Ausgabe Nummer 14 (2009)
Alle haben Recht auf Brot und Wasser
Grosses Interesse für eine Fastenopferveranstaltung in Frauenfeld
Über 100 Interessierte folgten der Einladung der Organisation «Brot für alle ? Fastenopfer» zum Podiumsgespräch «Landwirtschaft zwischen Wirtschaftlichkeit und Bewahrung der Schöpfung» im Frauenfelder Rathaus.In Vielem waren sich Gesprächsleiterin Kathrin Erni (Jus-Studentin und Apfelkönigin 2006/2007), Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband, Marco Küng, Biobauer und Präsident der evangelischen Kirchenvorsteherschaft Mammern, sowie Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik Brot für alle, einig, so auch bei der These: «Jeder hat ein Recht auf Brot, und was in Zukunft fast noch wichtiger wird ist, ein Recht auf Wasser.» Walter ist überzeugt, dass der Umgang mit den Ressourcen immer wichtiger werde. Vor allem werde neben dem Recht auf Nahrung für alle auch das Recht auf Wasser für alle an Bedeutung gewinnen. Einigkeit herrschte auch, dass zum Klima Sorge getragen werden muss. In diesem Zusammenhang ist es für Baumann und Küng sehr wichtig, dass der ökologische Anbau und die Nutzung von erneuerbaren Energien weiter gefördert werden soll. Die «ökologischen Fussabdrücke » und der CO2-Ausstoss müssen kleiner werden. Zudem dürfe weniger Erdöl verpufft werden. «Um die Schöpfung zu bewahren, ist es aber auch wichtig, dass nachhaltig produziert wird und die sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte gebührend berücksichtigt werden», sagte Walter.
50 Prozent Lebensmittel vergammeln
Damit eine weitere Krise verhindert werden könne, sei es von Bedeutung, dass Lebensmittel ökologisch angebaut werden, betont Baumann. Für ihn ist es untragbar, dass Lebensmittel wie Mais und Zucker zur Produktion von Treibstoff verwendet werden. Er bedauert auch, dass weltweit rund 50 Prozent der Lebensmittel vergammeln und 50 Prozent des Getreides zur Fütterung der Tiere verwendet werden.Baumann plädierte dafür, dass die Kunden beim Einkaufen auf die Prädikate fair, saisonell und regional achten. Küng ergänzte, dass Konsumenten auf das Label «Fairtrade- Produkte» achten sollten. Er sprach sich dafür aus, dass die Bekämpfung der Armut in den betreffenden Ländern stattfi nden, sollte. «Für den Schweizerischen Bauernverband ist es wichtig, dass jedes Land ein Recht auf eine eigene Landwirtschaft hat», sagte Walter. Er verlangt aber, dass in den Entwicklungsländern die Männer vermehrt zur Arbeit angehalten werden. Erni wies daraufhin, dass die Bildung in armen Ländern gefördert werden sollte. Die Entwicklungshilfe der Schweiz sollte nach Baumanns Meinung unbedingt 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes betragen.
Kulturland wird geopfert
In der anschliessenden Diskussion wurde bedauert, dass in der Schweiz zuviel Kulturland für Industriebauten, Einkaufs- und Verteilzentren sowie für den Strassenbau geopfert werden. Anderseits beklagte ein Bauer, dass hier zuviel Ökofl äche die Produktion von Lebensmitteln verhindere. Ein weiterer Bauer hielt fest, dass integrierte Produktion von Lebensmitteln genüge und der Bio-Anbau nicht weiter ausgedehnt werden soll.
Mario Tosato

Gesprächsleiterin Kathrin Erni möchte, dass die Bildung in armen Ländern weiter gefördert wird. (tos)
