Ausgabe Nummer 29 (2006)

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Aprikosenanbau - Eine Nischenproduktion für den Thurgau?

In der Schweiz gedeihen die Aprikosen an den Nordhängen und in der Talsohle des Wallis. Die lange Zeit bewährte Sorte Luziet wird seit mehreren Jahren durch neue, qualitativ bessere Sorten, zum Beispiel Orangered, Goldrich oder Bergeron, erneuert. Im Thurgau haben einige innovative Obstproduzenten zusammen mit der Fachstelle Obstbau und Rebbau des LBBZ Arenenberg eine Aprikosen-Arbeitsgruppe gebildet, mit dem Ziel, den Aprikosenanbau auch für den Thurgau zu prüfen. Die Vorstellungen gehen dahin, den regionalen Markt mit einheimischer, guter Qualität zu versorgen.

Standortansprüche
Zu den speziellen Standortansprüchen gehören eine mittlere Jahrestemperatur von mindestens 8°C, geringe Niederschlagsmengen von unter 600 mm sowie warme, gut durchlüftete Böden mit ausreichender Ernährung und Wasserversorgung. Frostlagen sind auf jeden Fall zu meiden.Wir sind uns bewusst, dass unser Obstanbaugebiet nicht alle Standortansprüche für Aprikosen optimal erfüllt. Die hohen Niederschlagsmengen verursachen vor allem pilzliche Krankheiten (Monilia), anhaltende Regenfälle während der Blütezeit führen oft zu schlechtem Fruchtansatz, und hohe Feuchtigkeit vor und während der Reifezeit bringen Verluste durch vorzeitige Fäulnis. Gegenüber Hagel reagieren die Aprikosen sehr empfindlich, sie verlangen deshalb in unserem Anbaugebiet einen Hagelschutz. Die Notwendigkeit einer allfälligen Regenabdeckung ist noch zu prüfen.

Versuchsanlagen
Zur Abklärung der vielen Fragen im Aprikosenanbau wurden im Jahre 2003 auf dem Kantonalen Obstbaubetrieb in Uttwil und auf dem Versuchsbetrieb der agroscope Wädenswil in Güttingen zusammen rund 60 Aren Aprikosen angepflanzt. Im Weiteren stehen auf Praxisbetrieben bereits zirka 4 ha.

Sorten- und Unterlagenwahl
Das Aprikosensortiment ist sehr vielfältig. Für den versuchsweisen Anbau wurden die Sorten Orangered, Goldrich und Bergeron als Hauptsorten und Pinkcot, Hargrand und Fantasme als Nebensorten angebaut. Wichtig ist dabei, dass, wenn möglich, vor allem selbstfruchtbare Sorten gewählt werden, was sich für den Fruchtansatz vorteilhaft auswirkt. Die Verträglichkeit zwischen den verschiedenen Sorten und Unterlagen ist sehr unterschiedlich. So weist die schwachwachsende Unterlage Pumiselect mit den meisten Sorten eine starke Unverträglichkeit auf. Die starkwachsende Unterlage Myrabolane weist hingegen eine gute Verträglichkeit auf, kommt aber später in den Fruchtertrag. In den bisher gepflanzten Aprikosenanlagen haben wir vorwiegend die noch wenig geprüfte Unterlage Wangenheims gewählt. In ausländischen Anbaugebieten ist sie durch ihre Robustheit und schwächeren Wuchs positiv aufgefallen.

Anbausysteme und Pflanzendistanzen
Bei den getätigten Pflanzungen steht das Anbausystem der Spindel im Vordergrund. Um das Höhenwachstum etwas besser in den Griff zu bekommen, eignet sich auch das Drapeau-System, bei dem die Bäume schräg gepflanzt werden. Für beide Anbausysteme sind Pflanzdistanzen von 4,5 m 3 2,5 m zu wählen.

Baumgesundheit
Die Baumgesundheit ist im Aprikosenanbau ein zentrales Thema. Einerseits ist es die Sharkaanfälligkeit, andererseits ist es die chlorotische Blattrollkrankheit, welche nur mit Rodung bekämpft werden können.Weiter dringen über Rindenrisse, Schnittwunden oder Blattnarben Bakterien (Pseudomonas syringae) ins Bauminnere, was zum Absterben ganzer Astpartien oder des ganzen Baumes führt. Es ist daher alles zu unternehmen, um die Krankheiten in Schach zu halten. Zertifiziertes Pflanzmaterial ist Voraussetzung, und Dammpflanzungen sollen verhindern, dass die Bäume «nasse Füsse» bekommen. Mit weissen Stammanstrichen kann das Eindringen von Bakterien vermindert werden, und regelmässige Kompostgaben leisten einen wertvollen Beitrag für die Bodenaktivität.

Vermarktung
Im vergangenen Jahr konnten erste Mengen Aprikosen geerntet werden, die bei den Konsumenten einen reissenden Absatz fanden. Erste Testverkäufe bei einem Grossverteiler brachten positive Rückmeldungen.

Ausblick
Frische und gut ausgereifte Aprikosen erfreuen sich beim Konsumenten grosser Beliebtheit. Wenn die Problematik der Baumgesundheit im Griff gehalten werden kann, bietet der Aprikosenanbau als Nischenproduktion eine Chance.

Ueli Henauer, Fachstelle Obst- und Rebbau, LBBZ Arenenberg