Ausgabe Nummer 21 (2009)
Alp Babental ist bestossen worden
Thurgauer Rinder sömmern auf Schaffhauser Alp
Am vergangenen Mittwoch wurde die Schaffhauser Alp Babental mit rund 160 Rindern bestossen. Diese mitten auf dem Randen gelegene Alp ist die tiefstgelegene der Schweiz.
Rund 10 Kilometer nordwestlich vom Zentrum der Stadt Schaffhausen liegt im malerischen Babental die gleichnamige Alp. Dieser Alpbetrieb mit einer Fläche von rund 45 ha mitten im Randen gehört zur Gemeinde Schleitheim und erstreckt sich von 550 bis 640 Meter ü. M. Die Zufahrt in das rund 4 Kilometer lange Seitental erfolgt ab der Hauptstrasse zwischen Siblingen und Schleitheim bei der «Hohbrugg». Der eigentliche Alpbetrieb, welcher als Genossenschaft organisiert ist, ist zweigeteilt. Auf der rechten Talseite befindet sich der Stall «Heerenwies», linksseitig und am Ende der Zufahrtsstrasse liegt hingegen das Zentrum mit der bekannten Alpwirtschaft «Babental» als Ausfl ugsziel sowie einem Alpstall. Sie ist die einzige Alp im Kanton Schaffhausen und wahrscheinlich auch die tiefstgelegene Alp in der Schweiz überhaupt, betont Genossenschaftspräsident Bernhard Suter aus Dörflingen. So kann in der Regel während 22 bis 24 Wochen bestossen werden. Fleck- und Braunvieh sind dabei ebenso vertreten, wie Holsteinrinder und gar einzelne Jersey. Im Frühling sind wir dank dem üppigen Wuchs der Weiden in der Lage, rund 10 bis 15 Hektaren der Alp weiden zu heuen und dieses Futter im Laufe des Sommers wieder als Zufütterung einzusetzen, erklärt Suter weiter. Die rund 160 Tiere können in beiden Ställen untergebracht werden. Am vergangenen Mittwoch wurde mit der Auffuhr der rund 160 Sömmerungsrinder die diesjährige Alpsaison eröffnet. Dabei werden die Tiere je zur Hälfte auf beide Alpgebiete aufgeteilt. Zum Sömmern sind Rinder ab dem 1. Lebensjahr zugelassen. Knapp ein Drittel der Tiere stammt aus dem Kanton Schaffhausen, während die übrigen Tiere aus dem benachbarten Zürcher Weinland, Thurgau und gar aus dem Kanton St. Gallen stammen.
Grosse Nachfrage an Sömmerungsplätzen
Wir sind in der glücklichen Lage, genügend Tiere für die Sömmerung auf unserer Alp zu finden, betonte Suter. Während früher nur Tiere von Mitgliedern der Trägergenossenschaften gesömmert worden sind, hat sich die Alp in den letzten Jahrzehnten immer mehr geöffnet. In diesem Jahr wurden rund 40 Tiere mehr angemeldet, so dass man gar wiederum Absagen erteilen musste. Zusammen mit dem Alpvorstand ist Suter am Morgen bei der Anfuhr der Tiere mit der Kontrolle und dem Anbringen der Halsbänder beschäftigt. Je nach Distanz erfolgt die Auffuhr mittels Sammeltransporten mit Camions oder die Bauern bringen die Tiere selber mit Viehwagen auf die Alp. Früher erfolgte der Alpaufzug zu Fuss, erinnert sich der Dörflinger Alois Banz. So trieben die Dörflinger und Buchener ihr Vieh über das Birch durch den Randen bis zur Alp. Es sei dabei gar vorgekommen, dass einzelne Tiere aus dem Trieb ausgebrochen waren und wieder in den Stall zurück gerannt sind, führte er weiter aus. Aufgrund der Anmeldungen mit der entsprechenden TDV-Nummer erhält jedes Tier eine auf dem Halsband angebrachte Nummer zur Identifi kation auf der Weide. Jährlich müssen während der Sömmerung 40 bis 80 Tiere mittels KB besamt werden, führt Suter weiter aus. Entsprechend ist der Viehwärter und Alphirt Heinrich Roth gefordert, auf die entsprechenden Tiere zu achten, welche er dank den Nummern auf den Halsbändern identifizieren kann. Mit den Erträgen aus dem Alpbetrieb und den Pachtzinsen aus der Gastwirtschaft sind wir in der Lage, die laufenden Unterhaltskosten zu finanzieren und zugleich auch die notwendigen Investitionen im Alpbetrieb wie auch Gasthaus zu tätigen, erklärt Kassier Andreas Schnetzler (Gächlingen). Als nächste grosse Investition steht der Bau eines neuen Güllenlochs samt Mistplatte für den Stall Babental an.
Seit 110 Jahren eine Alp
Die Alp Babental geht auf die 1898 lancierte Initiative des Schaffhauser Verbandes der «Simmenthalervieh züchtenden Genossenschaften», gebildet aus den vier Zuchtgenossenschaften «Dörfl ingen Gennersbrunn, Herblingen und Umgebung» «Schleitheim», «Reyath» sowie «Ramsen, Hemishofen, Buch» zurück. Zuerst wurde dabei der Alpteil «Babental» erworben, 1917 konnte mit dem Kauf der «Heerenwies» für 100 000 Franken der Betrieb erweitert werden. Immer wieder standen Sanierungen und umfassende Bauarbeiten an den beiden Stallungen an. Aufgrund mangels Tiere wurde sogar mehrmals der Verkauf der «Heerenwies» diskutiert. Umfassende Geldbeträge wurden zudem immer wieder in die Gastwirtschaft investiert. Der heutige Bau wurde 1965/66 realisiert, wobei Kosten von 158 453 Franken anfi elen. 1992 wurden 415 000 Franken in eine biologische Kläranlage sowie in den Umbau der Wärterwohnung investiert. Weitere 125 000 Franken investierte die Genossenschaft 1998 in einen Küchenumbau. Im Jubiläumsjahr gehörte die Alp den Viehzuchtgenossenschaften Schleitheim, Dörfl ingen sowie «Ramsen, Hemishofen und Buch». der Tiere ausgeführt werden.
Roland Müller

