Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus tagte in Hohentannen

Ausgabe Nummer 33 (2016)

Fachreferenten gaben praxisnahe Empfehlungen, welche Massnahmen dazu geeignet sind, um gegen zunehmende Wetterextreme besser gewappnet zu sein.

Daniel Nyfeler vom BBZ Arenenberg begrüsste im Namen des OK-Komitees rund 300 Besucher zur AGFF-Tagung 2016 (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues) auf dem gastgebenden Hof von Beate und Niklaus Schnetzer-Korhummel in Hohentannen (TG). Das OK wählte für diese Ta- gung den Titel «Der (Klima-)Wandel im Futterbau». Niklaus Schnetzer-Korhummel, Betriebsleiter, stellte seinen Betrieb mit 80 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche vor. Davon sind 35 ha offene Ackerfläche mit gemischten Kulturen und Naturwiese. Einen Willkommensgruss überbrachte auch Christof Rösch, Gemeindepräsident von Hohentannen. Er schilderte einige Besonderheiten dieser Gemeinde mit hoher Selbstständigkeit und Lebensqualität. Für das Impulsreferat «Wetterkapriolen oder Klimaänderung?» hatte das OK-Team Thomas Bucheli, Leiter von SRFMeteo, eingeladen.

Wetterextreme werfen Fragen auf
Thomas Bucheli betonte, dass Unwetter im Prinzip ein «normaler» Teil unseres Klimas sind. Das Klima weise Mittel- und Andauerwerte, sowie Häufigkeit und Extreme auf. Regenwetter im Frühling ist bei uns durchaus normal. Nicht normal sei jedoch, dass die nassen Wetterlagen sowohl im Einzelnen als auch gesamthaft gesehen derart lange bei uns verharren. Seit Ende Mai 2016 haben sie sich sogar ohne Unterbruch aneinandergereiht. Es stelle sich berechtigt die Frage, weshalb diese nassen Wetterlagen so lange andauern. Eine These dazu laute: Wegen der Klimaerwärmung werden die Temperaturunterschiede zwischen Nordpol und mittleren Breiten aufgeweicht. Der Jetstream wird schwächer und schlägt dafür stärker nach Norden und Süden aus. «Das wiederum bewirkt, dass sich das ganze Gebilde langsamer bewegt und gewisse Wetterlagen länger konstant bleiben. Forscher versuchen natürlich herauszufinden, ob eine Tendenz zu so blockierenden Lagen besteht», schilderte Thomas Bucheli. Er räumte ein, dass sich zwar vieles im Bereich von Spekulationen bewege, aber Fakt sei, dass sich das Klima wahrnehmbar verändere. Auch zur Römerzeit habe es nachweislich sehr trockene Phasen gegeben. Dadurch wurde in England sogar Weinbau möglich. Dieser Wein habe vermutlich nicht besonders gut gemundet, das Beispiel aus der Geschichte zeige aber, dass uns Wetterextreme nicht nur heute beschäftigen.

Proaktiv handeln
Von zentraler Bedeutung ist die Situation am Golfstrom. Kritisch könne es werden, wenn man die Kausalität zur Abschwächung des Golfstroms betrachte. Dies könnte Einfluss auf andere Systeme haben, aber vieles liege im Bereich des Spekulativen, betonte Thomas Bucheli. Er bezeichnete die Landwirte als besonders gute Kunden von SRF Meteo. Deshalb distanziere er sich auch davon, konkrete Empfehlungen abzugeben, welche Kulturen künftig angepflanzt werden können. Dies wäre «Wasser in den Rhein getragen». Aber er appellierte an die Landwirte, sie sollten unbedingt versuchen, proaktiv zu handeln um innovativ der Zukunft zu begegnen. Als konkretes Beispiel, wie seine Empfehlung zu verstehen sei, bezeichnete er die seiner Meinung nach besonders weitsichtige Handlungsweise der Politischen Gemeinde Hohentannen. In Hohentannen sind viele Photovoltaik- und thermische -Anlagen auf den Dächern installiert. Jedes achte Haus in dieser Gemeinde hat eine eigene Stromanlage. Der HolzPower Wärmeverbund GmbH versorgt jedes zweite Haus im Dorf und 75 % der Einwohner heizen mit einheimischem Holz. Deshalb hat die Gemeinde, wie Christof Rösch eingangs in der Begrüssung schilderte, bereits drei Energiepreise, darunter den Thurgauer Energiepreis, erhalten. Im Anschluss an das Impulsreferat folgten draussen im Feld an verschiedenen Posten mehrere Referate.

