Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Als Branche agieren - nicht nur reagieren

Ausgabe Nummer 3 (2017)

Kantonale Obstbautagung in Zihlschlacht

Zentrum der Obstbautagung stand die Vorstellung des Ressourcenprojekts «Nachhaltiger Obstbau TG» durch Ueli Bleiker. Erklärtes Ziel des Projekts ist eine Risikoreduktion und die entsprechende Kommunikation in der Öffentlichkeit.

Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes (TOV), sagte in seiner Eröffnungsrede, er wünschte sich mehr Ausgewogenheit der Fakten zum Thema Pflanzenschutzmittel (PSM). In seinem ersten Amtsjahr habe er erste Erfahrungen im Umgang mit den Medien zur PSM-Thematik gesammelt und Lehren daraus gezogen. Die Branche wurde angegriffen und pauschal für die Gewässerverschmutzung verantwortlich gemacht. Nun gehe es darum, die Kommunikation zum Pflanzenschutz nicht nur den Umweltverbänden und Medien zu überlassen, sondern als Branche die Kompetenz über die PSM wieder zu übernehmen. Ralph Gilg sagte, er sei überzeugt, dass das Ressourcenprojekt «Nachhaltiger Obstbau» den Thurgau in eine Leaderposition bringe. Walter Schönholzer überbrachte die Grüsse der Thurgauer Regierung und betonte, dass sich der Kanton für den Erhalt der guten Rahmenbedingungen des Obstbaus einsetze. Die Wertschöpfung aus der Obstproduktion sei hoch. Als freisinniger Politiker setze er auf die Eigenverantwortung der Produzenten beim Einsatz von PSM. Aufklärung und Information der Öffentlichkeit seien unerlässlich, dies erfordere die Mitarbeit der Produzenten. Zuversichtlich stimme das Ressourcenprojekt, welches auch einen Beitrag zur Imagekorrektur der Obstproduzenten leiste.

Dialog mit den Konsumenten
Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamts, informierte über das Ressourcenprojekt. Er zeigte anhand Medienberichten von 2016 auf, dass der Imageschaden durch Pflanzenschutzmittel bereits eingetreten ist: «Es sind nicht mehr nur die Interessengruppen, welche darüber berichten, sondern die ganze Breite der Medienlandschaft. Eines haben alle Berichte gemeinsam: Keine Information zum ursprünglichen Sinn, dem Schutz der Pflanzen, damit die vom Konsumenten gewünschte Qualität in kontinuierlicher Lieferbereitschaft zu Verfügung gestellt wird. In einer Gesellschaft mit einem hohen Wohlstand wie dem der Schweiz, gilt es jedoch auch das Kundenbedürfnis nach naturnah, ökologisch und nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln zu erfüllen.» Die Fakten würden zeigen, dass in der Schweiz rund 2000 t Pflanzenschutzmittel verkauft werden. Der durchschnittliche Verbrauch ist generell bei Kulturen mit einer hohen Wertschöpfung, den Spezialkulturen, grösser. Kernobst und Reben stehen vorne auf der Rangliste. Für den Konsumenten sind jedoch der technische Einsatz und die Anzahl Behandlungen sichtbar. Wichtig sei: Erklären und nochmals erklären. Dem Konsumenten müssen Nutzen, der tatsächliche Prozess und der Stand der Technik immer wieder erklärt werden. «Ansonsten werden weiterhin die verklärten Vorstellungen der Konsumenten als Basis zur Diskussion herbeigezogen», so Ueli Bleiker.

Augenmerk auf Punkteinträge
Politik und Bund haben das Thema in einem Aktionsplan mit einer Vielzahl an Massnahmen aufgenommen. Als übergeordnetes Ziel soll das Risiko halbiert werden. Wichtig für den Obstbau sei es jedoch, den Schutz für Qualität und Lieferkontinuität hoch zu halten. In einer risikobasierten Reduktion gebe es verschiedene Handlungsfelder. Aus produktionstechnischer Sicht sind alle Einsparungen, welche den Schutz der Pflanzen nicht reduzieren, die interessantesten. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass rund 50 % der in den Oberflächengewässern gefundenen Pflanzenschutzmittelrückstände von Punkteinträgen stammen. Punkteinträge können durch einen Defekt, eine Fehlmanipulation, Waschen und Füllen der Spritze an einem nicht dafür vorgesehenen Platz oder durch Restmengen in Gebinden entstehen. Viehlose Betrieb ohne Güllengrube (zum Beispiel Waschwasser), aber auch der Haus- und Hobbybereich können durch ein Betriebsaudit wesentlich zur Risikominimierung beitragen. Die gute landwirtschaftliche Praxis entwickelt sich im Bereich Pflanzenschutz in schnellem Tempo. Nachhaltigere und biotechnische Pflegemassnahmen bieten oftmals bereits Alternativen. Das Ressourcenprojekt «Nachhaltiger Obstbau TG» könne die Akzeptanz neuer Produktionsmethoden fördern. Das Ziel sei, mit der notwendigen Menge zur richtigen Zeit am richtigen Ort den Schutz der Pflanze hoch zu halten.

