Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. April 2019


Anforderungen in der Direktzahlungsverordnung für Hochstämme

Ausgabe Nummer 5 (2019)

Seit dem 1. Januar 2018 schreibt die Direktzahlungsverordnung für Hochstämme mit Biodiversitätsbeiträgen der Qualitätsstufe 1 und 2 neu eine fachgerechte Baumpflege bis zum 10. Standjahr vor und es wurden Änderungen vorgenommen. Nur gut gepflegte Jungbäume erreichen auch ein hohes Alter und damit nebst einem ökonomischen auch einen ökologischen Nutzen.

Hochstamm-Feldobstbäume, Qualitätsstufe 1
Unter diesem Begriff laufen Kernobst-, Steinobst- sowie Nussbäume und Edelkastanien, sofern es mindestens 20 zu Beiträgen berechtigte Hochstämme pro Betrieb sind. Die Höchstzahlen pro ha betragen 120 Kern- oder Steinobstbäume ohne Kirschen respektive 100 Kirsch-, Nuss- und Kastanienbäume auf der eigenen oder einer gepachteten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Stammhöhen müssen beim Steinobst 120 cm, beim Kernobst 160 cm betragen. Die Pflanzdistanz ist nicht genau geregelt, es soll eine Pflanzdistanz eingehalten werden, welche eine normale Entwicklung der Bäume (also eine artgerechte Pflanzdistanz) gewährleistet. Es können also nicht an einer Ecke der Parzelle dicht gedrängt Hochstämme gepflanzt werden und die übrige Fläche wird gegrast oder geackert.

Hochstamm-Feldobstbäume, Qualitätsstufe 2
Im Unterschied zur Qualitätsstufe 1 werden die erforderlichen Flächen, die Mindestbaumzahl und deren Pflanzdichte vorgeschrieben: Vorausgesetzt wird eine Mindestfläche von 20 Aren mit mindestens 10 Bäumen und einer Pflanzdichte von mindestens 30 Feldobstbäumen und im Maximum 120 (Kern- und Steinobst ohne Kirschen) oder 100 (Kirsch-, Nussoder Edelkastanienbäume) pro ha, wobei der Baumabstand maximal 30 m betragen darf. Die Zahl der Bäume muss während der Verpflichtungsdauer gleich bleiben und die Distanz zu Zurechnungsflächen (Biodiversitätsförderflächen) darf höchstens 50 m betragen. Bis 200 Bäume muss die Zurechnungsfläche 0,5 Aren betragen, ab dem 201. Baum noch 0,25 Aren. Eine überbetriebliche Zusammenarbeit ist möglich.

Fachgerechte Baumpflege, was wird darunter verstanden?
Egal ob Qualitätsstufe 1 oder 2, die fachgerechte Pflege gilt für beide Stufen, kann jedoch infolge der Vorschriften nicht genau gleich umgesetzt werden. Zusammenfassend können folgende Punkte genannt werden, welche eine zügige, schöne Entwicklung eines Hochstammes gewährleisten: Mäusebekämpfung, Stammschutz, Versorgung mit Nährstoffen, regelmässiger Schnitt, aus Sicht des Pflanzenschutzes insbesondere beim Steinobst auch eine saubere, vollständige Ernte. Verlangt wird auch die Einhaltung der phytosanitären Massnahmen gemäss Weisungen des Pflanzenschutzdienstes.

Grundvoraussetzung ist eine artgerechte Standortwahl bei Neupflanzungen
Obstbäume sollten nur dort hingepflanzt werden, wo es eine Gewissheit gibt, dass diese auch wachsen. Kälteseen, vernässte, sehr schattige Parzellen oder solche mit regelmässig starkem Mäuse- oder Engerlingsbesatz eignen sich nicht. Auf Standorten, welche jahrelang mit Gülle gedüngt wurde, reagieren Obstbäume oft mit übermässigem Krebsbefall. Besonders wichtig ist auch, dass die Kaltluft abfliessen kann. Heute ergibt es auch Sinn, dass Hochstämme, die nicht im Verband als Hochstammgarten gepflanzt werden, reihenweise so gepflanzt werden, dass die übrige Bewirtschaftung der Fläche nicht behindert wird. Auf eine gute Befruchtung ist ebenso zu achten, besonders wenn triploide Sorten (zum Beispiel Boskoop) gepflanzt werden.

