Ausgabe Nummer 11 (2008)
2000 neue Bäume für Auge, Gaumen und Natur
Acht Thurgauer Gemeinden beteiligen sich an der Baumpflanzaktion
In den kommenden Wochen werden in den Kantonen Thurgau und Zürich über 2000 Hochstammobstbäume und Feldbäume in 187 verschiedenen Sorten gepflanzt.«Um das Jahr 1950 standen noch rund 14 Millionen Hochstammobstbäume in der ganzen Schweiz. Nach einem jahrzehntelangen Rückgang sind bis heute weniger als ein Fünftel übrig geblieben», stellten gestern Andreas Bosshard und Mathis Müller, Ökologie und Landwirtschaft GmbH, an der Baumverteilaktion auf dem Betrieb von Matthias Schmid in Märwil fest. Als Hauptgründe für den Rückgang der Hochstammobstbäume nannten die beiden den Rückgang des Mostkonsums, Verwertungsprobleme und ein entsprechend tiefer Preis. Der Feuerbrand habe den Rückgang in den letzten Jahren nochmals beschleunigt.«Wenn wir weiterhin qualitativ hochstehenden einheimischen Most trinken wollen, müssen wir jetzt Bäume pflanzen. Ernten werden wir erst in zehn Jahren», sagte Bosshard, der die Pflanzaktion initiiert hat.
Fonds Landschaft Schweiz hilft bei der Finanzierung
In 16 Gemeinden in den Kantonen Thurgau und Zürich pflanzen rund 100 Landwirte 2000 neue Hochstammobstbäume und Feldbäume in 187 Sorten. Die Bäume werden zu einem grossen Teil durch den Fonds Landschaft Schweiz im Rahmen der Alleenkampagne finanziert. Der Fonds Landschaft Schweiz leiste einen Beitrag von 200 000 Franken. Im Kanton Thurgau werde ein Teil der Kosten vom Thurgauer Vogelschutz übernommen. Die Bäume werden somit im Thurgau gratis an die Bauern abgegeben. Die Bauern mussten eine Vereinbarung unterschreiben, wonach sie während den ersten sechs Jahren kontrolliert werden. Im Kanton Thurgau profitieren Bauern aus den Gemeinden Affeltrangen, Bussnang, Berg, Mauren, Weinfelden, Aadorf, Ermatingen, Müllheim und Pfyn von dieser Baumpflanzaktion.
Viele Vögel verschwanden
Ein wichtiges Motiv des Projektes sei der ökologische und landschaftliche Wert der Bäume in der Kulturlandschaft, erklärte Müller. Denn mit dem Baumrückgang ging nicht nur ein Stück Heimat und Charakter der Landschaft verloren. Es setzte auch ein dramatischer Rückgang der meisten typischen Vögel der Hochstammobstgärten ein. Laut Müller brütete 1996 der letzte Rotkopfwürger der Schweiz. Steinkauz, Wendehals und Gartenrotschwanz, früher häufig verbreitete Vögel der Streuobstgebiete, seien aus den meisten Regionen der Schweiz verschwunden.
Nationalrätliches Lob
«Die Pflanzaktion ist deshalb nur einen Tropfen auf einen heissen Stein, das grosse Echo und Engagement der Landwirte ist umso erfreulicher», so Müller. Nationalrätin Edith Graf-Litscher gab ihrer grossen Freude über die gelungene Aktion Ausdruck. Nach ihrer Meinung gehören die Hochstammbäume ebenso zum Landschaftsbild des Thurgaus wie Thur und Murg.
Mario Tosato

