch im Kloster Fischingen, der das Wochenende zusammen mit Bachhofner und der Kommission Soziales des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft vorbereitet hatte.

«Setzt die Messlatte weder zu hoch noch zu tief», rät er den Teilnehmern. Wachsende Herausforderungen seien nicht negativ und führen zu anderen Dimensionen die der Gemeinschaft dienen und positive Energie erzeugen. Das gesunde Augenmass dürfe dabei aber nicht fehlen.

 

Sich nicht mit andern vergleichen

In den verschiednen Gruppenarbeiten und Diskussionen über die Definition von Glück wurde schnell klar, dass auch die kleinen Dinge im Leben glücklich machen. Glück ist, gesund zu sein, eine fröhliche Familie zu haben. Auch ein Kinderlachen oder ein liebes Wort könne bereits glücklich machen. Ein Teilnehmer will sich nicht mit Anderen vergleichen. Da werde unnötig Druck aufgebaut, viel wichtiger sei es, mit dem eigenen Leben zufrieden zu sein. «Ich will mich nicht von anderen Menschen leiten lassen und bemühe mich, nicht zu werten,» hiess das Rezept einer anderen Teilnehmerin.

Neid, Missgunst und Habgier machen unglücklich. Viel wichtiger sei es, zwischenmenschliche Gefühle zuzulassen und Menschen Vertrauen zu schenken. Veränderungen müssen bei uns persönlich beginnen und dürfen nicht von anderen erwartet werden. «Wenn ich den anderen so akzeptiere wie er ist, geht es mir besser,» sagte eine Bäuerin und rät auch, die schlechten Gefühle von anderen Menschen nicht zu übernehmen und nur die Freuden in den eigenen Krafttank aufzunehmen. «Wer mit sich im Reinen ist, hat die Kraft, auch andere glücklich zu machen.»

 

Ruth Bossert

 

 

... zurück zur News-Übersicht