Phytosanitäre Massnahmen
Die phytosanitären Massnahmen gemäss Weisungen des Pflanzenschutzdienstes sind einzuhalten. Im Thurgau betrifft dies insbesondere den Feuerbrand, welcher in den ausgeschiedenen Schutzobjekten der Obstbauzone 2 und der ganzen Obstbauzone 1 bereits bisher bekämpft werden musste. Neu ist, dass dies für alle Feldobstbäume gilt, für welche Direktzahlungsgelder fliessen. Unter Bekämpfung Feuerbrand ist nicht zwingend gemeint, dass man mit Pflanzenschutzmitteln eine Bekämpfung vornimmt, vielmehr soll erfolgter Befall schnell, sauber und fachgerecht entfernt und entsorgt werden. Dies ist insbesondere bei Birnen etwas schwieriger, da diese bei erfolgtem Befall in den wenigsten Fällen sauber saniert werden können und auch Massnahmen wesentlich gefährlicher sind als auf einem Apfelbaum.

Mäusebekämpfung, in jedem Baumgarten ein Muss, in Ökoflächen schwierig
Jungbäume haben nur eine Überlebenschance, wenn die Mäuse mit einem Mäusegitter ferngehalten (Maschenweite 13 mm) oder regelmässig bekämpft werden. Dabei ist nicht nur die Baumscheibe gemeint, sondern auch das nahe Umfeld des Baumes, in einem Verband also auf der ganzen Pflanzung. Da Grashorste direkt am Stamm für Mäuse attraktiv sind, ist diesem Teil besondere Aufmerksamkeit zu schenken und der Bewuchs kurz zu halten. Die Mäusebekämpfung ist in der Qualitätsstufe 1 einfacher, kann die Baumscheibe doch bis zum fünften Standjahr mit Herbizid bewuchsfrei gehalten werden, bei älteren Bäumen ist dies nicht mehr erlaubt. Anstelle des Herbizids wirkt eine Mistscheibe mit gut verrottetem, nicht strohigem Mist jedoch gleich doppelt. Erfahrungen zeigen, dass sogar in grossen Baumgärten die regelmässige Neueinwanderung der Mäuse mit einem Mäusezaun (Infos bei Andermatt Biocontrol, Grossdietwil) verhindert werden kann. Systeme, welche die Mäuse zwar abtöten, die Gänge aber nicht zerstören, wirken nicht anhaltend, da diese immer wieder neu besetzt werden.

Nährstoffversorgung
Hochstammapfelbäume haben ihr Hauptwurzelvolumen in 30 bis 60 cm Bodentiefe. Eine rein oberflächliche Düngung (Gülle) reicht in den meisten Fällen nicht, die Bäume zu ernähren. Birnbäume haben oft drei bis vier starke Pfahlwurzeln und sonst ein eher kleines Wurzelvolumen. Auch hier ist die Nährstoffversorgung erforderlich. Ist wie zum Beispiel in Ökoflächen eine Düngung nicht möglich, muss der Baumschnitt intensiviert werden, damit genügend Wuchs vorhanden ist. Grundsätzlich stehen zur Düngung folgende Möglichkeiten zur Verfügung: Mistscheibe, Gülle ergänzend, insbesondere bei Trockenheit, Lanzendüngung unter der Kronentraufe sowie der Zusatz von Blattdüngern bei Pflanzenschutzapplikationen. Eine Kombination dieser Möglichkeiten bringt die besten Erfolge. Die Düngung mit Kompost oder besser Mistscheibe mit nicht zu strohigem Mist stellt nach wie vor die beste Baumdüngung dar und ist unter anderem auch bei extensiv genutzten Wiesen ohne Abzug der Biodiversitätsbeiträge bis zum zehnten Standjahr erlaubt.

Stammschutz
Mechanische Schäden durch Maschinen, Frostschäden oder Beeinträchtigungen durch weidendes Vieh oder Wild erfordern einen angemessenen Stammschutz. In nicht beweideten Parzellen reicht oft der Baumpfahl. Wird dieser auf die Südseite gesetzt, hat er gleichzeitig eine Schutzfunktion (Sonnenbrand, Holzfrostschäden werden vermindert). Stamm- und Bodenpflege sind einfacher, oft sind mechanische Schäden durch Mäh- oder Hilfsmaschinen bei der Grasaufbereitung nicht zu verhindern. Gegen Wild und Frost hilft ein Kalkanstrich mit Weisselkalk oder weisser Aussendispersion. Wird geweidet, sind entweder eine zusätzliche Schutzmanschette oder zwei zusätzliche Pfähle erforderlich. Plastikmanschetten sind hilfreich und einfach zu montieren, teilweise können diese gegen Wild sogar bei den Jägern bezogen werden. Als Stammschutz nicht geeignet sind Jutte- oder Papiersäcke, da diese das Licht zu stark fernhalten und der Baum oberhalb des Materials stärker in die Breite wächst, sodass der Stamm oberhalb deutlich dicker wird. Dadurch entstehen instabile und nicht standfeste Bäume. Die Baumpfähle sollen unterhalb der ersten Äste sein. Mechanische Schäden sind sonst die Folge. Ebenso ist darauf zu achten, dass keine einschneidenden Bindematerialien verwendet werden. Bast ist auch heute noch sehr gut, nicht geeignet sind Strohschnüre, Draht und Blachenbänder. Insbesondere Jungbäume bis ins zehnte Standjahr anbinden. In den letzten Jahren haben Sturmböen vermehrt selbst wüchsige Jungbäume einfach abgeknickt.

