Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Aktuelles zu Pflanzenschutzmitteln und Schädlingsbekämpfung

Ausgabe Nummer 8 (2015)

Pflanzenschutz-Nachmittag 2015 von Mitte Februar

Am Pflanzenschutz-Nachmittag 2015, organisiert vom BBZ Arenenberg und der Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau/Schaffhausen, wurden Versuche von Agroscope zur Bekämpfung von Freilandschädlingen und Erdmandelgras präsentiert.

Margareta Scheidiger von der Fachstelle Gemüseund Beerenbau Thurgau/Schaffhausen informierte über neu bewilligte Pflanzenschutzmittel und Rückzüge 2015. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass Änderungen in der Bewilligungssituation auch während der Saison auftreten können. Bei einigen neu bewilligten Fungiziden wird bei der Indikation unterschieden, ob dieses im Gewächshaus oder im Freiland eingesetzt wird. Beim anorganischen Wirkstoff Kalium-Phosphonat gegen den Falschen Mehltau gilt es, je nach Kultur, Wartefristen von bis zu 15 Tagen zu berücksichtigen. Bei Pflanzenschutzmitteln von Billiganbietern und Parallelimporten werden oftmals die Aufbrauchfristen «vergessen». Hier sei entsprechende Vorsicht geboten. Bei mehreren neu bewilligten, aber auch bei bereits zugelassenen Wirkstoffen, sind Anwenderschutzauflagen hinzugekommen. Für ein Breitband-Getreidefungizid, das neu bei Randen gegen Rhizoctonia, Cercosporaund Ramularia-Blattfleckenkrankheit, Echten Mehltau und Rost zugelassen ist, gilt die Einschränkung auf maximal zwei Anwendungen pro Parzelle/Jahr, um die Resistenzbildung zu vermeiden. Die Beraterin thematisierte Bewilligungsänderungen und erwähnte als Beispiel ein selektives Nachauflauf-Herbizid gegen Ungräser. Dies wird nun restriktiver behandelt, da es als starkes Fischgift eingestuft wurde. Dies führte bei verschiedenen Indikationen zu tieferen Aufwandmengen und/oder längeren Wartefristen und bei zwei Gemüsen sogar zum Rückzug der Bewilligung per Ende August 2015.

Neue Auflagen und Einschränkungen
Die gezielte Überprüfung von Pflanzenschutzmitteln durch das BLW in den letzten beiden Jahren hat zu Anpassungen bei bestehenden Bewilligungen geführt. Stark betroffen sind vor allem die Insektizide. Als empfindliche Einschränkung im Feldgemüsebau bezeichnete Margareta Scheidiger die neuen Auflagen bei den Pyrethroiden, welche sich in Rückzügen in gewissen Kulturen, reduzierten Aufwandmengen und definierten Sicherheitsabständen von bis zu 100 m zu Oberflächengewässern äussern. «Happige» Auflagen, wenn man bedenke, dass gewisse dieser Wirkstoffe nach wie vor in Flohhalsbändern, Bremsenmitteln und Insektenschutz-Steckern vorkommen, so Margareta Scheidiger. Als positiven Aspekt bezeichnete sie es, dass die Chancen einer Wiederzulassung von Metobromuron bei gesätem Nüsslisalat in der Schweiz gut sind.
Martina Keller von Agroscope berichtete von Versuchen zur Bekämpfung des Erdmandelgrases. Eines der Ergebnisse zeigte, dass bei starker Verseuchung mit Erdmandelgras der Split mit drei bis vier Applikationen mit dem Wirkstoff Bentazon nicht ausreichend ist. Bei sehr hohem Erdmandelgrasdruck erwies sich Mais als Sanierungskultur wenig geeignet. Als recht wirkungsvoll bezeichnete sie Versuche mit Glyphosat und Adjuvantien. Für eine intensive Bekämpfung ist die mehrmalige Behandlung sowie die Wahl der Adjuvantien und die eingesetzte Wassermenge entscheidend. Agroscope prüft auch alternative Bekämpfungsmethoden. Deshalb wird 2015 in Witzwil ein erster Versuch vom Herbst 2014 mit Freilandschweinen fortgeführt.

Agroscope: Fortführung von Versuchen 2015
Die Freilandschweine erwiesen sich als geeignet, zur Reduktion von Erdmandeln beizutragen. Martina Keller wies darauf hin, dass weitere Topfversuche mit Herbizideinsätzen sowie Versuche mit alternativen Bekämpfungsmassnahmen nötig sind, bevor aussagekräftige Resultate vorliegen.
Ute Vogler von Agroscope informierte über Aktuelles zu diversen Freilandschädlingen. Die Suche nach alternativen Bekämpfungsmöglichkeiten des Drahtwurms ist und bleibt eine Herausforderung. Sie berichtete über erste Erfahrungen eines Schnellkäfermonitorings in der Schweiz. Bei der Suche nach Alternativen zu Pheromonfallen, in denen nur die Männchen gefangen werden, erwiesen sich Fallen mit geschnittenem Gras-Kleegemisch zum Anlocken von Schnellkäfern als recht erfolgreich. Es wurden auch weibliche Tiere gefangen. Bei der Bekämpfung der Möhrenfliege stehen nur Wirkstoffe aus der Wirkstoffklasse der Pyrethroide zur Verfügung. Deren Wirkung ist nur oberirdisch. Umso wichtiger werden Kenntnisse der Biologie und des Verhaltens der Möhrenfliege. Wirkungsversuche sind für 2015 geplant. Gegen Thripse in Zwiebelgewächsen werden 2015 Versuche mit neuen Präparaten fortgeführt. Zur Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege werden alternative Bekämpfungsmöglichkeiten, zum Beispiel mit natürlichen Gegenspielern, geprüft. Ute Vogler wies auf die Bedeutung der Feldhygiene zur Bekämpfung der Weissen Fliege in Kohlarten hin. Die regelmässige Überwachung, die Beseitigung von Überwinterungsmöglichkeiten, in Kombination mit diversen bewilligten Produkten, könnten einen wirksamen Schutz gegen diesen Schädling bilden.


Isabelle Schwander




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