Ausgabe Nummer 43 (2005)
Alte Obstsorten im Mittelpunkt
Alte Obstsorten im Mittelpunkt
In der Thurgauer Kantonshauptstadt standen über das vergangene Wochenende 600 alte Obstsorten im Mittelpunkt. Erstmals wurde im Mostkrugschieben eine Schweizer Meisterschaft ausgetragen.

Erstmals wurde an der Fructus 05 in Frauenfeld
die Schweizer Meisterschaft im Mostkrugschieben
ausgetragen. (tos)
Zwar sei die Fructus 05 in der Festhalle Rüegerholz Frauenfeld, wo die schweizerische Obstvielfalt gezeigt wurde, etwas weniger gut besucht als die Ausstellungen in früheren Jahren, dafür hatte das Publikum ein grösseres Wissen über den Obstbau, erklärten die beiden OK-Kopräsidenten Urs Müller, LBBZ Arenenberg, und Simon Egger, Agroscope FAW Wädenswil. Die Gäste kamen aus Deutschland, Österreich und der ganzen Schweiz. Der Hauptanteil der Besucher stammt nach Müllers Aussagen allerdings aus dem Thurgau. Als Höhepunkte nannte er die Sortenschau mit rund 600 Obstsorten. Die Besucher erlebten zudem die grosse Vielfalt an Veredlungsmöglichkeiten von Birnen und Äpfeln. Lachend meinte Müller: «Unsere Obstbauern mussten nicht auf die Olma-Ansprache von Bundesrat Hans-Rudolf Merz warten, bis sie die Nischenproduktion entdeckten.» An den zahlreichen Marktständen wurden von Kastaniennudeln, über Apfelbier, Apfel-likör, in Schnaps eingelegte «Birli» mit Schokolade überzogen, Baumnusspesto, bis hin Holundersekt und vielem anderem mehr angeboten. Mit Staunen erklärte ein Besucher: «Ich wusste gar nicht, dass man aus Äpfeln und Birnen so viele Produkte machen kann.» Müller betont, dass es für die Erhaltung alter Obstsorten wichtig sei, dass daraus Spitzenprodukte erzeugt werden.
Viel beachtete Attraktionen

Äpfel und Birnen, wohin das Auge auch reichte. (tos)
Rege benutzt wurde auch die Bestimmung von alten Birnen- und Apfelsorten. So wurde eine Mutation von einem grauen Hordapfel gezeigt. Simon Egger freut sich über die Vorstellung des Buches «Pomologische Studien des frühen 19. Jahrhunderts» mit farbigen Abbildungen von Obstsorten, die von Caspar Tobias Zollikofer (1774 1843) angefertigt wurden. Nebst einer grossen Zahl kunstvoller, naturgetreuer Pflanzen- und Insektenaquarelle schuf Zollikofer die wunderschönen pomologischen Studien in den Jahren 1831 bis 1834, die nun als Faksimile-Druck durch Egger und Müller herausgegeben werden. Das Buch ist mit einem Nachwort der Journalistin Barbara Fatzer versehen. Gezeigt wurde auch ein Film über den Obstbau längst vergangener Jahre. Auf grosses Interesse stiess die Apfelzüchtung der Agroscope FAW Wädenswil, die Veredelung von Obstgehölzen und das Apfelparfüm. Grossandrang herrschte auch an der Saftbar, wo kühle Obstgetränke ausgeschenkt wurden.
Erster Schweizer Meister im Mostkrugschieben
Erstmals wurden an der Fructus 05 die Schweizer Meisterschaft im Mostkrugschieben ausgetragen, für die sich 64 Mostkrugschieber und -schieberinnen aus der ganzen Schweiz qualifizierten. Für den Halbfinal qualifizierten sich Rico Rütimann, Pfungen; Edi Krüger, Maloja; Lukas Nussbaumer, Lohn-Ammannsegg; Petra Bastianelli, Weisslingen; Alfred Kreis, Hochfelden; Silvia Bissegger, Wiezikon; Jörg Gerber, Frutigen, und Thomas Muhl, Maur. Schliesslich siegte der Skilehrer Edi Krüger vor Rico Rütimann und Lukas Nussbaumer. Petra Bastianelli musste mit dem undankbaren 4. Rang vorlieb nehmen.
