Judith und Nino Enderlin züchten Eglifische

05.03.2019

Egli-Zucht kommt in Schwung

Auf der Suche nach einem neuen Standbein sind Judith und Nino Enderlin auf die Eglizucht gestossen. Die Anlage läuft und versorgt bereits erste Kunden in der Region mit dem wertvollen Fisch.

Die Fischlein sind kaum vier bis fünf Zentimeter lang, wenn sie in die Jungfischanlage von Judith und Nino Enderlin in Bischofszell eintauchen. Sie sind 90 Tage alt, rund 12 000 an der Zahl und wiegen gerade mal acht bis zehn Gramm. Dieses Gewicht steigt innerhalb von ein paar Monaten auf 200 bis 220 Gramm. «Dann sind sie so weit, dass wir sie schlachten und an jene Kunden weitergeben können, die bei uns bereits im Voraus bestellt haben», sagen die beiden. «Sie schätzen vor allem, dass dieser Eglifisch ein regionales Produkt ist.»

Viel Technik nötig
Die Jungfische liefert viermal pro Jahr Lukas Schneeberger von der FTN Aquaart. Es sind jeweils 30 000 Stück. Er war ihnen mit seiner Erfahrung, aber auch bei der Konzipierung und dem Bau der Fischzuchtanlage mit der vielen Technik eine grosse Hilfe. Zwölf Becken stehen im Untergeschoss an der Espenstrasse 1a. Viele Rohre sind verlegt, Sensoren messen den Wassergehalt. Für die Wasserreinigung stehen grosse Tanks und zudem Biofilter gleich in der Nähe. Das gereinigte Wasser fliesst zurück in die Becken. Das bedeutet, dass Enderlin nur wenig Frischwasser benötigt. «Im April 2018 begannen wir mit dem Bau. Bereits im September 2018 konnten wir einen Testlauf für die Filteranlage starten. Dieser verlief positiv und wir konnten die Anlage mit den ersten Fischen bestücken.»

20 Tonnen pro Jahr
Die Idee mit der Fischzucht schwirrte schon viele Jahre im Kopf von Nino Enderlin herum. «Unser Landwirtschaftsbetrieb in Winden ist mit der Mutterkuhhaltung recht klein», sagt er. «Zudem ist mein Vater mit seinen 54 Jahren noch jung.» Deshalb machte er sich auf die Suche nach einem zweiten Standbein. Seine Informationen waren zwar nicht immer ermutigend, denn die Zucht von Egli ist anspruchsvoll. Trotzdem blieb er bei seiner Idee, nicht zuletzt, weil er die Fischerei auf dem Bodensee von seinem Grossvater bereits kannte. Eine provisorische Bedarfsabklärung motivierte ihn letztendlich, die Investitionen zu wagen. «Unsere heutige Fischzucht ist ausgelegt auf 20 Tonnen pro Jahr oder rund 110 000 ausgewachsene Fische», erklärt er. «Dafür benötigen wir entsprechend grosse Mengen Futter.» Dabei betont er, dass er das Futter aus einer streng kontrollierten Produktion in Deutschland beziehe, weil es Eglifutter in der Schweiz nicht gebe. Es bestehe aus Fisch-, Krill-, Feder- und Hühnermehl sowie Fischöl, immer aus Schlachtabfällen. Etwas Weizen und Weizengluten sowie Mineralien, Vitamine und mehr kommen dazu. Die Schlachtung erfolgt durch Elektroschock.

Eigene Vermarktung
Für die Vermarktung haben sich Enderlins entschieden, diese selber zu übernehmen. Bis jetzt sind vor allem die Gastronomie und Private an ihren Fischen interessiert. «Wir nehmen die Bestellungen entgegen, bereiten die Fische für den Versand vor und bringen sie oder lassen sie abholen», sagt der Fischzüchter. «Das Potenzial ist aber noch gross und wir freuen uns über alle Neukunden.» Klar ist, dass er noch einige Zeit nebenbei als Zimmermann arbeiten wird, aber mit dem klaren Ziel, dereinst als Fischwirt und als Landwirt tätig zu sein. www.enderlinfisch.ch.


Martin Brunner

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