Ausgabe Nummer 23 (2004)

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Arbeitsengpässe gekonnt umschiffen

Organisation und Arbeitsabläufe während der Ernte
 
Arbeitsengpässe gekonnt umschiffen
 
Ein spezifisches Problem der Raufutterernte stellt die geringe Anzahl von verfügbaren Erntetagen dar. Nebst der eigentlichen Stallarbeit muss oft am selben Tag gemäht, gekreiselt, geschwadet, eingeführt und der Heukran bedient werden. Dass so je nach Betrieb sofort 20 bis 30 Arbeitsstunden pro Tag anfallen, liegt auf der Hand.
Die heutige Entwicklung hin zu wachsenden Betrieben einerseits oder dem vermehrten Engagement im Nebenerwerb andererseits führt gerade bei der Raufutterernte dazu, dass auf den Betrieben diese Arbeitsengpässe verstärkt auftreten.
 
 
Bereits sind etliche Grossschwader im Thurgau im Einsatz.
 
Grundsätzlich stehen dem Landwirt zur Lösung solcher Arbeitsengpässe folgende Varianten zur Verfügung:
– die Anschaffung einer effizienteren Mechanisierung
– die Auslagerung von Arbeiten an den Lohnunternehmer
– das Engagement von zusätzlichem Personal
Diese Varianten können sowohl kombiniert wie auch einzeln für sich umgesetzt werden, wobei die jeweiligen Konsequenzen unbedingt vor dem Entscheid für eine Variante mitberücksichtigt werden. So muss zum Beispiel beachtet werden, dass sobald betriebsfremde Arbeitskräfte im Spiel sind, dies wesentlich höhere Anforderungen an die Organisation und die Kommunikation stellt. Andererseits ist in der Grünlandgegend Schweiz, wo die Milchkühe in erster Linie hohe Grundfutterleistungen erzielen sollen, eine optimale Qualität und dadurch eine gewisse Terminsicherheit von hoher Bedeutung. Nachfolgend sollen einige Entscheidungsgrundlagen erläutert werden, um die Wahl einer der genannten Massnahmen abwägen zu können.

Effizientere Mechanisierung?
Eine effizientere Mechanisierung hat unweigerlich auch zusätzliche Kosten zur Folge. Häufig ist der alte 3,5-m-Schwader noch einsatzfähig. Mit der Anschaffung eines Doppelschwaders soll dieser Arbeitsengpass behoben werden. Es ist offensichtlich, dass der neue Doppelschwader zusätzliche Kosten mit sich bringt. Dafür kann mit ihm auch fast die doppelte Stundenleistung erzielt werden. In der Praxis wird häufig übersehen, dass gerade der Schwader pro Jahr häufig nur gerade an 10 bis 15 Erntetagen eingesetzt wird und somit selten eine Jahreseinsatzzeit von über 50 Stunden erreicht. Es liegt auf der Hand, dass mit der Anschaffung eines grösseren Schwaders eine Einsparung von 20 Arbeitsstunden bereits optimistisch gerechnet wäre. Bei zusätzlichen Kosten von Fr. 1700.–/Jahr (15% Kapitalkosten vom Anschaffungspreis von Fr. 15 000.– abzüglich der jährlichen Kapitalkosten von Fr. 500.– des alten Schwaders), welche der neue Schwader mit sich bringt, wird schnell sichtbar, wie viel die eingesparte Zeit wert ist oder wie viel dafür bezahlt werden könnte. Auf dem Heubetrieb führen der hohe Anspruch an die Terminsicherheit und die Tatsache, dass eine Maschine nicht auf zwei Betrieben gleichzeitig eingesetzt werden kann dazu, dass verständlicherweise vorwiegend auf Eigenmechanisierung gesetzt wird. Besteht auf einem Heubetrieb ein Arbeitsengpass, so sollten vor einer Investition in einen grösseren Schwader sämtliche möglichen Varianten (temporäre Aushilfe, überbetrieblicher Einsatz, Investition) auf ihre Terminsicherheit, die organisatorischen Anforderungen und Kosten untersucht werden.
Nebst dem Einsatz eines leistungsfähigeren Schwaders sind der Einsatz eines Intensivaufbereiters (Einsparung eines Kreiselarbeitsganges), breitere Mähwerke, breitere Kreiselheuer und grössere Ladewagen Massnahmen, um die Arbeitszeit während der Ernte zu senken. Bei der Abwägung des Handlungsbedarfes ist daher wichtig, dass abgeschätzt wird, welche Einsatzzeiten bei den entsprechenden Maschinen vorliegen, damit die potenzielle Zeiteinsparung abgeschätzt werden kann (der Kreiselheuer ist oft doppelt so lange im Einsatz wie der Schwader!).

