Gestresste Arbeiter und Kühe im Stall?

10.09.2019

Beim Zmorgenessen: «Heute steht die Klauenpflege auf dem Programm ». Nur schon das Wort Klauenpflege lässt bei vielen den Puls höherschlagen, denn alle wissen, wie gern die Kühe in den Pflegestand laufen – oder vielfach gestossen werden! Situationen, die in der Vergangenheit nicht so richtig funktionierten und mit viel Aufwand und Nerven verbunden sind, verursachen oft im Voraus beim Betriebsleiter oder den Mitarbeitenden Stress.
Die Kuh, hochsensibel, merkt bereits an der Körperhaltung oder an der Stimme, dass der Landwirt irgendwie komisch drauf ist – also ab in die hinterste Ecke! Nun ist auch die Kuh im Stressmodus. Für ein Fluchttier, wie die Kuh, ist Stress zentral zum Überleben, denn so mobilisiert sie all ihre Energie, um bei erhöhter Gefahr schnell flüchten zu können. Stress, vor allem langer und andauernder, schwächt das Immunsystem und verbraucht unnötig viel Energie. Alle im Stall stehen nun unter Stress, der Arbeiter und die Kühe. Muss das auch in Zukunft so sein? Nein, Stresssituationen sind für Mensch und Tier zu lindern. Weshalb läuft die Kuh nicht einfach so in den Pflegestand? Weil sie in nicht kennt! Weshalb geben wir der Kuh keine Zeit ihn kennenzulernen? Weil es schnell gehen muss. Weshalb geht sie das nächste Mal wieder nicht gerne in den Klauenpflegestand? Weil sie ihn immer noch nicht kennt! Die Kuh möchte wissen, wo sie durchläuft, und dies macht sie mit Beschnuppern. Nur weil sie einmal in den Stand gejagt wurde, kennt sie den Stand noch lange nicht!
Beim nächsten Zmorgenessen: «Heute morgen nutzen wir den Regentag und richten einen Treibweg zum Pflegestand ein und treiben die Kühe und Rinder zwei- bis dreimal ohne Stress durch den Stand. So können sie ihn mal wirklich kennenlernen».
Mühsame Arbeiten mit den Tieren sind zu analysieren und neue Wege auszuprobieren. Erste Inputs dazu gab uns Philipp Wenz am Arenenberger Laufstallstamm.


Michael Schwarzenberger
BBZ Arenenberg

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