Ausgabe Nummer 2 (2006)

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2005: ein schwieriges Feuerbrandjahr

2005: ein schwieriges Feuerbrandjahr

Obwohl nur an wenigen Tagen kritische Infektionsbedingungen während der Obstblüte herrschten, war 2005 ein schwieriges Feuerbrandjahr. Die Zahl der Gemeinden mit Feuerbrandbefall stieg auf 55 an – 2004 waren es noch 27 gewesen.  Fachleute gehen davon aus, dass die Krankheit nicht mehr vollständig ausgerottet werden kann.

Aufgrund des rückgängigen Befalls in den Jahren 2002 bis 2004 ging man von der Annahme aus, der erfreuliche Trend würde sich auch im Jahr 2005 fortsetzen. Dies auch darum, weil von den 27 befallenen Gemeinden im Jahr 2004 mehrere nur einen einzelnen Befallsherd verzeichneten.
Nach einem ruhigen Mai mit wenigen Feuerbrandproben und Verdachtsfällen war man guter Hoffnung, treten doch Befälle in den Obstanlagen normalerweise bereits ab Mitte Mai zutage. Ab der zweiten Woche Juni nahmen dann aber die Verdachtsfälle zu. Es wurden vermehrt positive Feuerbrandproben gezogen. Der grösste Teil der total 1026 Proben wurde in den Monaten Juli und August entnommen. Auch bei den Nachkontrollen im September kam da und dort noch Befall vor.
Die Befallsstatistik 2005 zeigt, dass gesamthaft mehr Pflanzen erkrankten als im Vorjahr. Bei den Hochstämmen wurden total 112 (Vorjahr 41) Birnbäume (Gelbmöstler, Egnacher Mostbirne), 26 (18) Apfelbäume und 14 (23) Quittenbäume gerodet. Bei den Obstanlagen stieg die Zahl der befallenen Anlagen auf 40 (10). Total mussten 391 Bäume in Anlagen gerodet werden, 3013 konnten zurückgeschnitten werden. Bei den Zierpflanzen mussten insgesamt 2954 Quadratmeter (721 m2) Cotoneaster-Bodendecker, 80 (69) Weissdornsträucher und 34 (65) übrige hochwachsende Sträucher gerodet werden.
Die unerfreulichste Entwicklung betrifft die Zunahme der Befallsherde im Kanton. Während im letzten Jahr noch 53 Gemeinden von total 80 befallsfrei waren, wiesen dieses Jahr 55 Gemeinden Befall auf. Nur der Bezirk Diessenhofen blieb befallsfrei. Beunruhigend ist die Tatsache, dass der Feuerbrand über die ganze Kantonsfläche diffus verteilt war. Positiv kann hervorgehoben werden, dass es sich bei den Befallsherden bis auf wenige Ausnahmen nur um einzelne Pflanzen handelte. So wurde in 20 Gemeinden der Befall nur an einem einzigen Ort nachgewiesen. Die Intensität des Befalls war in vielen Gemeinden tief. Es zeigte sich aber, dass das Infektionspotenzial auf tiefem Niveau überall vorhanden war.
Abschliessend kann festgehalten werden, dass der Feuerbrand im Jahr 2005 in kleinen Einheiten weit verstreut auftrat. In Gemeinden, welche einige Jahre befallsfrei waren, konnte er wieder nachgewiesen werden. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Krankheit nicht mehr vollständig ausgerottet werden kann. Im Jahr 2005 war das Feuerbrandrisiko weder durch sehr viele Infektionstage noch durch grossflächige Hagelzüge erhöht. Trotzdem flackerte die Krankheit diffus verteilt im Kanton auf. Für die Zukunft bedeutet dies, dass bei erhöhten Infektionsbedingungen auch bei uns wieder stärkerer Befall auftreten kann. Die Erfahrungen mit dem Feuerbrand im Jahr 2005 zeigen, dass vorläufig auf eine intensive Kontroll- und bei Befall Rodungstätigkeit nicht verzichtet werden kann.
Die Mitwirkung der Gemeinden in der Bekämpfung des Feuerbrandes ist von grosser Bedeutung. Dafür gilt den Gemeinden und allen in der Überwachung des Feuerbrandes tätigen Personen ein besonderer Dank.

Landwirtschaftliches Bildungs- und
Beratungszentrum Arenenberg,
Dr. Hermann Brenner,
Leiter der Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie.