Ausgabe Nummer 45 (2005)
Agrarpolitik 2011 (AP 2011) bedarf grosser Korrekturen
Regionalseminar Ostschweiz des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV)
Agrarpolitik 2011 (AP 2011) bedarf grosser Korrekturen
Am Strickhof Wülflingen trafen sich vergangene Woche zahlreiche Vertreter der landwirtschaftlichen Kantonalorganisationen zum Regionalseminar Ostschweiz. Dominierendes Thema war die laufende Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2011, daneben wurde über den Ablauf der Bauernkundgebung in Bern informiert und das Tätigkeitsprogramm des SBV für 2006 vorgestellt.
Anhand von markanten Kennzahlen gab Hans Staub, Präsident des zürcherischen Bauernverbandes (ZBV), den Anwesenden einen aktuellen Überblick über die Landwirtschaft des gastgebenden Kantons. So erfuhren die Gäste, dass im Kanton Zürich mit etwa 75 000 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe jedes Jahr um rund 150 Betriebe sinkt. Bereits jeder sechste Betrieb sei von der finanziellen Lage her als kritisch einzustufen. Der zürcherische Bauernverband versuche mit echtem Engagement und gutem Dienstleistungsangebot die Bauernfamilien sinnvoll zu unterstützen, erklärte Hans Staub. Mit der Rückweisung der AP 2011 an den Bundesrat wolle der ZBV der Regierung deutlich signalisieren, dass die heute schon schwierige Situation der Schweizer Landwirtschaft sich nicht noch zuspitzen darf. In der Botschaft des Bundesrates würden zudem die mittel- und längerfristigen Perspektiven der Landwirtschaft fehlen.
Schärfere Gangart gefordert
Der Präsident des SBV, Hansjörg Walter, berichtete in seiner Einleitung über den Stand der WTO-Verhandlungen. Im Anschluss legte Martin Rufer dem Publikum die wichtigsten Forderung für die AP 2011 von Seiten des SBV dar. «Ein Hauptziel, nämlich die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft zu stärken, wird mit diesem Massnahmenpaket klar verfehlt», meinte Rufer, «deshalb bedarf die Vorlage des Bundesrates grosser Korrekturen.» Durch die vorgeschlagenen Massnahmen würde der Produktionswert der Landwirtschaft massiv reduziert, was so nicht akzeptierbar sei. Bezüglich Einkommenssicherung wurde von verschiedener Seite aus dem Publikum eine noch schärfere Gangart des SBV gefordert. Ebenso kam mehrfach zur Sprache, dass der Trend in Richtung weitere Extensivierung der Landwirtschaft aufgehalten werden müsse. SBV-Direktor Jacques Bourgeois wies darauf hin, dass zwar unter den verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen ein Verteilkampf um die Bundesgelder herrsche, dennoch müsse die Landwirtschaft nach aussen hin geschlossen auftreten, um ihre Forderungen beim Bund durchzubringen. Zudem müsse dafür gekämpft werden, die zentralen Elemente des Boden- und Pachtrechtes zu erhalten.
An der nationalen Bauernkundgebung am 17. November in Bern wird mit deutlichen Parolen aufgetreten. Die Demonst-ration auf dem Bundesplatz ist eine einmalige Gelegenheit, um für Verständnis für die schwierige Situation der Landwirtschaft zu werben und die aktuelle Problematik aufzuzeigen.
Tätigkeitsprogramm
Das Tätigkeitsprogramm 2006 wurde von Urs Schneider vorgestellt. Es beinhaltet zwölf Schwerpunktthemen für das kommende Jahr. Der SBV wird weiterhin konsequent die Interessen der Schweizer Landwirtschaft in den laufenden WTO-Verhandlungen verteidigen. Die Entwicklungen der Agrarpolitik in der EU und deren Auswirkungen auf die Schweiz sowie die schweizerische Agrarpolitik sind weitere Schwerpunktthemen im politischen Bereich. Der SBV möchte im kommenden Jahr die Akzeptanz von Suisse Garantie in Zusammenarbeit mit Agro-Marketing Suisse (AMS) fördern und in enger Zusammenarbeit mit den Schweizer Milchproduzenten eine praxistaugliche Milchmarktordnung erarbeiten.
Die Basiskommunikation erhält eine Neuausrichtung: Mit der Weiterentwicklung der Imagekapagne «Gut, gibt’s die Schweizer Bauern» soll die Wirkung optimiert werden, meinte Urs Schneider. «Mit dem Edelweiss-bestickten Bauernhemd haben wir ein Erscheinungsbild gefunden, das vom Grossteil der Bevölkerung mit Landwirtschaft assoziiert wird.»
Gentechfreie Produktion
Der SBV und mit ihm zahlreiche kantonale Bauernverbände unterstützen die Eidgenössische Volksinitiative für eine gentechfreie Landwirtschaft (5 Jahre Moratorium). Nach Schätzungen des SBV sollten dank einem klaren Bekenntnis zu GVO-freier Produktion bis zu 10 Prozent höhere Produzentenpreise zu erzielen sein.
