Ausgabe Nummer 28 (2010)
Allfällige Realisierung erfordert demokratischen Prozess
Die Regionalplanungsgruppe Frauenfeld lud die interessierte Bevölkerung in die Mehrzweckhalle Lanzenneunforn zur zweiten Informationsveranstaltung zum Projekt «Regionaler Naturpark Seerücken» mit Workshop ein. Ziel dieses Infoanlasses, dem weitere folgen, war es, breite Kreise der Öffentlichkeit in den Entscheidungsprozess für die Realisierung eines geplanten Naturparks Seerücken miteinzubeziehen.
Auch zahlreiche, kritisch gesinnte, Land- wirte besuchten den Anlass vom Samstag, 3. Juli. Aus der in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie werden erste Resultate im Herbst/Winter 2010 erwartet. Raimund Hipp vom Amt für Raumplanung Thurgau betonte in seinem Referat, dass der Kanton in der Planung lediglich eine Vermitt lerrolle inne nehme, der Bund liefere die Anreize für einen Naturpark. Die allfällige spätere Realisierung eines Naturparks könne nur auf einem demokratischen Prozess basieren sowie auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung. Hipp räumte ein, dass bezüglich der Unterstützung durch den Bund nicht Beiträge in mehr- stelliger Höhe zu erwarten sind. Bereits bestehende Naturparks belegen, dass das Label «Naturpark» ein Vorteil sein kann, unter anderem auch, weil Schweiz Tourismus diese vermarktet. Von Bedeutung für die Landwirtschaft sei im Zusammenhang mit Naturparks erwähnenswert, dass von Seiten der Grossverteiler Interesse daran besteht, regionale Produkte zu vermarkten. Ein Beispiel dafür sind die Produkte aus dem Naturpark Thal, welche Coop in zahlreichen seiner Verkaufsstellen der Region Nordwestschweiz anbietet. Andreas Bally von der BiCon AG (Planung und Gutachten im Umweltbereich) hob in seinem Referat hervor, dass die künftige Agrarpolitik auch eine Pärkepolitik ist, da sie unter anderem auf den Erhalt natürli-cher Ressourcen ausgerichtet sei. Aus der Sicht von Bally können Naturparks den ländlichen Raum stärken. Sein Hinweis auf «Fördertöpfe», aus denen sowohl auf Bundes- wie auch auf Kantonsebene mit materieller Unterstützung zu rechnen sei, stiess bei einem Teil des Publikums auf wenig Glaubwürdigkeit, wie aus Wortmeldungen zu entnehmen war.
Ziel: Nutzung von Synergien
Der nächste Referent, Florian Knaus, Mitarbeiter beim Biosphärenmanagement von Unesco Biosphäre Entlebuch, präsentierte diverse Projekte aus dieser Region. Die ungewöhnliche Ausgangslage dieser Region ist: 35 Prozent der Bevölkerung im Entlebuch arbeiten im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft). Mit der Realisierung des Unesco-Biospährenreservats sei es gelungen, die möglichst grosse Wertschöpfung in der Biosphäre Entlebuch auf Stufe Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung zu erhalten. Nicht zuletzt durch die Nutzung von Synergien zwischen dem Label der Unesco Biosphäre, der Landwirtschaft und dem Tourismus. Kleine Käsereien konzentrieren sich vermehrt auf ihre Spezialitäten unter dem Label «Echt Entlebuch». Dank den Zusammenschlüssen konnten wettbewerbsfähige Milchpreise generiert wer- den und die Logistik wurde optimiert, so Knaus. Es wurde auch ein Kriterienkatalog für Förderbeiträge erstellt. Eines dieser Kriterien stellte das Anstreben einer gemeinsamen Vermarktung von Spezialitäten unter dem Label Unesco Biosphäre Entlebuch dar. Knaus verschwieg nicht, dass es nach wie vor Skeptiker in der einheimischen Bevölkerung gebe, aber effektive Nachteile durch die Schaffung von zusätzlichen Reservaten seien ihm keine bekannt. Aus den Reihen des Publikums wurde Knaus aufgefordert, auch über die allfälligen Einschränkungen, die auf die produzierende Landwirtschaft zu- kommen, zu sprechen. Knaus entgegnete, es gäbe keine zusätzlichen Au?agen über jene hinaus, welche ohnehin schon bestünden.
Einschränkungen werden offen gelegt
Nach den Referaten hatte das Publikum die Gelegenheit, an einem Workshop in Gruppenarbeiten Ideen, Anregungen aber auch Kritik und Einwände einzubringen, die allenfalls für oder gegen die Realisierung eines Regionalen Naturparks Seerücken sprechen. Kritisiert wurde unter anderem bereits der Name «Naturpark»: Dazu gibt es keine Alternative, denn nur unter diesem Namen beteiligt sich der Bund finanziell. Aus dem Workshop resultierten unter anderem folgende Vorstösse: Es bräuchte keinen Naturpark, wenn bereits bestehende landschaftliche und kulturelle Werte der Region noch besser koordiniert und vermarktet würden. Von Seiten der Landwirtschaft wurde einstimmig gefordert, es müssten alle Einschränkungen offen gelegt werden und bereits in die Machbarkeitsstudie ein- bezogen werden. Als eine Chance wurde öfters genannt, dass ein Naturpark den öffentlichen Verkehr stärken könnte. Eines der meistdiskutierten Probleme in den Workshops sind die Bedenken, wonach ein Naturpark noch vermehrte Lärm- und Abfallimmissionen mit sich bringen könnte. Ein Teil der Landwirte hegt Bedenken, dass ein Naturpark zu grossen Einschränkungen für die produzierende Landwirtschaft führt. Anna-Rita Dutly, Mitglied der Regionalplanungsgruppe Frauenfeld, sicherte am Ende des Anlasses zu, dass die Ergebnisse aus den Workshops aus- gewertet und von der Projektsteuerung mitberücksichtigt werden.
Isabelle Schwander