Anpassungsstrategien
Andreas Lüscher von Agroscope thematisierte die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels im Futterbau (siehe Fachartikel von Daniel Nyfeler, BBZ Arenenberg.) Toni Meier von AgroCO2ncept Flaachtal, und Aurelia Nyfeler-Brunner, Bodensee-Stiftung Radolfzell, behandelten den Klimaschutz in der Landwirtschaft. Sie schilderten, dass die Umsetzung von Massnahmen betriebsspezifisch erfolgen müsse. Für die Einsparung von CO2 und anderen Emissionen komme ein breites Spektrum in Frage. Als ein Beispiel nannte Aurelia Nyfeler eine möglichst hohe Lebensdauer der Kühe als einen Faktor. Toni Meier betonte die Notwendigkeit der Reduktion von Treibhausgasen, dazu würden sich in allen Betriebsbereichen Möglichkeiten bieten. Mit einem kurzen Energie- und Klimacheck (www.energie-klimacheck.ch) oder einer einzelbetrieblichen Bilanzierung (zum Beispiel mit ACCT der Bodensee-Stiftung) lassen sich die Betriebszweige mit dem grössten Einsparpotenzial eruieren. Am Posten B gaben Daniel Suter von Agroscope und Ueli Küng, Landwirt aus Etzwilen, Empfehlungen zu Anpassungsstrategien im Kunstund Naturfutteranbau. Daniel Suter zeigte auf, wie es möglich ist, sich mitttels der Mischungswahl abzusichern. Dabei sollte ein «Klumpenrisiko» vermieden und auch robustere Mischungen eingeplant werden. Als Beispiel nannte er die Standardmischungen 300, 301 und 310: Diese Mattenklee-Gras-Mischungen liefern trotz weniger Schnitte und ohne Stickstoffdüngung rund 10 % höhere Erträge als Gras-Weissklee- Mischungen.

Bewässerung kann eine Option sein
In Gebieten, die ab und zu unter Trockenheit leiden, sollte ein Teil der Kunstwiesenfläche mit solchen Mischungen angesät werden. In niederschlagsarmen Gebieten und auf durchlässigen und leicht austrocknenden Böden liefern Luzerne-Gras-Mischungen (SM 320, 323, 325) auch während Trockenperioden viel sehr leguminosenreiches Futter. Ueli Küng sagte, für eine gute Strategie empfehle sich eine Kombination von Massnahmen. So sei es gut, mehr Reserveflächen zu berücksichtigen und in guten Futterbaujahren Vorräte zu konservieren. Er räumte ein, dass eine Bewässerung nicht für alle Betriebe möglich wäre, diese jedoch für Futterflächen eine Variante sei. Zuvor müsse eine transparente Kostenrechnung vorgenommen werden, um zu prüfen, ob nicht letztlich der Zukauf von Futter die effizientere Massnahme sei. Auf seinem Milchwirtschaftsbetrieb produziert er jedes Jahr ausreichende Mengen an Dürrfutter, welches nach 11⁄2 Jahren der Lagerung verfüttert wird. In seiner Region, in der viel Mais angebaut werde, empfehle es sich Reserven zu haben, wie das Trockenjahr 2003 zeigte. Die Lagerhaltung im Silo bezeichnete Ueli Küng als anspruchsvoll, unter anderem, weil Kapital gebunden ist und im Laufe der Zeit Qualitäts- und Mengenverluste erfolgen.

