Ausgabe Nummer 24 (2006)
Arenenberg belebt – Freude herrscht!
Ganz persönlich – mit einem Handschlag am Zelteingang – begrüsste Otto Balsiger, Direktor des landwirtschaftlichen Bildungszentrums Arenenberg, rund 500 Gäste zum feierlichen Festakt, der die dreitägige Jubiläumsveranstaltung am Arenenberg eröffnete.
Strahlender Sonnenschein liess das Quecksilber in der Festhütte gewaltig ansteigen, sodass auch mancher hochkarätige Gast sich bald schon seines Jackets entledigte und für einmal nicht eine hitzige Diskussion der Grund für rote Köpfe war. Für willkommene Abkühlung sorgten die Getränke der beiden grossen Thurgauer Mostereiunternehmen. Otto Balsiger, seit 25 Jahren Direktor des LBBZ Arenenberg und erst der vierte Direktor insgesamt, erklärte mit Stolz, wie die Bedingungen im damaligen Schenkungsvertrag mit Kaiserin Eugénie sinnvoll umgesetzt wurden und heute eine zeitgemässe Bildungseinrichtung mit dem Schloss als Napoleonmuseum seinen hundertjährigen Geburtstag feiern darf. Für musikalische Intermezzi sorgte das Dani-Felber-Quintett. Zwei Auftritte des See-Burgtheaterensembles Kreuzlingen, das mit viel Witz und Ironie einige Gesangsstücke aus dem aktuellen Stück «Sprungbrett zur Macht» vortrug, liessen kurzzeitig Operettenstimmung in der Festhütte aufkommen.
Auf Schusters Sohlen
Einen Blick zurück warf Regierungsrats-präsident Kaspar Schläpfer in seiner Ansprache und mutmasste, welche Umstände die damals 80-jährige und in England lebende Kaiserin Eugénie zur Schenkung des Schlossgutes Arenenberg samt Umland an den Kanton bewogen haben. Die damalige Kantonsregierung sah im Stand-ort überwiegend Vorteile, einzig Schüler aus dem weit entfernten Fischingen hätten einen sechsstündigen Fussmarsch auf sich nehmen müssen. Auch Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, nahm das Thema Schulweg in seine Grussbotschaft auf. Eine Aussage aus dem Grossen Rat von 1906, dass nämlich den jungen Landwirten durchaus zwei Stunden zu Fusse zugemutet werden dürfe, würde umgemünzt auf heutige verkehrtechnische Möglichkeiten bedeuten, dass sich das Einzuggebiet des LBBZ Arenenberg bis weit nach Süddeutschland und Ostösterreich erstrecken könnte. Etwas ernster gemeint sagte Bötsch: «Die Einrichtung Arenenberg ist seit hundert Jahren erfolgreich im Bildungsmarkt aktiv, auch weil sie immer den agrarpolitischen Puls gefühlt hat.»
Napoleon III. oder Ogi?
Peter Forster, Gemeindammann von Salenstein, lobte die Pioniertaten der landwirtschaftlichen Schule, wie die Einführung der Jahresschule oder der dreijährigen Lehre. Er erheiterte das Publikum mit einigen Anekdoten aus dem Leben des Salensteiner Ehrenbürgers Napoleon III. So soll dieser einmal auf dem Weg nach Gottlieben zu schnell geritten sein und wurde dafür gebüsst. Napoleon zahlte gar den doppelten Betrag mit der Bemerkung, dass es dann gleich auch für den Rückweg reiche. Gemäss Forsters Nachforschung soll Napoleon III. einst bei seiner Rückkehr an den Arenenberg vor versammeltem Publikum gesagt haben: «Freude herrscht», eine Aussage, die heute vor allem mit Alt-Bundesrat Ogi in Verbindung gebracht wird. «Wenn es bei allen stimmt, die behaupten, vom Prinzen Napoleon abzustammen, dann müsste er ein ungewöhnlicher Charmeur und ganz potenter Liebhaber gewesen sein», stichelte Forster.
Mit Herz und Pflug
Besonders von der Schönheit des Ortes, welche die meisten Besucher verzauberte, schwärmte Jacques Pecheur, französischer Kulturattaché in Zürich. Therese Huber, Präsidentin der über 4000 Thurgauer Landfrauen, lobte die Ausbildung der Bäuerinnen und das reichhaltige Kursangebot. Gerne erinnere sie sich zurück an ihre eigene Zeit an der Bäuerinnenschule, während der sie auch ihren Ehemann aus einer grossen Auswahl von Landwirtschaftsschülern «geangelt» habe. «Bildung ist heute immer stärker dem Markt ausgesetzt», erklärte Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes, «die Schüler drücken dort die Schulbank, wo eine moderne und zukunftsgerichtete Bildung zu finden ist.» Dass sich der Arenenberg hier gut positioniert habe, sehe man an der überdurchschnittlichen Zunahme der Schülerzahl. Karin Henauer, Präsidentin des Vereins ehemaliger Haushaltungsschülerinnen, betonte, mit einem roten Plüschherz in der Hand, ihre tiefe Verbundenheit zum Arenenberg: «Nach der Ausbildung verlassen lauter gut geschulte Multitalente diese Schule.» Fritz Waldspurger, Präsident des Vereins ehemaliger Landwirtschaftsschüler, wollte sich als Schlussredner ganz kurz fassen, weil schon alles gesagt sei, was er sagen wollte. Stattdessen kommentierte er die Enthüllung eines Geschenkes der ehemaligen Arenenberger Landwirtschaftsschüler an den Arenenberg, eines alten Pferdepflugs auf erdfarbenem Sockel, der spektakulär per Teleskoplader in die Festhütte eingefahren wurde.
