Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Als Paar einen Landwirtschaftsbetrieb führen

Ausgabe Nummer 45 (2016)

Zwei Betriebsleiterpaare gaben an einem Podiumsgespräch am Bäuerinnenforum in Weinfelden Einblick in ihren Beziehungs- und Betriebsalltag. Unternehmensberaterin, Psychologin und Autorin Lianne Fravi stellte ihr Buch vor «Wenn Paare Unternehmen führen – ein Handbuch».

Die Kommission Frauen in der Landwirtschaft wahrt die Anliegen und Interessen der Frauen in der Landwirtschaft innerhalb des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL. Alljährlich veranstaltet sie ein Bäuerinnenforum. Zum Thema «Als Paar einen Landwirtschaftsbetrieb führen» waren diesmal die Männer miteingeladen. Der Aufmarsch im Gasthaus Trauben, Weinfelden, am 3. November übertraf alle Erwartungen. In Eile wurden weitere Stühle herbeigeschafft, und wer am Tisch und auf den Stühlen der Wand entlang keinen Platz mehr fand, liess sich in Fensternischen nieder.

Zwei Paare – zwei Lebensstufen
Zwei Paare stellten sich der Podiumsdiskussion und meisterten die Runde mit der Moderatorin Maya Grunder mit Bravour: Jung und noch am Aufbauen von Partnerschaft und Betrieb, Flurina und Andreas Eberle aus Altnau – etwas erfahrener und auch schon krisenerprobt, Käthi und Daniel Vetterli aus Rheinklingen. Die gelernte Bankkauffrau Flurina Eberle besucht zurzeit, nebst der Arbeit auf dem Hof, noch die Bäuerinnenschule. Vetterlis betreuen zusätzlich zu den eigenen immer auch ein Pflegekind. Sie wollen nicht etwa als ideale Paare gelten «auch bei uns läuft nicht immer alles optimal, wir haben auch unsere Launen». Das Wort Streit hörte niemand gerne, schon eher Diskussionen. Humor sei sehr wichtig, fand die Moderatorin «immer wieder zusammen lachen oder auch über sich selber lachen ». Es wurde auch am Abend viel gelacht und geschmunzelt – bei den Podiumsteilnehmenden, beim Publikum im Erkennen ähnlicher Situationen. Klar kam heraus, dass die Rollenverteilung heute nicht mehr fix ist: «Es muss für das Paar stimmen.»

Gegenseitige Wertschätzung
Klar geregelte Zuständigkeitsbereiche scheinen dem Klima förderlich zu sein, besonders, wenn auch noch mehrere Generationen und Angestellte mit im Betrieb arbeiten. Man wolle gegenseitig informiert sein, was für Anschaffungen und Investitionen geplant seien. Das Miteinander, aber auch Rückzugsmöglichkeiten schilderte Daniel Vetterli so: «Bei uns ist der grosse Tisch in der Wohnküche der Ort des Beisammenseins. Da treffen sich die Familie, Pflegekinder und Angestellte. Zudem hat jedes eine Rückzugsmöglichkeit, sei es ein eigenes Zimmer oder sonst eine Nische. Bei der Frage «Ferien in Übersee oder Anschaffung einer neuen Erntemaschine» wurde es brenzlig. Vielleicht könnte man wieder einmal auswärts essen gehen, was auch schon länger nicht mehr der Fall war und dann doch die Maschine anschaffen. Die Hauptsache sei, man rede miteinander, nehme gegenseitig die Bedürfnisse ernst, und dann gelte es auch noch zu berücksichtigen, was finanziell möglich sei oder eventuell auf später verschoben werden müsse.

Sich ergänzen
Auf die Frage, was eher auf sie zutreffe «Gleich und Gleich gesellt sich gern» oder «Gegensätze ziehen sich an» antworteten beide Paare spontan «Gegensätze ziehen sich an». Sich reiben aneinander, von einander lernen, sich ergänzen, unterschiedliche Gaben entwickeln und in die Gemeinschaft einbringen scheint wichtiger zu sein als Harmonie. Die Mischung aus unterschiedlichen Talenten sowie verschiedenem Denken und Handeln trage viel zur Führungsstärke und zum Unternehmenserfolg bei. Eins und eins gebe im Paar mehr als zwei, betonte die Moderatorin. Da entstehe etwas Drittes, eben die Einheit gegen Aussen bei aller Unterschiedlichkeit. Wenn er in das Publikum schaue sei er erfreut, so viele junge hoffnungsvolle Paare zu sehen: «Habt den Mut in die Beziehung zu investieren», ermunterte Daniel Vetterli, «Bauernfamilien sind Chancen für die Gesellschaft, für stabile Sozialsituationen.» Das sei zugleich ein schönes Schlusswort fand die Präsidentin der Kommission Frauen in der Landwirtschaft und Vorstandsmitglied beim VTL, Maya Grunder.
Das Bäuerinnenforum bekam einen projektbezogenen Beitrag vom SMP Projekt «Erfolgreiche Milchproduktion ».

Trudi Krieg













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