Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


.2017 - ein Jahr der Extreme

Ausgabe Nummer 49 (2017)

Präsidentenkonferenz vom 1. Dezember 2017

Markus Hausammann, Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft, durfte rund 50 Personen an der diesjährigen Präsidentenkonferenz begrüssen. Auf dem Arenenberg wurde über Neuigkeiten aus dem Landwirtschaftsamt und Aktuelles aus dem BBZ Arenenberg berichtet sowie eine Standortbestimmung des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft vorgenommen.

Ueli Bleiker, Chef des kantonalen Landwirtschaftsamtes, informierte über die Veränderungen der Agrarpolitik 2018 –2021 und der neuen Strukturverbesserungsmassnahmen. Das Jahr 2017 ist und war nicht nur agrarpolitisch ein Jahr der Extreme, sondern auch bezüglich Frost und Hagelschäden, welche die Landwirtschaft hinnehmen musste. Das Landwirtschaftsamt hat im Auftrag von fondsuisse die Gesuche der betroffenen Landwirte gebündelt und an fondsuisse zur Prüfung weitergeleitet. «Aus dem Thurgau wurden über 100 Gesuche eingereicht, der Kernobstbau ist mit rund 700 Hektaren am stärksten betroffen», so Bleiker. fondsuisse wird im neuen Jahr über die Entschädigungshöhe befinden.

Milchbetriebe halbiert
Beim kurzen agrarpolitischen Rückblick sagte Bleiker, dass 2017 gegenüber 2016 der Übergangsbeitrag weiter abgenommen hat. Gesamthaft betrachtet haben aber die Hangbeiträge im Talgebiet und höhere Beteiligungen beim Biolandbau, bei der Landschaftsqualität und bei den Ressourceneffizienzprogrammen diesen Rückgang mehr als kompensiert. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht weiter, der innerbetriebliche Wandel ist grösser als die sinkende Anzahl der Betriebe. Viele Höfe durchliefen in den vergangenen Jahren eine «enorme Spezialisierung ». In der Milchwirtschaft hat sich die Anzahl Betriebe zwischen der Jahrtausendwende bis heute auf 1000 halbiert.
Im neuen Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit, welcher mit hoher Mehrheit vom Schweizer Stimmvolk angenommen wurde, stehe das Wort Ressourcen zweimal drin. In diesem Zusammenhang sei auch der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundesrates und die agrarpolitischen Änderungen für 2018 und fortfolgend zu sehen. Demzufolge werden in den nächsten Jahren vermehrt Massnahmen zur Ressourceneffizienz vom BLW und BAFU zu erwarten sein.

3 Sterne-plus
Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, sagte vorweg: «Wir steigen definitiv ein», und sprach damit die Bubble-Hotel-Aktivitäten, an welchen man teilgenommen hat, an. Diese durchsichtigen Hotelzimmer, welche 2017 überall im Kanton buchbar waren, haben einen richtigen Run ausgelöst. Aufgrund der Erfahrungen wolle man die Hotellerie vorwärtstreiben und ein 3* plus Angebot auf die Beine stellen. Auch das Thema Milchviehstall streifte er, da dafür ein neuer Standort gesucht wurde. Nun hofft er, dass bis März 2018 weitere Infos bekanntgegeben werden können.

Digitale Hilfsmittel
Christian Eggenberger zeigte einen Film zum Projekt Swiss Future Farm, welches vom BBZ Arenenberg (Infrastruktur), AGCO und GVS Agrar auf dem BBZ Versuchsbetrieb in Tänikon betrieben wird. Dabei geht es hauptsächlich um den Einsatz digitaler Hilfsmittel auf Geräten und Maschinen sowie der digitalen Erfassung von Daten, welche von den Geräten und Maschinen direkt in eine zentrale Farmsoftware übertragen werden. Darin können die Daten ausgewertet und für Optimierungen genutzt werden. Zudem soll das System zukünftig die verschiedenen Aufzeichnungsarbeiten erleichtern. Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt will das BBZ Arenenberg zusammen mit Agroscope für Beratung und Schule aufarbeiten und so der Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Schlussendlich sei das Zentrale, dass die Landwirtschaft aus dem Projekt einen Nutzen ziehen kann.

Linearmodell 2017
Ruedi Huber, BBZ Arenenberg, zeigte die gegenwärtige Ausbildungssituation auf. Rund 30 Prozent der Lernenden kommen aus anderen Kantonen. Das «Thurgauer Modell» wurde durch das «Linearmodell 2017» abgelöst. Schwachstellen wurden bereinigt und der Werkstattkurs A effizienter gegliedert. «In der Summe sind es gleich viele Lerntage wie bisher», so Huber. Neu sind unter anderem nur noch 3,5 Wochen Gruppenunterricht im ersten Schuljahr und vier statt drei Wochen Blockunterricht im zweiten Jahr. Die bisherigen Blockwochen des dritten Lehrjahres wurden ersetzt durch 15 Wochen mit je zwei Schultagen, an welchen verschiedene Vertiefungen angeboten werden. Ebenfalls wurden die Wahlfächer in den Bereichen Pflanzenschutz, Obstbau und Gemüsebau ausgebaut.

10 Jahre VTL
VTL-Präsident Markus Hausammann erwähnte die Digitalisierung ebenfalls. Diese sollte nicht nur für weniger administrativen Aufwand sorgen, sondern tatsächlich Erleichterungen bringen. «Wir müssen die Ansprüche an die Digitalisierung stellen und dürfen uns diese nicht von oben diktieren lassen», so Hausammann.
Danach kam er auf das Thema «10 Jahre VTL – Fazit und Ausblick aus Sicht des Vorstandes» zu sprechen. Als der «VTL» gegründet wurde, haben unter anderem Ziele wie «ein Verband für die Thurgauer Landwirtschaft » oder «mehr politisches Gewicht» im Vordergrund gestanden. Es sei deshalb schade, dass es noch immer landwirtschaftliche Segmente gebe, welche nicht dem Verband angehörten. Unbefriedigend erachtet Hausammann auch die Situation, dass man auf Verbandsseite oft zu spät informiert wird. «Es bleibt eine Herausforderung, den Informationsfluss in den Regionen zentral an die Basis weiterzugeben und zu gewährleisten». Nur so könne man rechtzeitig reagieren.

Standortbestimmung VTL
VTL-Vorstandsmitglied Urs Schär stellte noch das neue Leitbild des VTL vor. Eine Arbeitsgruppe habe neun Punkte erarbeitet und definiert. Die Kernaussagen helfe bei der Positionierung gegenüber Mitgliedern und anderen Verbänden und Organisationen. Unter der Leitung von Mathias Roth fand dann am Nachmittag eine sogenannte Standortbestimmung des VTL statt. Dabei wurde in Gruppen über Stärken und Verbesserungspotenziale diskutiert, Ideen und Anregungen, welche an den Vorstand gehen, wurden festgehalten. Dieser wird eine Auswertung vornehmen und daraus resultierende Verbesserungspotenziale umsetzen.


Daniel Thür







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