Entscheidungskriterien für Zukauf
Sarah Alder vom Landwirtschaftlichen Zentrum SG und Thomas Butz, Landwirt aus Niederuzwil, stellten fest, dass mit dem gezielten Wechsel von Weiden und Mähen die Bestände gesteuert werden können. Thomas Butz hat Naturfutteranbau mit Dauerweide, und seine Kühe bringt er bereits im März, bei trockenen Böden, auf die Weide. Dies fördere die Robustheit der Futterflächen. Am Posten C schilderte Niklaus Schnetzer, wie er mit einem hohen Tierbestand die RAUS-Vorschriften erfüllt. Durch das Konzept des saisonalen Abkalbens und der Möglichkeit, seit zwei Jahren eine Kurzrasenweide des Nachbars zu nutzen, werde seine Arbeit wesentlich erleichtert. Ueli Wyss von Agroscope richtete das Augenmerk auf die Silagebereitung, bei der Verschmutzungen verhindert werden müssen, um Qualität und Nährwert nicht ungünstig zu beeinflussen. Wie wichtig es sei, die Heubelüftungsanlage nicht zu überladen und der Gärung vorzubeugen, habe der Brand in einer Scheune gestapelter Heuballen Ende Juli 2016 in der Ostschweiz wieder einmal gezeigt. Christian Baumgartner vom BBZ Arenenberg thematisierte Entscheidungskriterien wie Preiswürdigkeit, notwendige Energiedichte der Ration, Bedarf an Futterstruktur, Abbaubarkeit im Pansen, die es beim Zukauf von Grund- und Ergänzungsfutter zu beachten gilt.

Anbautechnik erhält Schlüsselfunktion
Vermehrt bekommen ökologische und ethische Aspekte des Futters (Importe) einen hohen Stellenwert. Junglandwirt Josias Meili von der Betriebsgemeinschaft (BG) Meili-Müller-Forrer schilderte, dass die BG mit Einzelkomponenten gute Erfahrungen machte; dies sowohl bei den Kosten, der Transparenz bei den Futtermitteln, und nicht zuletzt bei den Milchleistungen und hoher Tiergesundheit. Am letzten Posten informierten Martina Aeschbacher vom Landwirtschaftlichen Zentrum SG und Pascale Sperling von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften über den Anbau von Energie- und Proteinergänzungsfutter auf dem Betrieb von morgen. Sie stellten fest, dass beim Energiefutter Mais die Ertragssicherheit abnimmt, da Wetterextreme auch dem Mais Probleme bereiten. Die Konsequenzen für den Landwirt: Die Sortenwahl wird immer wichtiger, die Anbautechnik im Mais erhält eine Schlüsselfunktion. Und es stelle sich die Frage, ob Bewässerung nötig ist, um Erträge stabil zu halten. In einer Masterstudie am LZSG wurde geprüft, ob Sorghum als alternatives Energiefutter in Betracht kommt. Gute Perspektiven werden den Futterleguminosen eingeräumt: Luzerne beispielsweise erträgt Trockenheit am besten, sie wurzelt vier Meter tief, reagiert jedoch auf Staunässe empfindlich und zeigt bei optimalen Bedingungen höchste TS- und RP-Erträge.
Der nasse Sommer 2014, das sehr trockene 2015 und der niederschlagsreichste Frühling und Hochsommer 2016 haben viele Landwirte vor grosse Herausforderungen gestellt. Deshalb stiess diese AGFF-Tagung auf so rege Beteiligung, da solche Wetterextreme auch Fragen aufwerfen, wie es gelingt, sich bestmöglich auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten. Die Informationen, so war an den Posten spürbar, brachten etwas mehr Klarheit, um einige praktikable und zweckmässige Massnahmen zu entwickeln und gegenüber dem (Klima-) Wandel im Futterbau besser gewappnet zu sein.


Isabelle Schwander




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