Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Am internationalen Imkerkongress gings auch um die Ausbildung

Ausgabe Nummer 40 (2018)

Schweizer Imker können neu einen eidgenössischen Fachausweis erwerben. Die Bilanz nach dem ersten Jahrgang mit 20 Abschlüssen sieht positiv aus, und hilft nicht zuletzt bei der Information über Bienen.

Mehr als 1,3 Millionen Bienenvölker von rund 165 000 Imkern leben in den Ländern Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Südtirol und Luxemburg. Diese Zahlen sind Ausdruck davon, dass die Bienenzucht einen Aufschwung erlebt. Doch der Schein trügt, wie am 90. Kongress deutschsprachiger Imker in Amriswil klar wurde. Krankheiten, Parasiten, Mangel an Blütenvielfalt und Pestizide machen den Bienen stark zu schaffen. Die Landespräsidenten dieser Nationen waren sich deshalb einig, dass sie die gründliche Ausbildung der Imker forcieren wollen. «Der Aufschwung in der Bienenzucht ist erfreulich», sagte Mathias Götti Limacher, Präsident von Bienen- Schweiz. «Doch die Haltung von Honigbienen ist anspruchsvoll und braucht Ausbildung.»

Vom Bund anerkannt
Die Schweiz hat diese Ausbildung bereits in Angriff genommen und umgesetzt. «Wir spürten, dass nicht nur die Notwendigkeit für Ausbildung besteht», erklärte Götti. «Auch der Wunsch vieler Imkerinnen und Imker nach vertieften Informationen war gross.» Es entstand ein Lehrgang, der als Berufsprüfung gemäss Berufsbildungsgesetz vom Bund anerkannt wird. Start des ersten drei- bis vierjährigen Lehrgangs war 2014. Diesen Sommer schlossen ihn die ersten Absolventen ab und erhielten in Amriswil ihre Diplome als Imkerinnen und Imker mit eidgenössischem Fachausweis. Weitere werden folgen, denn seit 2014 entschieden sich rund 220 Personen für diese Ausbildung. So erhalten pro Jahr ungefähr 40 Imkerinnen und Imker ihre Fachausweise. Die Ausbildung kostet 4000 Franken, wobei die Teilnehmenden bei einem erfolgreichen Abschluss vom Bund 50 Prozent des Betrages erstattet bekommen.

Andere Imker geworden
«Die Zufriedenheit der Absolventinnen und Absolventen ist gross», betonte Götti. «Sie schätzen die vertieften Informationen und die intensive Zusammenarbeit. » Er stellte zudem fest, dass sie andere Imker werden, nämlich solche, die ihr Wissen ständig hinterfragen, sich stetig weiterentwickeln wollen und deren Sensibilität gegenüber der Bienenwelt immer grösser wird. Erfreulich für ihn ist auch, dass in der Tendenz das Durchschnittsalter der Imker sinkt und sich immer mehr Frauen für dieses Hobby entscheiden.

Bevölkerung informieren
Information und Ausbildung ist für den Zentralpräsidenten aber nicht nur eine interne Aufgabe. «Wichtig ist auch die Information nach aussen, also der Bevölkerung », sagte er. «Sie soll wissen, welch grosse Bedeutung die Biodiversität für die Bienen hat und dass sie vieles tun kann, um diese zu fördern.» Er erwähnte dabei ein vielfältiges Angebot an einheimischen Blütenpflanzen im eigenen Garten, die Schaffung von Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Verzicht auf Pestizide und mehr. Nicht zuletzt betonte er, dass jeder einzelne mit seinem Konsumverhalten beeinflussen kann, wie sich die Landwirtschaft entwickelt.

Gelungenes Projekt
Einen besonderen Weg der Ausbildung gingen die Sektionen Chur und Umgebung sowie Hinterrhein im Kanton Graubünden. «Dort nahmen die Anfragen von Schulen für Informationen zu den Bienen ständig zu», sagt Götti. «Deshalb boten die beiden Sektionen im Bienenhaus in Rhäzüns Kurse an und gaben ihr Wissen über diese Insekten weiter.» Das Projekt «Flugschneisa» war entstanden. Doch schnell war klar, dass es besser wäre, wenn die Imker mobil würden. Von den Rhätischen Bahnen erhielten die Initianten einen Bahnwagen, den sie mit professioneller Hilfe, vielen Gönnern und eigener Fronarbeit in ein Kurslokal mit dem Namen «Grischa Biena auf da Schiena» umbauen konnten. «Der Wagen steht jeweils eine gewisse Zeit in einem Ort und wird von den lokalen Imkern betreut», sagte der Projektleiter Urs Nutt. «Ziel ist, dass die Kinder in 90 Minuten einiges über Bienen und die Umwelt lernen und wir sie für dieses Thema sensibilisieren können.» Dies ist gelungen, denn bisher sind bei rund 5000 Kindern Kreuzworträtsel, Umweltmemory, Bienenschaukasten, die Herstellung der Lippenpomade aus Bienenwachs und mehr auf grosse Begeisterung gestossen, auch am Kongress in Amriswil. Kein Wunder, dass bereits Gedanken an eine Ausdehnung des Projektes in andere Regionen und sogar ins Ausland vorhanden sind.


Martin Brunner










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