Adventus Domini

12.12.2017

Am kommenden Sonntag ist der zweite Advent. Dieser Begriff stammt vom lateinischen «adventus Domini», was mit «Ankunft des Herrn» übersetzt wird – das Warten auf ein ganz besonderes Ereignis. Der Sinn dieser besinnlichen Zeit ist jedoch längst in den Hintergrund getreten; sie hat sich zu einer reinen «Stressorgie» entwickelt. Alles muss noch ratzfatz erledigt werden, diese Sitzung geht noch rein, dieses und jenes muss unbedingt vor Weihnachten besorgt werden. Entstanden ist eine Gesellschaft, welche durch die Weihnachtstage hetzt, an Rabattschlachten die «Geiz ist geil»-Mentalität auslebt und sich irgendwann wundert, weshalb bloss so gar keine Weihnachtsstimmung aufkommen mag. Und wenn es dann soweit ist, sitzt man fix und fertig mit dem unguten Gefühl, doch noch irgendetwas vergessen zu haben, am reich gedeckten Weihnachtstisch. Ich übertreibe? Wer weiss, vielleicht. Aber schauen Sie sich einmal um ...

Die Vorweihnachtszeit war ja ursprünglich eine Fastenzeit. Es war den Gläubigen verboten, zu feiern oder zu tanzen. Dieses Verbot wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts aufgehoben. Und wenn wir am nächsten Sonntag die zweite Kerze auf dem Adventskranz anzünden, gehört dies übrigens nicht zur ursprünglichen Vorweihnachtstradition: Dieser Brauch wurde 1839 durch einen Hamburger Theologen ins Leben gerufen. Er liess einen Adventskranz in einer Kindereinrichtung aufhängen und erfand damit den beliebten Brauch. Dasselbe gilt auch für den Adventskalender, welchen man erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts kennt. Früher noch fanden die Kinder hinter den Türchen meist bunte Bilder. Diese konnten mit einer Kerze, die man dahinter stellte, zum Leuchten gebracht werden.

Nun wünsche ich Ihnen möglichst wenig Stress, den Mut, ohne schlechtes Gewissen auch einmal «Nein» zu Hektik und «Ja» zu Besinnlichkeit und Stille sagen zu können.


Daniel Thür
Leiter Kommunikation VTL

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