Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Anbindeställe sind keine Auslaufmodelle

Ausgabe Nummer 25 (2017)

Vor Kurzem besuchten 20 Bäuerinnen und Bauern vier Anbindeställe in der Ostschweiz. Besonders erfreut zeigten sich die Besucher vom Anbindestall von Rita und Ruedi Beerli aus Eschlikon.

Adelheid Graf, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft (IG) Anbindestall, stellte an der Exkursion von vier Ostschweizer Milchviehbetrieben mit Anbindehaltung fest: «Die IG Anbindestall steht für die Erhaltung und Förderung des Anbindestalles.» Das heisst, Neubauten von Anbindeställen sind zu bewilligen und zu fördern. Der Anbindestall darf nicht als Auslaufmodell gelten. Es besteht kein Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Aufstallungssystemen. Jeder Bauer soll mit dem Stall arbeiten dürfen, den er richtig für seine Tiere und sich selbst hält. Die IG Anbindestall zählt heute rund 2300 Mitglieder. Der Anbindestall hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen, und das Interesse steigt weiter, was die Beispiele in der Ostschweiz beweisen. Alle besuchten Anbindeställe wurden mit mindestens 20 cm dicken Strohmatratzen optimiert.

Modernisierung hat sich gelohnt
Hell begeistert zeigten sich die Exkursionsteilnehmer vom Betrieb von Rita und Ruedi Beerli aus Eschlikon TG. Christian Manser erinnerte sich, dass Beerlis mit lahmen Kühen, Zitzenverletzungen und geschwollenen Sprunggelenken zu kämpfen hatten. Mit der Stalloptimierung konnten diese Probleme allesamt gelöst werden. Manser stand den beiden zur Seite, und so entschloss man sich, den Anbindestall den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Damit konnte der Stalldurchschnitt von 8500 Kilogramm Milch auf 9800 Kilogramm gesteigert werden. Also geben die Kühe 1300 Liter mehr Milch pro Kuh und Jahr. Es wurde auch ein Abkalbebereich eingerichtet. Die Zitzen- und Klauenprobleme konnten spürbar eingedämmt werden. Heute haben Rita und Ruedi Beerli wieder echt Freude an ihren Kühen und ihrem Betrieb. Dennoch möchten ihn die beiden laufend optimieren.

Anbindestall wird laufend optimiert
Das Programm der Exkursion wurde von Christian Manser vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil zusammengestellt. Er ist Experte für «Kuhsignale im Anbindestall und Laufstall». Der erste Halt war auf dem Betrieb von Heidi und Roman Ledergerber in Arnegg SG. Der Anbindestall wurde im Jahr 2010 in Betrieb genommen und wird seither laufend optimiert. Manser stellte fest, dass gesunde Kühe im Mittelpunkt des Betriebes stehen müssen. Im Stall herrsche ein Superklima wo sich die Kühe wohl fühlen. Er beurteilte den Tierkomfort im Stall als sehr gut. Der Stall werde laufend den Bedürfnissen der Tiere angepasst.

Hohe Ansprüche an die Milchqualität
Der zweite Halt wurde auf dem Betrieb von Anna und Fredi Müller im Schachen, Stein AR, gemacht. Auffallend ist, dass alle Kühe Hörner tragen und sich sichtlich wohl fühlen. Der Stall ist sehr sauber und wird nach Aussage von Fredi Müller ebenfalls laufend optimiert. Die Milchleistung im Stall liege bei 7500 und 8500 Kilogramm Milch. Nach seinen Aussagen konnten auch die Arztkosten stark minimiert werden. Gefüttert werden die Kühe mit Soja, Raps und Kraftfutter. Die Milch wird in die Schaukäserei Stein geliefert, wo auf hohe Milchqualität geachtet wird.

Vorteile der Anbindeställe
Zu gefallen wusste auch der Betrieb von Claudia und Melchior Kuster, Gonten AI. Sie durften aus den Händen von Bruno Inauen, Leiter Landwirtschaftsamt Appenzell Innerhoden, die Plakette «Kuhsignale Awords» entgegen nehmen. Damit werden Betriebe ausgezeichnet, bei welchen das Tierwohl und die Bedürfnisse der Kühe und Kälber im Zentrum stehen. Adelheid Graf wies darauf hin, dass sich die Tiere im Anbindestall sehr wohl fühlen. Schwache Tiere sind geschützt und stehen nicht die ganze Zeit unter Stress. Die Anbindehaltung löse sehr wenig Emissionen aus. In Anbindeställen gibt es fast keine Klauenkrankheiten. Adelheid Graf wies auch darauf hin, dass die Tiere im Anbindestall zahm und ruhig sind. Jedes Tier habe seinen eigenen Platz und biete den Bauern viele gute Beobachtungsmöglichkeiten. Die IG Anbindestall wolle, dass die Bauern die Eigenverantwortung zurückbekommen. Mehr horntragende Tiere seien im Anbindestall besser als in anderen Aufstallungssysteme möglich. Es liege den Bauern der IG Anbindestall am Herzen, dass Anbindeställe erhalten und gefördert werde. Jedem Tierhalter solle es freistehen, was für ein Aufstallungssystem er bevorzuge.


Mario Tosato
















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