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| «Thurgauer Apfel 2004» für Kartause Ittingen |
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Alte Grundsätze modern interpretiert
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| Am Dienstagabend wurde die Kartause Ittingen mit dem «Thurgauer Apfel 2004», dem Motivationspreis von «Chance Thurgau», ausgezeichnet. Für Kurt Schmid, Procurator der Stiftungsbetriebe, ist der Preis sowohl Anerkennung für die Gründer der Stiftung als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mithelfen, alte Grundsätze einer Klosterwirtschaft modern zu interpretieren. |
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Die traditionelle Selbstversorgung der Klöster wird in der Kartause Ittingen neuzeitlich interpretiert. Im Bild: Procurator Kurt Schmid im Weinkeller. |
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Warum betreibt die Stiftung Kartause Ittingen überhaupt eine eigene Landwirtschaft? Diese Frage zu beantworten fällt Procurator Kurt Schmid nicht schwer: «Die Grundsätze der Stiftung orientieren sich stark an den Grundsätzen einer Klostergemeinschaft. Und ein wichtiger Teil davon ist die Selbstversorgung. Früher war dies ein zentrales Thema, heute sind Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung für uns nicht mehr wegzudenkende Bestandteile unseres Konzeptes.» Für dieses Konzept einer neuzeitlichen Gemeinschaft von Gastwirtschaftsbetrieb, sozialer Einrichtung und Gutsbetrieb mit Lebensmittelverarbeitung wurde die Stiftung Kartause Itingen mit dem diesjährigen Thurgauer Apfel, dem Motivationspreis von Industrie- und Handelskammer, Gewerbeverein und Kantonalbank ausgezeichnet. Die Kartause ist die bisher sechste Preisträgerin, im vergangenen Jahr ging die Bronzeskulptur an AgroMarketing Thurgau. Nein, die Skulptur werde nicht beim ihm im Büro stehen, macht Procurator Schmid klar. Sie werde, für alle sichtbar, in einer Vitrine im Eingangsbereich der ehemaligen Klosteranlage zu sehen sein.
Landwirtschaft ist unverzichtbar
1977 hatte die Stiftung die Klosteranlage samt Gutsbetrieb von der bisherigen Besitzerfamilie Fehr übernommen. «Etwas vom ersten, das damals neu gebaut wurde, waren die neuen landwirtschaftlichen Ökonomiegebäude ausserhalb der Klosteranlage», ruft Kurt Schmid in Erinnerung. Heute bewirtschaftet die Kartause 65 Hektaren Land. Im Zentrum steht klar die Milchwirtschaft. Die Milch wird in der eigenen Käserei zu einer breiten Palette an Produkten weiterverarbeitet. Die Spezialitäten fliessen in die Gastronomiebetriebe der Kartause, werden im Klosterladen «über die Gasse» verkauft oder gehen zu einem grossen Teil an Dritthändler. Die Schotte schliesslich fliesst retour in die betriebseigene Schweinemast. Das Fleisch daraus landet im klösterlichen Rauch und so weiter und so fort. Der im Mittelalter traditionelle geschlossene Warenkreislauf wird in den Stiftungsbetrieben unter modernen Voraussetzungen aufrechterhalten. Seit einigen Jahren wird auch der Weinberg wieder selbst bestellt, und die Trauben werden in der eigenen Kellerei veredelt.
Teil des Wirtschaftskreislaufes
«Wir wollen innerhalb der Stiftungsbetriebe mit einem engen Kreislauf eine möglichst hohe Wertschöpfung erzielen», sagt Procurator Schmid. Dies gilt nicht nur innerhalb der Landwirtschaft, sondern auch zwischen den verschieden «Profitzentren» (siehe Kasten). Jeder Stiftungsbetrieb ist sowohl Kunde wie auch Lieferant des anderen. Bewohnerinnen und Bewohner des Heimbetriebes arbeiten zudem nach Möglichkeiten und Kräften in der Landwirtschaft mit. «Jeder Betrieb ist auf den anderen angewiesen», formuliert es Kurt Schmid. Der Gutsbetrieb sei in den bald 30 Jahren seit Stiftungsgründung keineswegs zu einer Last geworden, im Gegenteil. Er trage sehr viel zur Glaubwürdigkeit des gesamten Angebotes der Kartause Ittingen bei. Ein Tagungszentrum, das seine Gäste in ruhiger, besinnlicher Umgebung empfängt und am Tisch mit eigenen Produkten verköstigt, sei einmalig. «Dies ist unser <Unique Selling Proposition>, unser schlagendes Verkaufsargument», hält Kurt Schmid weiter fest.
Massvolle Produkteentwicklung
Trotz möglichst hoher Wertschöpfung im eigenen Betrieb macht sich Schmid keine Illusionen, dass sich der Landwirtschaftsbetrieb der Kartause nach der Decke zu strecken und möglichst rationell zu wirtschaften hat. «Bei uns wird jede Arbeitsstunde bezahlt», macht er klar. Bei den eigenen Spezialitäten aus Käserei, Metzgerei und Kellerei gelte es das Niveau zu halten, wenn nicht gar zu steigern. Das Niveau zu halten gelte es aber auch für den Gastwirtschafts- und Tagungsbetrieb, nicht umsonst wird gerade zurzeit die ehemalige, einfache Herberge in einen Hotelbetrieb umgebaut. «Die Ansprüche steigen», weiss Schmid. Die Marke «Ittinger» soll auf qualitativ hoch stehenden Produkten erscheinen. Neue Artikel werden nur zurückhaltend lanciert, wie unlängst das aufwändig herzustellende Traubenkernöl. Ein Hauch von Exklusivität ist den Produkten denn auch nicht abzusprechen. In einem Bereich wünscht sich Procurator Kurt Schmid allerdings mehr Bewegungsfreiheit: Die Käserei könnte deutlich mehr Produkte absetzen, doch die (noch) kontingentierte Milchproduktion verhindert dies. (hil)
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Ein Betrieb mehrere Standbeine
Seit 1993 leitet der gelernte Hotelier Kurt Schmid die Stiftungsbetriebe der Kartause Ittingen. Schmid trägt den Titel «Procurator», den früher demjenigen Mönch verliehen wurde, der sich um die weltlichen Angelegenheiten des Klosters kümmerte. Die vier Betriebe der im Jahre 1977 gegründeten Stiftung sind die Verwaltung, die Gastwirschaft, der Heim- und Werkbetrieb sowie der Gutsbetrieb mit Landwirtschaft, Käserei und Weinbau. Die Partnerbetriebe Ittinger Museum und Kunstmuseum (in kantonaler Regie) sowie das evangelische Begegnungs- und Bildungszentrum «tecum» runden das Angebot der Kartause Ittingen ab. (hil)
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