Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Aachtal-Futter-Kunden entfliehen dem Nebel

Ausgabe Nummer 50 (2016)

Beim traditionellen Aachtal-Futter-Ausflug besteigen 70 Kunden in dichtem Nebel den Car. Auf dem Weg an die Sonne servieren die «Berater » den vom Geschäftsführer gefertigten Kaffee mit sehr feinen, strukturarmen Butterzöpfen.

Landwirtschaftliche Schule Plantahof
Pünktlich um 10.00 Uhr sind wir da – vor dem neuen grossen Stall des Plantahofs. Vize-Direktor Carl Brandenburger führt uns in die neue Arena und gibt uns in Wort und Bild viel Interessantes über Geschichte und Betrieb «seines» Plantahofs weiter: Rund 100 Angestellte arbeiten auf dem Plantahof – 30 in der Landwirtschaft, davon sieben Lehrlinge. 360 «Kunden», das heisst Schüler und Kursteilnehmer stehen unter Vertrag. Pro Jahr werden im eigenen Restaurationsbetrieb rund 45 000 Mittagessen serviert, 4000 Besucher besichtigen jährlich den Plantahof. Das Budget: Rund 15 Mio. Franken Ausgaben stehen ungefähr 7 Mio. erwirtschafteten Einnahmen gegenüber, für den Rest kommt der Steuerzahler auf.
Durch günstige Kaufangebote in den letzten Jahren wuchs der Plantahof stetig. Zum 64 ha grossen Schulbetrieb in Landquart gehören die 155 ha grosse Alp in Parpan mit der Gemeinschaftskäserei und der biologisch geführte Limousinzuchtbetrieb Ganda in Landquart mit 17 ha.
Weiter gehört auch der Biobetrieb Waldhaus in Chur mit einer Fläche von 43 ha und einem Tierbestand von 60 Ziegen, 60 Schafen und 300 Hühnern zum Plantahof, und gilt als nationales Kompetenzzentrum für Kleinvieh.
Im geräumigen neuen Plantahof-Stall wurden die sechs Freiheiten der Weide (Luft, Licht, Wasser, Futter, Raum, Ruhe) möglichst gut verwirklicht. 75 Brown-Swiss-Hochleistungskühe mit Nachzucht be- wohnen seit eineinhalb Jahren diesen knapp 6 Mio. Franken teuren Bau, welcher übrigens im ersten Anlauf einstimmig durch den Kantonsrat gutgeheissen wurde. Die Kühe sind seit einigen Jahren getrennt in eine Leistungs- (10 000 kg Milch) und Raufutterherde (8000 kg Milch, ohne Kraftfutter) eingeteilt. Die aktuelle durchschnittliche Jahresmilchleistung liegt bei 8700 kg, mit 3,9 % Fett und 3,6 % Eiweiss. Alle Tiere erhalten bestes Grundfutter als TMR und verzehren Rekordmengen. Fressen ist 24 Stunden rund um die Uhr möglich. Krippenresten von rund 15 % gehen an das Jungvieh. Als grösster Zuchterfolg des Plantahofs ist der Sieg an der Europameisterschaft in Mende Anfang 2016 zu erwähnen!
Probleme – auch das gibt es! Die Plantahof-Kühe quittierten den Umzug vom komfortablen Anbindestall in den noch komfortableren Laufstall mit einem deutlichen Leistungsrückgang, welchen sie nun allmählich wieder aufholen. Im grosszügigen Kälberstall macht der Luftaustausch Probleme, was nur mässig gesunde Kälber zur Folge hat; deswegen wurde ein Belüftungsschlauch montiert. Die separierten Feststoffe bewirkten beim Milchvieh grosse Euterprobleme, weshalb momentan auf Separationsgut verzichtet wird. Ebenfalls hat man schlechte Erfahrung mit dem Kalk in der Einstreu gemacht, einerseits wurde mehr Mortellaro festgestellt, andererseits waren die Klauen schmutziger. Deswegen wird auf Kalk in der Einstreu verzichtet.
Auf dem sehr informativen Rundgang erfahren wir noch vieles mehr, bevor wir – bei schönstem Sonnenschein – zum feinen Mittagessen im Speisesaal des Plantahofs marschieren. Das Menu: Alles aus der eigenen Landwirtschaft – sehr gut!