Fachgerechter Schnitt in den ersten zehn Jahren
Es lässt sich darüber streiten, was ein fachgerechter Schnitt ist. Schnitt ist jedoch in jedem Fall eine Anregung des Wachstums und dies ist bei Jungbäumen gewollt. Der Baum soll rasch ein ertragsfähiges Baumvolumen erhalten. Dazu braucht es einen Pflanzschnitt und jährlich bis ca. ins zehnten Standjahr das Anschneiden der Leitäste und das Entfernen von Konkurrenztrieben. Die althergebrachte Öschbergkrone ist auch heute noch sinnvoll, weil ein stabiles Gerüst resultiert und eine gute Lichtausnutzung erfolgt. Konsequent auf dieses System geschnittene Bäume brauchen allerdings länger, bis die Haupterträge einsetzen, als wenn zum Beispiel die Ostschweizer Rundkrone ausgeführt wird. Bei dieser wird der gerüstbildende Schnitt verkürzt, sodass die Fruchtung schneller einsetzt. Der etwas abgeänderte Schnitt und die heute robusten, aber auch sehr tragwilligen Sorten führen zu einer deutlich verkürzten Zeitspanne ohne Ertrag, die Bäume werden jedoch auch nicht mehr 100-jährig. Natürlich sollte der Schnitt nicht einfach nach dem zehnten Jahr aufhören. Nach wie vor ist ein jährlicher Schnitt mit weniger groben Schnitten oder Korrekturen verbunden. Ist das Grundgerüst aber einmal aufgebaut, können die Schnittintervalle zuerst auch auf zwei, später auf drei bis vier Jahre ausgedehnt werden. Der Kontrolleur soll das Gesamtbild des Baumes beurteilen. Ein geübtes Auge sieht schnell, was an den Bäumen gemacht wurde und ob die geforderten Kriterien erfüllt sind. Es geht nicht darum, jedes einzelne Ästchen zu schneiden. Der Baum braucht eine sinnvolle Form, genügend Wuchs und soll eine zweckmässige Grösse erreichen. Bei Nuss- und Steinobstbäumen ist der Schnitt eher im Sommer auszuführen. Für eine zügige Kronenentwicklung ist nebst der Düngung auch die Bekämpfung der Läuse oft nötig.

Mistel, unerwünschte Heilpflanze auf Obstbäumen
Eine alte und doch deutlich stärker auftretende Pflanze ist die Mistel. Die teilweise stark reduzierte (wenn nicht sogar vernachlässigte) Pflege der Hochstämme kombiniert mit vermehrtem Mistelbewuchs auf anderen Baumarten hat deren Ausbreitung gefördert, wird bei den Obstbäumen aber nicht gern gesehen. Örtlich einmal im generativen Stadium, geht es oft recht rasch, bis diese durch Vögel auf die Feldobstbäume gelangen. Die einzig wirksame Bekämpfung ist die regelmässige Entfernung besetzter Äste. Verpasst man dies, ist es oft schon zu spät.

Pflanzenschutz
In den letzten Jahren kann bei Hochstämmen zunehmend Befall durch Mehltau und Marssonina coronaria festgestellt werden. Mehltau tritt so stark auf, dass das Wegschneiden des Befalles im Winterschnitt oft kaum möglich ist, weil dann fast alles angeschnitten werden muss.
Vermehrt muss bei der Sortenwahl darauf geachtet werden, dass auch in dieser Hinsicht robuste Sorten verwendet werden. An der Agroscope in Wädenswil wurde zu diesem Thema geforscht und in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Broschüre zu robusten Mostobstsorten erstellt. Diese ist bei Agroscope erhältlich.

Merkblatt vorhanden
Zum Thema Fachgerechte Pflege von Feldobstbäumen hat Agridea in Zusammenarbeit mit Vertretern des Bundes, der Kantone, von Kontrollorganisationen und ideellen Organisationen wie Birdlife ein gut bebildertes Merkblatt verfasst. Dieses kann unter www.agridea.ch heruntergeladen werden.


Urs Müller BBZ
Arenenberg



















« zurück zur Übersicht