Andreas Rohner
Strahlender Sonnenschein liess das Quecksilber in der Festhütte gewaltig ansteigen, sodass auch mancher hochkarätige Gast sich bald schon seines Jackets entledigte und für einmal nicht eine hitzige Diskussion der Grund für rote Köpfe war. Für willkommene Abkühlung sorgten die Getränke der beiden grossen Thurgauer Mostereiunternehmen. Otto Balsiger, seit 25 Jahren Direktor des LBBZ Arenenberg und erst der vierte Direktor insgesamt, erklärte mit Stolz, wie die Bedingungen im damaligen Schenkungsvertrag mit Kaiserin Eugénie sinnvoll umgesetzt wurden und heute eine zeitgemässe Bildungseinrichtung mit dem Schloss als Napoleonmuseum seinen hundertjährigen Geburtstag feiern darf. Für musikalische Intermezzi sorgte das Dani-Felber-Quintett. Zwei Auftritte des See-Burgtheaterensembles Kreuzlingen, das mit viel Witz und Ironie einige Gesangsstücke aus dem aktuellen Stück «Sprungbrett zur Macht» vortrug, liessen kurzzeitig Operettenstimmung in der Festhütte aufkommen.
Auf Schusters Sohlen
Einen Blick zurück warf Regierungsrats-präsident Kaspar Schläpfer in seiner Ansprache und mutmasste, welche Umstände die damals 80-jährige und in England lebende Kaiserin Eugénie zur Schenkung des Schlossgutes Arenenberg samt Umland an den Kanton bewogen haben. Die damalige Kantonsregierung sah im Stand-ort überwiegend Vorteile, einzig Schüler aus dem weit entfernten Fischingen hätten einen sechsstündigen Fussmarsch auf sich nehmen müssen. Auch Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, nahm das Thema Schulweg in seine Grussbotschaft auf. Eine Aussage aus dem Grossen Rat von 1906, dass nämlich den jungen Landwirten durchaus zwei Stunden zu Fusse zugemutet werden dürfe, würde umgemünzt auf heutige verkehrtechnische Möglichkeiten bedeuten, dass sich das Einzuggebiet des LBBZ Arenenberg bis weit nach Süddeutschland und Ostösterreich erstrecken könnte. Etwas ernster gemeint sagte Bötsch: «Die Einrichtung Arenenberg ist seit hundert Jahren erfolgreich im Bildungsmarkt aktiv, auch weil sie immer den agrarpolitischen Puls gefühlt hat.»
Napoleon III. oder Ogi?
Peter Forster, Gemeindammann von Salenstein, lobte die Pioniertaten der landwirtschaftlichen Schule, wie die Einführung der Jahresschule oder der dreijährigen Lehre. Er erheiterte das Publikum mit einigen Anekdoten aus dem Leben des Salensteiner Ehrenbürgers Napoleon III. So soll dieser einmal auf dem Weg nach Gottlieben zu schnell geritten sein und wurde dafür gebüsst. Napoleon zahlte gar den doppelten Betrag mit der Bemerkung, dass es dann gleich auch für den Rückweg reiche. Gemäss Forsters Nachforschung soll Napoleon III. einst bei seiner Rückkehr an den Arenenberg vor versammeltem Publikum gesagt haben: «Freude herrscht», eine Aussage, die heute vor allem mit Alt-Bundesrat Ogi in Verbindung gebracht wird. «Wenn es bei allen stimmt, die behaupten, vom Prinzen Napoleon abzustammen, dann müsste er ein ungewöhnlicher Charmeur und ganz potenter Liebhaber gewesen sein», stichelte Forster.
Mit Herz und Pflug
Besonders von der Schönheit des Ortes, welche die meisten Besucher verzauberte, schwärmte Jacques Pecheur, französischer Kulturattaché in Zürich. Therese Huber, Präsidentin der über 4000 Thurgauer Landfrauen, lobte die Ausbildung der Bäuerinnen und das reichhaltige Kursangebot. Gerne erinnere sie sich zurück an ihre eigene Zeit an der Bäuerinnenschule, während der sie auch ihren Ehemann aus einer grossen Auswahl von Landwirtschaftsschülern «geangelt» habe. «Bildung ist heute immer stärker dem Markt ausgesetzt», erklärte Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes, «die Schüler drücken dort die Schulbank, wo eine moderne und zukunftsgerichtete Bildung zu finden ist.» Dass sich der Arenenberg hier gut positioniert habe, sehe man an der überdurchschnittlichen Zunahme der Schülerzahl. Karin Henauer, Präsidentin des Vereins ehemaliger Haushaltungsschülerinnen, betonte, mit einem roten Plüschherz in der Hand, ihre tiefe Verbundenheit zum Arenenberg: «Nach der Ausbildung verlassen lauter gut geschulte Multitalente diese Schule.» Fritz Waldspurger, Präsident des Vereins ehemaliger Landwirtschaftsschüler, wollte sich als Schlussredner ganz kurz fassen, weil schon alles gesagt sei, was er sagen wollte. Stattdessen kommentierte er die Enthüllung eines Geschenkes der ehemaligen Arenenberger Landwirtschaftsschüler an den Arenenberg, eines alten Pferdepflugs auf erdfarbenem Sockel, der spektakulär per Teleskoplader in die Festhütte eingefahren wurde.
Andreas Rohner

