Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Administration und Arbeitsbelastung in Grenzen halten

Ausgabe Nummer 30 (2015)

Bauern können maximal die Hälfte der Direktzahlungs-Einbussen kompensieren

Ab 2016 können Landwirte in allen Regionen im Thurgau Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB) beziehen. Der Geschäftsführer von Landschaftsqualität Thurgau und der Vorstand des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft fordern, dass die Kernkompetenz der Landwirtschaft weiterhin in der Produktion liegen muss.

Anlässlich einer Sommermedienfahrt, organisiert vom Informationsdienst des Kantons Thurgau, wurde über die Umsetzung der Landschaftsqualitäts- Projekte informiert. Um aufzuzeigen, welche Konsequenzen sich für den einzelnen Betrieb ergeben und welche landschaftlichen Strukturen gefördert werden, wurde der Anlass auf dem Hof von Roland und Irene Keller in Roggwil durchgeführt. Sie führen einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau und Hochstammobstbäumen. Das Besondere ihres Betriebes sei, so Roland Keller, dass die LN-Flächen verschiedene Bachanstösse haben. «Wir pflegen die Bachufer seit jeher, um Überwachsungen zu verhindern. So haben wir ohnehin, bevor dies durch die Landschaftsqualitäts- Projekte (LQ-P) erneut ein Thema wurde, freiwillige Leistungen in diesem Bereich erbracht ». Er schilderte, dass er durch seine Beteiligung am LQ-Projekt Oberthurgau gut die Hälfte der Einkommenseinbussen (zirka 15 000 Franken) durch den Wegfall von Tierbeiträgen an raufutterverzehrende Tiere damit ausgleichen kann.
Auf dem Betrieb Keller ist die LN-Fläche geprägt von Hochstammobstbäumen, Hochäckern und Bachufergehölzen. Der Betriebsleiter erklärte dazu, dass er mit dem Erhalt und der Pflege dieser Streuobstwiesen mit den zahlreichen alten Bäumen die Bedingungen, welche sein Verpächter an die Pacht knüpfte, erfülle. «Es gehört viel Idealismus und Freude an dieser von traditionellen Elementen geprägten Landschaft, denn vieles ist nicht wirtschaftlich.»

Projekt Unterthurgau – Seerücken ab 2016
Die leicht erschwerten Arbeitsbedingungen, welche zum Beispiel die Hochäcker verursachen, nehme er in Kauf. Roland Keller betonte, dass die Massnahmen der LQ-Projekte die Effizienz und Produktivität der Betriebe nicht noch stärker einschränken dürften. Es gelte zu berücksichtigen, dass viele Betriebe bereits am oberen Limit ihrer Arbeitsbelastung sind, letztendlich müsse auch der Lebensqualität der Landwirte entsprechend Beachtung geschenkt werden.
Der Thurgau ist einer der wenigen Kantone, in denen nicht alle Landwirte von LQ-Beiträgen profitieren können. Danach befragt, ob dies nun geändert werde, antwortete Peter Schweizer, Geschäftsführer von Landschaftsqualität Thurgau: «Künftig werden alle Landwirte im Thurgau von LQ-Beiträgen profitieren können. Es ist aber so, dass die Beiträge erst ausgelöst werden können, wenn die Gemeinde in einem Projektperimeter liegt.» Die Idee war, mit dem Mittelthurgau als Pilotprojekt im Kanton zu starten. Die Initiative musste jeweils aus der Basis stammen, respektive aus den Agro-Beratungsvereinen. Zu Beginn lautete der Tenor eher kritisch, und die LQProjekte polarisierten stark. «Als im ersten Projekt die Auszahlungen erfolgten, änderte sich die Meinung und die anderen Regionen im Thurgau wünschten, hier nachzuziehen. 2016 startet das Projekt Unterthurgau – Seerücken, damit ist ab nächstem Jahr der ganze Kanton abgedeckt», so Peter Schweizer. Bewilligt sei das Projekt für diese Region noch nicht, es werde jedoch im Herbst 2015 eingereicht.

Administrativer Aufwand
Christian Eggenberger, Leiter Beratung, Entwicklung, Innovation am BBZ Arenenberg schilderte, dass im Thurgau das Potenzial für den Bezug von LQB bei 6 Millionen Franken liegt. Dies, weil der Bund für diese Beiträge eine Deckelung von maximal 120 Franken pro Hektare LN eingeführt hat. Mit diesen LQB könnte somit die Hälfte der Direktzahlungseinbussen kompensiert werden.
Stefan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach, bezeichnete die Massnahmen zum Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft als eine langfristige Innovation, die zur Aufwertung des Standortes beitrage. Dies sei ein grosser Gewinn für alle.
Heidi Hosp vom Landwirtschaftsamt sagte, dass das Amt bei der Umsetzung der Massnahmen behilflich ist, zum Beispiel durch die Programmierung des Agate. Einige Massnahmen werden einerseits durch eingereichte Bestätigungen der Landwirte oder durch Abgleichen mit den Strukturdaten kontrolliert. Die restlichen Kontrollen sollen durch die Ackerbaustellenleiter erfolgen.
Urs Schär vom Vorstand des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft betonte, dass die produzierende Landwirtschaft nicht weiter eingeschränkt werden darf. Der Vorstand des VTL wünschte, dass die verschiedenen Projekte zu einem zusammengefasst werden. «Die administrativen Massnahmen und der Aufwand müssen sich in Grenzen halten. Wir stellen fest, dass die Direktzahlungs-Einbussen auch durch die LQB nicht ausgeglichen werden. Besonders wichtig erscheint uns auch die Glaubwürdigkeit der Massnahmen, um das Ansehen der Landwirtschaft und das Vertrauen der Bürger in den Verwendungszweck der Steuergelder nicht in Frage zu stellen», betonte Urs Schär.


Isabelle Schwander



















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