Ausgabe Nummer 29 (2007)
Abnahmegarantie für Gurkenbauern
«100-prozentig schweizerisch»
Das Schweizer Unternehmen Hugo Reitzel (Aigle), Marktführer unter den Herstellern von Essigkonserven in der Schweiz, stellt den Essiggurkenanbau in der Schweiz sicher. Gleichzeitig lanciert Reitzel ein neues Produkt, das ausschliesslich schweizerischen Inhalt hat, von der Gurke bis zu den Gewürzen.Grund zur Freude hat die Interessengemeinschaft (IG) Essiggurken Schweiz, konnte sie doch am letzten Dienstag auf dem Betrieb von Essiggurkenbauer Herbert Heer, in Märstetten, an einer Medienkonferenz über die Abnahmegarantie für Schweizer Gurkenbauern berichten. Als inzwischen noch einziger Abnehmer der Gurkenproduktion in den Anbaugebieten in der Ostschweiz sowie im Emmental hat sich Reitzel in Zusammenarbeit mit der IG Essiggurken Schweiz um den Weiterbestand des Schweizer Anbaus bemüht. Reitzel übernimmt die diesjährige Ernte vollumfänglich. «Das Reitzel- Bekenntnis zum Standort Schweiz ist für die Schweizer Essiggurkenbauern wichtig », erklärt IG-Präsident Hansueli Mannale, Sulgen. Damit setzt Reitzel ein deutliches Zeichen, denn noch im Sommer 2006 war es offen, ob der Anbau von Essiggurken in der Ostschweiz eine Zukunft hat. Laut Mannale sind die verarbeitenden Betriebe, welche Gurken aus der Ostschweiz ankauften, längst geschlossen. Übrige Abnehmer zeigten kein Interesse mehr, weil ausländische Gurken weit günstiger am Markt erhältlich sind.
Happy-End liegt beim Detailhandel
Wie Peter Konrad, Leiter Gemüse und Beeren am BBZ Arenenberg, feststellte, verdrängte der enorme Strukturwandel und die veränderten Rahmenbedingungen innerhalb der Gesellschaft und der Landwirtschaft den arbeitsintensiven und risikoreichen Essiggurkenanbau. Die Ende der 80er-Jahre gegründete IG Essiggurken Schweiz versuchte durch Koordination der Produzenten und der Gurkenernte den Niedergang aufzuhalten und die Produzentenpreise auf einem für die Gurkenbauern verträglichen Niveau zu halten. Laut Konrad waren es 2006 noch neun Gurkenpflanzer mit rund 6 Hektaren Anbaufläche und zwei Verarbeitungsbetrieben. «Mit dem neuen Marktsegment ?Essiggurken hundertprozentig schweizerisch?, will die Firma Hugo Reitzel den einheimischen Gurkenanbau am Leben erhalten und wenn immer möglich fördern. Der Weg zu einem Happy-End liegt jetzt beim Detailhandel und bei den Konsumenten», sagt Konrad.
Etikette in vier Landessprachen
Die Abnahme der ganzen Gurkenproduktion ermögliche es Reitzel, ab diesem Sommer Essiggurken mit dem Prädikat «100-prozentig schweizerisch» auf den Markt zu bringen. Für Theo Ziegler, Chefeinkäufer bei Reitzel, ist 2007 ein Testjahr. Emmanuelle Mielke, Brand Manager, Reitzel Suisse SA, Aigle, bekräftigte, dass die Gurken «100-prozentig schweizerisch » vollumfänglich aus Schweizer Anbau stammen, vorwiegend aus dem Thurgau und aus dem Emmental. Der für die Würze der Gurken verantwortliche Dill und Bärlauch stamme zum Beispiel aus dem Berner Oberland. Die Rezeptur sei in der Schweiz entwickelt worden. Die Produktion finde in Aigle statt. Um die schweizerische Herkunft zu unterstreichen, sind die Etiketten und die Deklaration in den vier Landessprachen gehalten. Laut Mielke gelangen die Gurken «100- prozentig schweizerisch» in zirka zehn Tagen bei Volg und Manor in den Verkauf. Weitere Detailhändler und Grossverteiler sollen folgen.
Mario Tosato

In rund zehn Tagen gelangen die Essiggurken «100-prozentig schweizerisch» in die Verkaufsregale. (tos)