Ressourcenprojekt mit Wirkungskontrolle
Das Ressourcenprojekt ermögliche es der Branche, zu agieren und nicht nur reagieren, so Ueli Bleiker. Im Projekt sollen das Lernen und der Austausch unter den Landwirten sowie der Austausch mit der Beratung und Forschung intensiviert werden. Betriebsaudits zur Schwachstellenanalyse und Beratungsringe sollen den Austausch fördern. Es gebe viele gute, praxistaugliche Ideen. Ziel sei es, diese schneller in der Produktion umzusetzen. Ueli Bleiker konkretisierte die getroffenen Massnahmen des Projekts: Dazu gehört die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, zum Beispiel Ersatz von synthetischen Insektiziden, Verwirrtechnik, krankheitstolerante Sorten, Raubmilben/Ohrwürmer, Ersatz synthetischer Fungizide oder die Totaleinnetzung. Weitere Massnahmen betreffen die Bodenpflege, dazu gehören mechanische Baumstreifenpflege, keine Verwendung von Bodenherbiziden oder Fahrgassenbehandlung ohne Wuchsstoffe. Ein dritter Bereich fasst Massnahmen zur Technik zusammen: Driftreduktion, optimaler Füll- und Waschplatz sowie den Einsatz der integrierten Innen- und Aussenreinigungssysteme. Die Massnahmen werden mit einem Punktesystem gewichtet. Im Vordergrund steht nicht die finanzielle Förderung der Massnahmen, sondern vielmehr die schnellere Umsetzung von praxistauglichen Alternativen. Ein Ressourcenprojekt verlangt eine Wirkungskontrolle. «Wir müssen anfangen, Zahlen und Fakten zu schaffen, um gegenüber den Interessengruppen, dem Bund für den Aktionsplan und der Öffentlichkeit zu kommunizieren», so Ueli Bleiker. Die Projektdauer ist für 2018 bis 2023 vorgesehen. Die Mittel für das Projekt übernimmt zu 80 % der Bund. Zusammengefasst lauten die Ziele des Ressourcenprojekts: Die Thurgauer Obstbauern wollen aktive Öffentlichkeitsarbeit und sind gewillt, ihre Produktionstechnik in Bezug auf Ressourcenschonung weiter zu verbessern. «Ein solider Wissenstransfer zwischen Praxis, Beratung und Wissenschaft liefert Antworten, Fakten und praxistaugliche Lösungen», ist Ueli Bleiker überzeugt.

Berufsnachwuchs geehrt
Jürg Stacher, Präsident der Berufsbildungskommisson des SOV, stellte erfolgreichen Berufsnachwuchs aus dem Thurgau vor. Daniel Vogel und Andreas Brüllmann erreichten das Berufsziel «Obstfachmann EFZ»; Lukas Keller und Stefan Fankhauser bestanden die Meisterprüfung. Urs Müller vom BBZ Arenenberg informierte über die zahlreichen Aktivitäten der Fachstelle. Dazu gehören unter anderem Spezialberatungen und Kurse und die Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen im Projekt Herakles plus. Auch wenn 2016 Feuerbrand kein beherrschendes Thema war, bedeute dies nicht, dass das Risiko nicht weiter bestehe. In Güttingen laufen neue Versuche mit Himbeeren und Heidelbeeren, da sich diese Beeren weltweit im Konsumtrend befinden. Weitere Aktivitäten der FS sind die Obstflächenerhebung. Es gebe mehr Anfragen zu Bio, auch Fragen rund um den Witterungsschutz nehmen zu. Marc Wermelinger von swisscofel informierte zur Überarbeitung des Leitbildes zu SwissGap. Auch bei Suisse Garantie gab es Änderungen. So wurden die Swissness-Anforderungen übernommen. Georg Bregy, Direktor Schweizer Obstverband, griff ebenfalls die Thematik Pflanzenschutz auf und sagte: «Wir müssen versuchen, den Fokus zu ändern, die Wertigkeit der Produkte zu betonen und die Anstrengungen der Branche zu kommunizieren.» Er informierte aus dem SOV-Vorstand, dessen Haupttraktandum der Novembersitzung das Budget 2017 war. Der SOV ist um eine ausgeglichene Rechnung bemüht.


Isabelle Schwander










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