Ausgabe Nummer 42 (2008)
12. Tag der Landjugend an der OLMA
«Kiffen macht gleichgültig»
Das Thema des Landjugend-Forums 2008 lautete «Hanf ist nicht gleich Hanf». Albert Werder, stellvertretender Leiter der Suchtfachstelle St.Gallen, und René Weber, Geschäftsführer eines hanfverarbeitenden Betriebes in der Ostschweiz, beleuchteten dieses Thema und diskutierten es mit der Landjugend. Mit vier spannenden Wetten und einer Showeinlage unterhielten die Landjügeler anschliessend das Publikum in der Arena.«Die Schweizer Landjugend hat Zulauf. Die Landwirtschaft hat ein sexy Image bekommen », sagte Thomas Scheitlin, Olma- Präsident an der Eröffnungsfeier im Theater St.Gallen. Er verwies auf den Bauernkalender, der erotische Fotos junger Bäuerinnen zeigt, und auf die Mr.-Heubuuch- Wahlen, die jeweils den schönsten Schweizer Bauer erküren. «Wir bringen Leben in die Stadt», heisst ein Slogan des Schweizerischen Bauernverbandes, und Leben in die Olma-Stadt brachte auch die Landjugend am «Tag der Landjugend».
Unterschiedliche Verwendung
Am Forum erläuterte Albert Werder die unterschiedlichen Verwendungszwecke von Hanf. Mit dem Genuss von Cannabis als Droge im 21. Jahrhundert sei der Nutzen dieser Pflanze in den Hintergrund geraten. «Kiffen macht gleichgültig», sagte Werder. Cannabis könne psychisch abhängig machen und zu Psychose und Verfolgungswahn führen. Über kurz oder lang verursache diese Droge gesundheitliche Schäden. Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 15 Jahren werden im Kanton St.Gallen bei Cannabiskonsum polizeilich einvernommen und die Eltern informiert. Auch die Jugendanwaltschaft kriege davon Kenntnis, erklärte Werder. Null-Toleranz gelte bei Cannabiskonsum im Strassenverkehr.
Legal komme Hanf bei Kosmetikmitteln, wie Seife, Shampoo, Cremes, Schaumbad und Massageöl, zur Anwendung. Werder erwähnte auch die Vorzüge von Hanf als Nahrungs- und Futtermittel.Als Biodiesel biete die robuste Pflanze auch für die Landwirtschaft interessante Aspekte. In der Industrie werde Hanf bei Herstellung von Papier, Ziegeln und Baustoffen verwendet. Auch in der Medizin werde diese Pflanze genutzt. Der hohe Wirkstoff THC des Hanfs habe eine beruhigende Wirkung und sei stimmungsaufhellend. Die akute Wahrnehmung werde damit gesteigert.
Äusserst schädlingsresistent
Hanf ist fast weltweit in den gemässigten bis tropischen Zonen zu finden, sowohl kultiviert als auch verwildert. Diese Pflanze ist als nachwachsender Rohstoff wegen ihrer problemlosen Zucht und vollständigen Nutzbarkeit beliebt. Es werden keinerlei Herbizide benötigt, weil die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen den Boden vollständig beschatten, sodass kein Unkraut mehr Licht findet. Ausserdem ist der Hanf äusserst schädlingsresistent und pflegeleicht. Hanf produziert mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze. In der Wirtschaft ist Hanf äusserst vielseitig einsetzbar und wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz geschätzt.
Grauzone liegt nahe
René Weber gab zu bedenken, dass die positiven Aspekte von Hanf viel grösser seien als die negativen. Vor dem Aspirin habe der Hanf eine grössere Bedeutung gehabt.«Wir produzieren unter erschwerten Bedingungen», sagte Weber, der einen Indoorbetrieb führt. Auf die Frage, weshalb er indoor und nicht outdoor produziere, antwortete der Hanfproduzent: «Die hohen Qualitätsansprüche vor allem im medizinischen Sektor verlangen, dass immer mit den gleichen Voraussetzungen gearbeitet werden muss.» Beim Indoorhanf bestehe eine Grauzone. Die Distanz zum Betäubungsmittelgesetz liege da sehr nahe, räumte Weber ein, der seinen Likör nur im Ausland verkauft und dessen Etikette eine Orchidee, keine Hanfpflanze, ziert.
Balanceakt
Lautstark eröffneten die Einscheller «Strubelgruess Lenk» die Aktivitäten der Landjugend in der Arena. Einen dicken Baumstamm in Scheiben zersägten Mitglieder der Zürcher Landjugend und bauten damit ein Haus. Diese erste Wette ging verloren. Eingelöst wurden die nachfolgenden Wetten. Einen Balanceakt auf einem 32 Meter langen Seil zeigte die Landjugendgruppe Pilatus. Rundballen aus Heu presste die Landjugendgruppe Tannzapfenland, und die Landjugendgruppe Appenzell presste Most um die Wette. Letzteres Team musste den Wettkönigstitel an die Landjugend Tannzapfenland abtreten. Mit einem Showtanz und Akrobatik zum bekannten Musiktitel «It?s my life» präsentierte sich die Landjugend Gäbris.
Norbert Rechsteiner
Kamen, sahen, siegten
Erstmals nahm die Landjugendgruppe Tannzapfenland am Olma-Tag der Landjugend in St. Gallen mit einer eigenen Wette teil.Acht junge Frauen und zehn junge Männer aus dem Hinterthurgau pressten mit einer selbstgebauten Handpresse Heu zu kleinen Siloballen (Bild). Das Publikum wählte schliesslich die Landjugendgruppe Tannzapfenland per Applaus zum Sieger.Voller Freude meinte der Chef der Gruppe, Stefan Spring aus Amlikon: «Jetzt lassen wir die Sau raus.» (tos)