Zusätzliches Personal?
Wie eben errechnet, scheint die Arbeitszeit an Erntetagen zweifellos sehr viel wert zu sein. Es liegt also auf der Hand, das Engagement einer zusätzlichen Arbeitskraft just für den entsprechenden Erntenachmittag zu prüfen. Andere Landwirte sind an Erntetagen nur schwer verfügbar, weil sie ihr eigenes Heu einbringen müssen. Allenfalls ist aber ein ausserlandwirtschaftlicher Nachbar oder eine Nachbarin mit technischem Flair und Freude an der Landwirtschaft gerne bereit, für einen schönen Stundenlohn während einigen Erntetagen mitzuhelfen und beispielsweise die Arbeit auf dem Kran oder die Schwadarbeiten zu übernehmen. Eine andere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit einem Landwirten, welcher einen anderen Betrieb ohne schwergewichtige Raufutterernte führt.
Solche Verhältnisse sind in der Landwirtschaft noch nicht sehr weit verbreitet. Der Umgang mit betriebsfremdem Personal erfordert eine frühzeitige Organisation und eine gute Kommunikation. Häufig kann die Flexibilität der Hilfspersonen aber mit einem sehr guten Stundenlohn entschädigt werden, weil die Alternativen ebenfalls beträchtliche Kosten mit sich bringen.

Lohnunternehmer/Maschinenring?
Arbeitsengpässe werden vor allem in Silogebieten vermehrt überbetrieblich oder durch den Einsatz eines Lohnunternehmers behoben. Das Modell, wo der Grossschwader bei der Grossernte beigezogen und während der Ernte von kleineren Parzellen dies mit dem alten Schwader erledigt wird, hat sich in einigen Gegenden bewährt. Der Einsatz des Lohnunternehmers in der Grasernte wird sich beim Heubetrieb wohl nur beim Mähen etablieren, währenddem beim Silobetrieb sein Einsatz in der ganzen Kette nahe liegend ist.
Wichtig ist jedoch, dass eine längerfristige Beziehung angestrebt wird und man die Planung der Arbeiten miteinander frühzeitig abspricht, damit die Silage weder zu trocken noch verregnet wird.
Lohnunternehmer bieten je länger je mehr günstigere Tarife bei günstiger Parzellierung und grossen Mengen an. Grosse Ernteflächen sowie eine grosse Made begünstigen eine effiziente Arbeitsweise des Lohnunternehmers. Kann aufgrund von Grossmaden ein Lohnunternehmer günstigere Tarife anbieten, so wäre dies natürlich ein Punkt, welcher wieder zugunsten eines Doppelschwaders sprechen würde.
Bei der Siloernte mit dem Fahrsilo wird schnell deutlich, dass zusätzliches Personal und leistungsfähige Maschinen nötig sind, um die grossen Erntemengen schlagkräftig zu bewältigen. Dass sich dabei der Lohnunternehmer geradezu anbietet, liegt auf der Hand, wobei wiederum eine gewisse Terminsicherheit gewährleistet sein muss, weil der gesamte Heuertrag zur selben Zeit siliert wird.
Es gibt auf jedem Betrieb wieder andere Gegebenheiten, welche zur Wahl einer anderen Ernteorganisation führen können. Wichtig ist jedoch, dass in der momentanen Situation mit den bekannten Änderungen der aktuelle Ablauf überdacht und allenfalls neue Wege geplant werden, um die Arbeiten, sei es bei einer Aufstockung oder beim Ausweichen in den Nebenerwerb, trotzdem noch in einer zufrieden stellenden Art bewältigen zu können.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Christof Baumgartner
 
 
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