Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


."1001 Gemüse & Co. 2016" - Bio aus gutem Grund

Ausgabe Nummer 36 (2016)

«1001 Gemüse & Co. 2016» wurde am vergangenen Wochenende zum sechsten Mal durchgeführt, ein Degustationsmarkt, der alle zwei Jahre rund um den Klosterplatz in Rheinau stattfindet. Speziell an diesem Markt ist, dass der Kauf der Produkte an einem zentralen Ort auf dem Gelände möglich ist. An den Ständen geht es ausschliesslich ums Kennenlernen und Probieren von Bioprodukten.

Vielfalt wörtlich genommen
Genuss und Vielfalt sollen im Mittelpunkt stehen, lautete das Motto der Veranstalter. Bei 1001 Gemüse & Co. sind auch Informationen zur Produktionsweise in der Biolandwirtschaft stets ein wichtiger Aspekt. So erhielten die Besucher die Möglichkeit zur Teilnahme an Führungen durch die Zuchtgärten der Sativa Rheinau AG (Ökologisches Saat- und Pflanzgut) und den Bauernbetrieb der Gut Rheinau GmbH. Ein Kinderattraktions- und Kulturprogramm rundete den Anlass abwechslungsreich ab. Einen zentralen Programmpunkt bildeten diesmal verschiedene Vorträge rund um die Themen (Bio) Baumwollanbau in der Klosterscheune. In der Vortragsreihe zur Sonderveranstaltung «Grüner Faden – Bio & Fair vom Saatgut bis zum T-Shirt» am Samstag, widmeten sich mehrere Referenten dem Thema «Woher kommt unsere Baumwolle?»
Am Sonntag standen die Referate im Zeichen der Sicherung der Ernährung für die wachsende Weltbevölkerung. Die Ausstellung «Grüner Faden» wurde eigens für diesen Publikumsanlass konzipiert. Sie stellte neben Informationen rund um den Baumwollanbau auch Projekte vor, bei denen das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Indien und Westafrika, gemeinsam mit örtlichen Institutionen und Praktikern, forscht. In Indien, Burkina Faso, Benin und Mali ist das FiBL für die Bio-Baumwolle aktiv. Ziel ist es, die Bauern mit Fachwissen und selbstgezüchtetem Saatgut der Baumwollpflanzen wieder zur Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zurückzuführen.

Baumwollprojekte vorgestellt
Eines der Projekte des FiBL mit dem Namen «Cotton Cultivar Evaluation 2011–2017» fördert in Indien die lokale Prüfung von Baumwollsorten und Saatgutvermehrung unter Biobedingungen. Der Hintergrund des Projekts ist die schnelle Ausbreitung gentechnisch veränderter Baumwolle (GVO), die dazu führte, dass innerhalb von wenigen Jahren der Saatgutmarkt für GVO-freie Baumwolle völlig zusammengebrochen ist. Lokale Baumwollarten und -sorten gingen verloren oder sind mit GVO-Baumwolle kontaminiert. Zu den Zielen des Projekts gehört deshalb die Bestimmung der Anbaueignung vorhandener GVO-freier Baumwollsorten unter Biobedingungen, die Vermehrung und Reinhaltung der besten Sorten unter Biobedingungen und der Aufbau einer Bio- Saatgutproduktion. Zu den Aktivitäten gehört die Prüfung der Wüchsigkeit im Feld, die Prüfung des Ertrags von On-Farm-Versuchen sowie das Prüfen der Faserlänge. Als Fazit der Vortragsreihe mit Referenten verschiedener Organisationen (bioRe Stiftung, Helvetas, FiBL, Swissaid, Blauen Institut, biovision, Zukunftstiftung Landwirtschaft, Technische Universität München) resultierte, dass die Ernährungssicherung durch Diversifizierung der Anbausysteme von Bio-Baumwolle ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation darstellt. Und es ist wichtig, dass dank des Biolandbaus in den Anbauländern die Bodenfruchtbarkeit gefördert wird, denn der Humusaufbau ist ein Muss.


Isabelle Schwander






Impressionen vom Markt. (is)



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