Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. April 2020


Aktiv in Bildung, Lehrbienenstand und Zucht

Ausgabe Nummer 12 (2020)

Kantonale DV des Verbands Thurgauer Bienenzüchtervereine

Gartenfreunde können einen Beitrag für Bienen und Hummeln – und damit für ein ganzes Ökosystem – leisten. Werden viele Gärten bienenfreundlich gestaltet, entstehen grössere und gute Bienenweiden. Möglich wird dies unter anderem mittels Wildobst-Nasch-Hecken, wie im öffentlichen Referat im Anschluss erörtert wurde.

An der DV vom Samstag, 7. März im Auholzsaal in Sulgen, warf Armin Füllemann, Präsident des Verbands Thurgauer Bienenzüchtervereine (VTB), in seinem Jahresbericht die Frage auf, welche Fortschritte weltweit in der Forschung gegen die Varroamilbe erfolgt sind: «Wir bekämpfen die Varroamilbe nach wie vor mit sehr unterschiedlichen, teils auch mit wenig umweltfreundlichen Substanzen. Die Milbe zeigte bei gewissen Behandlungsmitteln Resistenzen. Ich bin froh, dass ein Umdenken stattfindet und wir von häufigen Behandlungsintervallen wegkommen und nicht mehr die Bekämpfung der Milbe bei einigen forschenden Instituten im Vordergrund steht, sondern eine Dezimierung der Milbe durch das Bienenvolk. Das Volk muss ‹lernen› mit der Varroamilbe zu leben.» Auch bei uns gebe es Imker, die unter Kontrolle des Zentrums für Bienenforschung Völker so halten und damit einen Beitrag leisten, um Optionen aufzuzeigen. «Ich plädiere natürlich nicht dafür, keine Varroabehandlung mehr vorzunehmen. Die Haltung und Kontrolle von ‹behandlungsarmen› Völkern bedingt einen enormen Mehraufwand. Die teilnehmenden Imker müssen ihre Stände dem Zentrum für Bienenforschung melden, und sie sind gefordert, dass ihre Völker nicht zusammenbrechen und dadurch zu Krankheits- oder Varroa-Überträgern werden», so Armin Füllemann. Der Honigobmann, Werner Mengert, hob in seinem Bericht heraus, dass er alle Sektionspräsidenten und Betriebsprüfer bittet, Jungimkerinnen und -imker für die Zertifizierung zum Siegelimker zu motivieren und die Vorteile darzulegen. Bienen.ch wird das neue Honigreglement und die dazu gehörenden Formulare auf der Homepage zu gegebener Zeit aufschalten und die Kader entsprechend informieren.

Entschädigung wird abgeklärt
Zehn Schulklassen nutzten 2019 die Möglichkeit, Einblick in die Bienenkunde zu erhalten. Im Berichtsjahr wurden keine Betriebsberater ausgebildet, für 2020 haben sich zwei Kandidaten angemeldet, informierte Hans Frei, Obmann Bildung VTB. Der kantonale Zuchtobmann, Marco Dünnenberger, führte mit Hans Frei einen Zuchtkurs durch, den zwölf Jungzüchterinnen und -züchter abschlossen. In diesem Jahr führt Johanna Seiterle von der Sektion Egnach einen Königinnen- Zuchtkurs durch, für den die Ausschreibung demnächst erfolgt.
Wahlen: Alle bisherigen Vorstandsmitglieder und der Präsident wurden für eine weitere Amtsperiode gewählt. Armin Füllemann informierte, dass auf 2024 hin die Geschäftsführerin Simone Müller und der Zuchtobmann ihre Rücktritte angekündigt haben. Ein geeigneter Nachfolger für den Zuchtobmann muss früh genug die Kaderausbildung absolvieren. An der Versammlung wurde über den Antrag für die Übernahme von ⅓ der Kosten an einem Fall der Bienenvergiftung 2018 im Lehrbienenstand des VTBF in Müllheim abgestimmt. Der Antrag löste eine angeregte Diskussion aus, unter Einbezug von Urs Müller vom BBZ Arenenberg, der als Gast an der DV war. Es wurde eingehend über das korrekte und rasche Vorgehen diskutiert, wenn ein ausserordentlicher Schadensfall eintritt. Der Antrag wurde von den Mitgliedern abgelehnt und dem Präsidenten der Auftrag erteilt, sich mit dem Dachverband Bienen Schweiz in Verbindung zu setzen, um eine (anteilsmässige) Entschädigung aus dem Spezialfonds für Härtefälle zu erwirken. Inzwischen wurde der Ablauf bei Vergiftungen besser geregelt und mit sofortigem Einbezug des Bienengesundheitsdienstes (BGD) ist auch eine kundige Fachstelle involviert.

Wildobst: Interessant «anders»
Der VTB lud zum öffentlichen Anlass mit Baumschulist Pavel Beco aus Dicken (SG), der die Bedeutung von Wildobst thematisierte und Degustationen von Früchten und Produkten ermöglichte. «Einer der Hauptgründe, warum Wildobst bei uns keinen Stellenwert mehr hat, ist, weil Ernte und Ausbeute mit den Ansprüchen an die heutige Produktion und den Lohnkosten nicht mithalten können. Und für die Vitaminversorgung sind sie nicht mehr zwingend nötig, seit dem Orangen, Bananen usw. viel günstiger importiert werden können. Die Kornelkirschenernte beispielsweise bedeutet, während drei Wochen jeden zweiten Tag Äste zu schütteln, Früchte zu ernten, bei denen die Ausbeute gering ist. In Tschechien, der Slowakei und Österreich hat der Anbau der Kornelkirsche Tradition, man nutzt deren Potenzial (130 Sorten) und unternimmt züchterische Fortschritte, etwa für bessere Schüttelbarkeit und Ausbeute. Für Kornelkirschen, Holunder, Sanddorn und Aronia gibt es eine kleine «Renaissance» in der Schweiz. Pavel Beco sagte, er sehe in Familiengärten öfter Ziersträucher, von denen die Besitzer nicht wissen, dass deren Früchte essbar sind, oder sich daraus beispielsweise Konfitüre herstellen lässt. Begeistert ist der Referent auch von der Mispel, die bei uns kaum noch bekannt, in Italien jedoch auf Märkten gehandelt wird und für die es zahlreiche Rezepte gibt. Es erfordere Zeit und Geduld, bis man die Mispel verarbeiten kann. Pavel Beco stellte zahlreiche Sorten von Wildobst vor, welche für den Menschen mit Zierwert und für die Bienen als Trachtpflanzen äusserst nützlich sind. Am Lehrbienenstand des VTBF in Müllheim wird die Buchsbaumhecke durch eine Hecke der Baumschule Beco ersetzt, um mit gutem Vorbild voranzugehen.


Text und Bilder: Isabelle Schwander







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