Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Abschluss des Geschäftsjahrs 2019

Ausgabe Nummer 19 (2020)

Verband der Getreidesammelstellen

Der Verband der Getreidesammelstellen (VGS) hat seine Generalversammlung 2020 virtuell durchgeführt. Die Mitglieder beteiligten sich rege an der Online-GV.

Zum dritten Jahr in Folge verlief die Getreideernte mengen- und qualitätsmässig erfreulich. Die 37 Mitglieder des VGS konnten in der Ernte 2019 über 72 000 Tonnen Brotweizen, 60 000 Tonnen Futterweizen und rund 14 000 Tonnen Ölsaaten übernehmen.

GV auf Korrespondenzweg
Der VGS-Vorstand hat entschieden, gestützt auf die COVID-19-Verordnung 2 des Bundesrates, die Generalversammlung auf dem Korrespondenzweg durchzuführen.
Die Mitglieder beteiligten sich rege. Sie stimmten den Anträgen des Vorstandes zu und unterstützten damit die Marschrichtung des Verbandes.
Als Ersatz für die ausgetretene Emmanuelle Tramaux, Granovit SA, wurde Andreas Fischer, CEO Granovit AG, einstimmig gewählt.

Anspruchsvolle Vermarktung
Die Vermarktung gestaltet sich im stark konzentrierten Abnehmermarkt für Brotgetreide als zunehmend anspruchsvoll. Zu schaffen macht der Branche auch der massiv gestiegene Import von Backwaren.
Um den Markt zu entlasten und die Produzentenpreise zu stabilisieren, beschloss der SGPV, über 22 000 Tonnen Brotgetreide zu Futtergetreide zu deklassieren. Wie bereits in der Ernte 2018, beteiligen sich mehrere VGS-Mitglieder an den Entlastungsmassnahmen.
Sowohl die IP-Suisse als auch die Bio-Suisse kämpfen mit Übermengen. Die strategischen Lager an IPSuisse- Brotgetreide sind übervoll; deshalb schränkte die Organisation bei der Aussaat 2019 kurzerhand den Vertragsanbau von Brotgetreide ein. Seitens Bio- Suisse haben sich Produzenten und Verarbeiter im Juni auf eine Senkung der Richtpreise um drei Franken geeinigt, um den Absatz der Inlandproduktion zu erleichtern. Positiv verlief dafür der Start beim HOLL-Raps. Erstmals hat rund ein Dutzend private Sammelstellen von den Produzenten neben klassischem Raps auch HOLL-Raps erfasst und an die Ölwerke vermarktet.

Einheimische Tiefkühlbackwaren
Um in der Schweiz Tiefkühlbackwaren produzieren und sie auch mit dem begehrten Schweizer Kreuz ausloben zu können, sind die Verarbeiter auf Hochproteinweizen aus einheimischer Produktion angewiesen. Positiv hervorzuheben ist einerseits, dass es gelungen ist, die Selbstversorgung mit inländischem Hochproteinweizen (≥ 14,0 % Protein) sicherzustellen, und andererseits, dass diese Leistung inzwischen auch vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) anerkannt wird.

Hohe Dynamik im Umfeld
Allgemein ist das Umfeld der Getreidesammelstellen von hoher Dynamik geprägt. Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Trinkwasser- und Pestizidinitiativen sowie die AP22+ auf die Anbaubereitschaft von Brot-, Futtergetreide und Ölsaaten haben und welche Herausforderungen dadurch auf die Branche zukommen werden.
Laut Mühlebach sollte jeder, der eine vielfältige Biodiversität und Landwirtschaft in der Schweiz erhalten will, die Diversität auch in den nachgelagerten Stufen von Erfassung, Lagerung und Handel von agrarischen Rohstoffen bis hin zu deren Verarbeitung ebenfalls im Blick behalten.

Rückblick
Rückblickend konnte der Verband im Geschäftsjahr 2019 einiges erreichen. An den Sitzungen beschäftigte sich der Vorstand mit branchenaktuellen Themen wie der Richtpreisfindung und der Versorgungssituation. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten das Finanzierungskonzept des Verbands und der wettbewerbsrechtliche Kontext der Getreidebranche.
An der Juni-Sitzung verabschiedete der Vorstand Emmanuelle Tramaux. Corinne Mühlebach bedankt sich bei ihr für ihren grossen Einsatz für den Verband und ganz besonders für ihr Engagement betreffend der Erfassung von HOLL-Raps.


Text: Corinne Mühlebach, Präsidentin VGS

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