Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Abendveranstaltung von Hochstammobstbau Schweiz

Ausgabe Nummer 32 (2014)

Auf dem Hof der Familie Roland Opprecht orientierte die Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz über Entwicklungen und Erfahrungen der letzten Jahre im Bereich Hochstammobstbau. Präsident Guido Schildknecht stellte Bäume und Obstsorten vor, und es wurde über Pflegemassnahmen und Pflanzenschutz diskutiert.

Ausgangspunkt der anschaulichen Abendveranstaltung war Roggwil, wo bei einem Kurzhalt in Rüti Obstbäume mit gelblich verfärbtem Laub und krankem Holz angeschaut wurden. Schon seit einigen Jahren «serble» der Streuobstbestand, ohne dass man wisse warum, erklärte Guido Schildknecht. Mit dem Alter der Bäume und den Pflegemassnahmen sei der schlechte Zustand der Obstbäume in dieser Gegend nicht zu erklären. «In einem gesunden ökologischen Gleichgewicht entwickeln sich in der Regel auch gesunde Bäume.» Er fand, die Obstbaufachstelle Arenenberg oder die Forschungsanstalt Wädenswil sollte nach den Ursachen forschen.

Fahrt durch Mostindien
Weiter ging die Fahrt durch Mostindien, vorbei an einer fünfzehnjährigen Obstanlage mit den Sorten Remo und Reanda, resistenten Neuzüchtungen aus der Forschungsanstalt Pillnitz D. Der Zustand dieser Spindelbuschhochstämme, einst Vorzeigebäume, verschlechterte sich seit zwei Jahren drastisch. Schildknecht warnte davor, Neuzüchtungen ohne vorherige Versuche in unserem Klima und unseren Bodenverhältnissen grossflächig anzubauen. Als weiteres Beispiel nannte er die neue Sorte Topas, die in Tschechien entwickelt wurde und sehr anfällig für Marsonina sei.

Ökologische Zusammenhänge
Schildknecht fand, die Forschung sollte sich vermehrt mit Zusammenhängen von Düngung, Bodenleben und Pflanzenwachstum befassen. Er ist ein Verfechter der traditionell gewachsenen schweizerischen Landwirtschaft mit Familienbetrieben, Rindviehhaltung und Obstbäumen. «Im Moment hören zuviele Betriebe mit der Viehhaltung auf. Andererseits entstehen kolchoseartige Grossbetriebe». Wo Kühe gehalten werde, falle auch Gülle und Mist an. Mist sei nach wie vor der gesündeste Dünger für Hochstammobstbäume. Auf solchen Wiesen seien die Bäume in der Regel gesund und schön grün im Laub. In diesen traditionellen Wiesen sind verschiedene Apfelsorten und ab und zu ein Birnbaum anzutreffen.

Kümmertshausen, das Hochstammdorf
Der Abschluss des Abends war die Besichtigung der Bäume mit Vorstellung der Sorten und Pflegemassnahmen auf dem Hof von Roland Opprecht. Auf seinem Betrieb in Kümmertshausen stehen etwa 330 Hochstamm-Mostobstbäume, von denen die Ältesten gegen hundert Jahre alt sind. Als Ersatz für Abgänge wurden laufend junge Bäume gepflanzt. Ausserdem befinden sich auf dem 21 Hektar grossen Betrieb 230 Aren Niederstamm-Tafelobstanlagen. Opprechts Philosophie ist, mit verschiedenen Betriebszweigen, darunter auch Milchwirtschaft, Risiken und Chancen zu verteilen. «Letztes Jahr vernichtete ein Hagelschlag fast die ganze Tafelobsternte. Da schaffte der Ertrag vom Mostobst einen Ausgleich.» Es dämmerte schon, als die über 60 Veranstaltungsteilnehmenden die Wiese mit den Hochstämmern besichtigten. Die Bäume sind durchwegs schön grün und gesund, tragen aber teilweise in diesem Jahr relativ wenig Früchte. Dafür fiel kein Hagel, und in den Tafelobstanlagen sollte die Ernte sehr gut ausfallen. Die Bäume tragen noch alte Sorten wie Bohnäpfel, Blauacher, Boskop, Tobiässler, Weinapfel, Hordapfel, Golden Delicious und Engishofer. Die Engishofer, benannt nach dem in der Nähe liegenden Dorfteil von Erlen, reifen sehr spät. Das sei ideal, weil man sie erst nach der Tafelobsternte einbringen könne und sie wirtschaftlich und robust seien, so Opprecht. Er macht eher mehr Vorbeugespritzungen gegen Schädlinge wie Schorf, Mehltau und Obstmade als durchschnittlich im konventionellen Anbau üblich, den Erfolg sieht man. Opprecht hielt die Baumspritze zur Demonstration bereit, aber ein drohendes Gewitter trieb die Bauern vorzeitig unter Dach, wo weiter diskutiert wurde und Gebäck und Getränke für den gemütlichen Ausklang bereit standen. Opprecht erläuterte seinen genauen Spritzplan mit zehn verschiedenen Mitteln, von Vitrigan über Harnstoff bis Captan. Andere Obstbauern spritzen weniger oder anders, zum Beispiel im Biolandbau Schwefel, Kupfer und Hanfbrühe. Ein jährlicher Pflegeschnitt aller Bäume im Winter und das Ausbringen von Mist und Gülle gehören bei Opprecht dazu. Im Dorf Kümmertshausen stehen allgemein sehr viele Hochstammobstbäume. Opprecht nutzt mit Berufskollegen gemeinsam eine Baumschüttel- und Auflesemaschine.


Trudi Krieg










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