Familien-Betrieb Segmüller in Altstätten
Vom sehr gut geführten landwirtschaftlichen Gutsbetrieb geht es in den sehr gut geführten Familienbetrieb – nahe Altstätten, mitten in der Rheinebene. Junior-Chef Markus Segmüller stellt uns den Betrieb vor: 1975 begannen Armin und Rita Segmüller ihre Landwirtschaft mit einer kleinen Pacht. Dann folgten der Bau eines Munimaststalles (1980), der Kauf des Betriebes (1985), der Neubau des Anbindestalls (1986), der Hausbau (1987), 2003 der Bau einer grossen Halle, in welche ein Laufstall inklusive Melkroboter im Jahr 2008 eingebaut wurde. Arbeitskräfte: Markus, Rita und Armin Segmüller mit Aushilfen beim Silieren.
Betriebsgrösse: 60 ha landwirtschaftliche Nutzfläche; davon 30 ha Kunstwiese, 15 ha Mais, 5 ha Winterweizen, 2 ha Konsumbohnen. Tierbestand: 80 Holstein- Kühe, 65 Mastmunis, 65 Aufzuchtrinder und 30 Kälber. Milchleistung: Rund 10 000 kg mit 4,1 % Fett und 3,45 % Eiweiss, 2,5 Melkungen pro Tag, die Zellzahlen bei rund 200 000. Die Jahresmilchmenge beträgt rund 800 000 kg und geht zur Käserei Imlig in Oberriet. Die Ziele des Betriebsleiters: Gute, robotertaugliche Euter; Nutzungsdauer; gesunde Gliedmassen.
Andreas Preisig von Aachtal Futter AG stellt die Fütterung der Milchviehherde vor: Durchschnittlicher TSVerzehr 24 kg; wovon 5,7 kg TS Grassilage, 6.9 kg TS Maissilage, 1,2 kg TS Biertreber, 2,6 kg TS Kartoffeln, 2,5 kg TS Luzerne, 1,6 kg TS ZRS-Silage, 1,5 kg TS Ökoheu/Stroh sind, zusätzlich sind Mineralstoffe, Viehsalz und Puffer enthalten. Für die Beratung, inklusive Berechnung der Rationen und Zuteilung der Kraftfuttermengen, ist die Aachtal Futter AG zuständig. Der durchschnittliche Kraftfuttereinsatz liegt gerade mal bei 2,8 bis 3 kg je Tier und Tag, die Gesamtfutterkosten je kg Milch von 23 bis 24 Rp. dürfen sich sehen lassen. Bei der Mischwagenration wird auf beste Grundfutterqualität mit hoher Schmackhaftigkeit geachtet. Auf dem Betriebsrundgang werden die vielen Eigenleistungen und das strenge Kostenmanagement deutlich sichtbar. Die Effizienz dieses Betriebes beeindruckt.
Ein feiner Kaffee (mit oder ohne) und ein vom Agronomen servierter, mit Schokolade umhüllten weissen Schaum (Mohrenkopf), zum Abschied. Und schon gehts zurück von der Sonne in den Nebel.

Was haben wir heute gesehen?
Die Sonne! Aber nicht nur: Bei diesen beiden Betrieben scheint auch nicht immer die Sonne. Ein sehr kompetent geführter Plantahof mit nach neusten Erkenntnissen gebautem Laufstall hat auch mit Problemen zu kämpfen. Ein mit viel Arbeit und Können erstaunlich gewachsener und effizient geführter Betrieb Segmüller ist auch nicht immer sorgenfrei.
Trotzdem: Die Freude an der Land- und Milchwirtschaft und der Glaube an die Zukunft scheinen bei beiden Betrieben noch gegenwärtig – trotz der Probleme.


Aachtal Futter AG
Fotos: Hans Baumann













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