Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Andere Länder - andere Sitten - andere Gesetze

Ausgabe Nummer 50 (2017)

Kundenausflug der Aachtal Futter AG 2017

Der diesjährige Kundenausflug der Aachtal Futter AG führte ins nahegelegene Ausland, genauer gesagt in den Vorarlberg. Mit dem bis auf den letzten Platz ausgebuchten, doppelstöckigen Car liess es sich sehr gemütlich anreisen. Auch der obligate Kaffee und das «Zöpfli» fehlten nicht.

Für die Gegend nahe der Schweizer Grenze wird auch häufig der Name «Ländle» verwendet. Die Witterungsvoraussetzungen für die landwirtschaftliche Produktion gleichen denen auf der anderen Seite des Rheines, dem St. Galler Rheintal. Die Böden nahe des Rheins sind sandig und leicht, die entfernteren Böden, torfiger und schwerer.

Betrieb Thomas Bischof, Hohenems
Am Vormittag stand der Besuch des Milchwirtschaftsbetriebs von Thomas Bischof aus Hohenems auf dem Programm. Dort wurden wir sehr freundlich vom Betriebsleiter und dessen Vater empfangen. Der Betriebsleiter ist ein regelrechter Allrounder, nebst seinen knapp 70 Milchkühen und der eigenen Aufzucht, schneidet er noch nebenberuflich Klauen, verkauft Kraftfutter und Mineralstoff. Zum gepachteten Betrieb gehören knapp 40 ha LN, wovon ein Viertel als Dauerweide sehr extensiv genutzt wird. Auf rund 13 ha wird Mais angebaut, die restlichen Flächen sind intensiv genutzte Naturwiesen.
Auf dem Betriebsrundgang durch die etwas älteren Gebäude fiel vor allem die leistungsstarke Milchviehherde auf. Es wurde eine Erstmelkkuh gezeigt, welche sich nach über 300 Tagen in Laktation immer noch mit 40 kg Tagesmilch in einwandfreiem Glanz präsentierte.
Thomas Bischof gab zur Ration fachkundlich und umfangreich Auskunft, wobei einige Teilnehmer erstaunt waren, wie einfach die ganze Fütterung abgewickelt wird und wie hoch zudem die Leistung ist. Nach dem Bestaunen der Güllelagune und dem Fahrsilo wurde der Betriebsrundgang mit einem Glühmost und/oder Schnaps abgeschlossen.
Mit etwas Verspätung trafen wir im Rittersaal der Schattenburg in Feldkirch ein, wo wir ein reichhaltiges und schmackhaftes Mittagessen zu uns nahmen.

Betrieb Gebrüder Florian und Sebastian Allgäuer, Feldkirch
Nach der Stärkung folgte der Betriebsbesuch der Gebrüder Allgäuer aus Feldkirch. Die Dimensionen auf diesem Betrieb sind deutlich grösser, als die eines durchschnittlichen Schweizerbetriebs. Mit über 140 Milchkühen und beinahe so vielen Aufzuchttieren stand eine eindrückliche Rindviehherde zur Besichtigung bereit.
Die Betriebsfläche umfasst mehr als 100 ha. Auf 33 Hektaren wird Mais angebaut, 60 Hektaren sind Natur- und Kunstwiesen, auf zwei Hektaren werden verschiedene Gemüsesorten angepflanzt und rund fünf Hektaren sind Streueflächen.
Wie auf dem Betrieb Bischof, fielen auch hier die Kühe sehr positiv auf, einerseits durch die enorme Leistungsbereitschaft und andererseits durch die gute Kondition. Die gute Verfassung der Tiere ist auf die energielastige Grundration zurückzuführen. Denn diese beinhaltet 24 kg Maissilage (Shredlage), 10 kg Biertreber und lediglich 14 kg Grassilage. Laut Allgäuer funktioniert die Shredlage in seinem Betrieb einwandfrei. Der grösste Vorteil sei der höhere Fettgehalt, welcher sich um 0,2 % erhöhte. Gemolken werden die Kühe in einem 19er-Fischgratmelkstand. Nebst der Milchwirtschaft betreiben die Gebrüder Allgäuer eine Biogasanlage, welche etliche Haushalte der Stadt Feldkirch mit Strom versorgt, zudem wird auch ein beträchtlicher Teil des eigenen Strombedarfs mit diesem Strom gedeckt. Als grosser Vorteil wurde vom Betriebsleiter die geruchsarme Biogasgülle genannt. Denn für einen stadtnahen Betrieb ist das Ausbringen stark riechender Gülle noch schwieriger als auf dem Land. Allgäuer führte weiter aus, dass die hohe Verfügbarkeit des Stickstoffs ein bedeutender und positiver Nebeneffekt der Biogasgülle ist.
Ein weiteres Kerngeschäft ist der Handel mit Landesprodukten. Vorwiegend werden Heu, Stroh und Maissiloballen in die Schweiz verkauft. Vor kurzem wurde ein verschiebbarer Legehennenstall für 2000 Tiere angeschafft. Die Eier werden grösstenteils direkt verkauft, wobei einmal wöchentlich ein Grossabnehmer alle überzähligen Eier abholt.
Der vielseitige und eher weitläufige Betrieb führte dazu, dass die Zeit wie im Fluge verging. Mit etwas Verspätung verliessen wir den Betrieb Allgäuer und machten uns auf den Heimweg in Richtung Aachtal Futter AG.
Einerseits waren die Eindrücke der beiden Betriebe, andererseits die unterschiedlichen Voraussetzungen in Sachen Tierschutz, Gewässerschutz, Bodenrecht, Naturschutz und der staatlichen Unterstützung, sehr interessant und teilweise neu. Dass der Gesetzgeber zwei meteorologisch und topographisch nahezu identischen Regionen solche Unterschiede vorgibt, ist schwierig nachzuvollziehen.
Die Aachtal Futter AG kann auf einen äusserst spannenden Tag zurückblicken und bedankt sich bei allen Beteiligten des Ausfluges.


Andreas Preisig
Aachtal Futter AG







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