Ausgabe Nummer 16 (2006)
Abschlussreise Zweitausbildner
Abschlussreise Zweitausbildner
Als Abschluss der Ausbildung Winter 2005 bis 2006 sind die Zweitausbildner der Klassen ZAM/ZAE nach Ostdeutschland gefahren, besuchten einige Landwirtschaftsbetriebe und versuchten, die dortige Landwirtschaft mit unserer zu vergleichen.
Wir begutachteten die Agrargenossenschaft Gleina, die aus zwei ehemaligen Sowjet-Staatsbetrieben entstanden ist und heute Tierhaltung und Ackerbau praktiziert. Der Betriebleiter erklärte uns, dass er eine Biogasanlage am Planen sei. Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass seine 3200 ha aus 800 Pächtern besteht, was wenn man es umrechtet, nicht einmal den Schweizer Verhältnissen entspricht.
Auf der Weiterreise besuchten wir unter anderen zwei Milchviehbetriebe, die durch ihre Grösse Heimatgefühle weckten, da sie beide um die 80 Kühe hatten. In diesem Ort arbeiten fünf Milchbetriebe eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Danach waren wir auf einem Pachtbetrieb, dessen Betriebsleiter erklärte uns die sechs Betriebszweige. Interessanterweise sind Milchvieh, Bullenmast, Ackerbau, Schnapsbrennen, Bioackerbau und Mutterkuhhaltung aus Subventions- und Steuergründen in separate Firmen aufgeteilt. Damit er Maschinen und Dünger noch günstiger kaufen kann, hat er dafür gleich noch ein Handelsunternehmen gegründet. Die Wurzeln zum elterlichen 40-ha-Betrieb hat der Betriebsleiter nicht verloren und fährt immer noch 250 Kilometer weit, wenn er mit dem Drescher oder sonstigen Maschinen diesen Betrieb bewirtschaften will.
Auf unserer letzten Betriebsbesichtigung, auf der Agrargenossenschaft Golzow, sahen wir noch richtige Sowjet-Strukturen. Dieser Betrieb bewirtschaftet 7000 ha schönstes Ackerland mit 500 ha Gemüse und noch 1000 Milchkühen. Der Betrieb ist stark hierarchisch aufgebaut und wird bis auf den Chef nur von Frauen geleitet. Seine Kühe machen im Schnitt gerade zwei Laktationen, was uns stutzig gemacht hat.

Die Abschlussreise nach Ostdeutschland war toll. (zVg)
Fazit
Die ostdeutsche Landwirtschaft kann nie mit der Schweiz verglichen werden, da sie auf einer ganz anderen Geschichte basiert. Der am meisten einschränkende Produktionsfaktor war vielerorts das Wasser. Nicht selten erklärte uns der Betriebsleiter, dass er mit 400 mm Regen im Jahr auskommen müsse. Auch mit riesengrossen Flächen schaffen es gewisse Betriebe nicht, kostendeckend Weizen zu produzieren, und sind auf ihre Flächenbeiträge vom Staat angewiesen. Ein Betriebsleiter erzählte uns, dass in Ostdeutschland auf dem Land nur noch wenige Junge wohnen.
Auffallend war die durchwegs positive Einstellung der Landwirte. Jeder wollte, dass es mit seinem Betrieb auf irgendeine Art weitergeht. Mit diesen Eindrücken kehrten wir nach einer tollen, gemeinsamen Reise zurück in die Schweiz. Wir danken herzlich noch dem Strickhof und den Firmen Melior und GVS Agrar AG für die Unterstützung unserer Abschlussreise.
