Ausgabe Nummer 4 (2009)

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5. Agrotourismus-Fachtagung am BBZ Arenenberg

Wachstum ist kein Erfolgsgarant

Die 5. Agrotourismus-Fachtagung am Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg befasste sich mit dem Thema «Familienunternehmen und die Grenzen des Wachstums.»

Trotz Globalisierung sei das Wachstum in der Landwirtschaft beschränkt, gab Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), bekannt. Nach seinen Aussagen zählt ein durchschnittlicher Schweizer Betrieb 20 Hektaren Betriebsfläche, 7 Hektaren Pachtland, 1 Angestellter, 36 Rindviecher, 17 Kühe, ein Milchkontingent von 110000 kg Milch, 36 Schweine und 4,2 Hektaren Ackerfläche. Viele Betriebe seien auf einen Nebenverdienst angewiesen, betreiben einen Hofladen oder betätigen sich im Bereich Agrotourismus.

Starke Veränderungen
In den letzten 15 Jahren habe sich viel verändert, stellt Walter fest. 98 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werde nach ÖLN-Richtlinien bebaut. Die Professionalisierung, die Spezialisierung und der Aufbau von Produktions-, Betriebs- und Verkaufsgemeinschaften habe stark zugenommen. Die Landwirtschaft besetze viele Nischen und die Produktion von hochwertigen Spezialitäten. Dabei spiele die Qualitätssicherung auf hohem Niveau eine wichtige Rolle. Nach Walters Aussagen sind dem landwirtschaftlichen Wachstum häufig innere und äussere Grenzen gesetzt. Stehe doch vielfach zuwenig Land in der Nähe der Betriebe zur Verfügung. Auch die finanzielle Situation verhindere vielfach ein Wachstum. Neben den Familien- und Betriebsverhältnissen stellen auch WTO und ein allfälliges Agrarfreihandelsabkommen mit der EU besondere Herausforderungen für die Bauernfamilien.

Persönliche Zufriedenheit im Vordergrund
«Wachstum allein ist keine Erfolgsgarantie », so Walter. Wachstum müsse nachhaltig sein, sonst sei der Verdienst oder die Management persönliche Zufriedenheit unter Umständen schlechter als vorher. Nach seinen Aussagen gibt es die ideale Betriebsgrösse als Optimum nicht.

Erfolg macht süchtig
In zwei spannenden Referaten sprachen die beiden Bäuerinnen Nina Tanner, Maienfeld GR, und Petra Nef, Oetwil am See ZH, von Burn-out, Stress und Angstgefühlen. Verblüffend die Parallelität der beiden Familiengeschichten. Beide Betriebe gaben die Milchviehhaltung zugunsten der Mutterkuhhaltung oder Aufzucht auf. Beide Familien setzten auf Gästebewirtung und hatten dabei Erfolg. «Jeder Süchtige gibt in solchen Situationen Vollgas und nimmt die ersten Warnsymptome nicht wahr», erzählte Petra Nef. Die beiden Frauen erzählten, wie der Alltag für sie immer «dunkler und unerträglicher» wurde. «Ohne fremde Hilfe hätten wir den Weg in den Alltag und in den Beruf wohl nicht mehr gefunden», sind sich die beiden einig. Beide zeigten Übereinstimmung, dass es in solchen Situationen viele klärende Gespräche mit den Partnern, Kindern, Familie und Umfeld brauche. Der Abschluss der Fachtagung bildeten der Gedankenaustausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ein intensives Gespräch mit den beiden Referentinnen.

Mario Tosato


Nina Tanner (links), Nationalrat Hansjörg Walter und Petra Nef (rechts) sprachen über
Wachstum, Burn-out und Stress. (tos)
Nina Tanner (links), Nationalrat Hansjörg Walter und Petra Nef (rechts) sprachen über Wachstum, Burn-out und Stress. (tos)