Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Attraktive Kohlspezialitäten für Marktfahrer und Direktvermarkter

Ausgabe Nummer 34 (2014)

Direktvermarktung

Der Kohlanbau ist anspruchsvoll und gelingt in Hausgärten meist nicht optimal: Dies eröffnet Nischen und bietet Produzenten beste Chancen für den Absatz von Kohlspezialitäten an Marktstand und Hofladen.

Mitte August luden die Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau/Schaffhausen und die Fachstelle für Gemüse- und Beerenbau Thurgau/Schaffhausen, BBZ Arenenberg, Marktfahrer und Direktvermarkter zum Themenabend Kohlanbau ein. Dieser gut besuchte, praxisnahe Austausch fand auf dem gastgebenden Gemüsebetrieb von Rainer Schächtle im Tägermoos statt. Jimmy Mariéthoz, Leiter der Fachstelle Gemüse- und Beerenbau, thematisierte eingangs die Marktsituation für Kohlgemüse. Er stellte unter anderem fest, dass vor allem Kohlrabi am Markt gesucht ist. Er appellierte an die Produzenten, dass sie ihre Produktionsvolumen lückenlos melden, damit man auf Importmengen Einfluss nehmen kann. Zum Auftakt des Anlasses führte Rainer Schächtle die Besucher durch seinen Betrieb, der in der Region vor allem durch die Direktvermarktung im Hofladen bekannt ist.

Auf sortenspezifische Eigenheiten hinweisen
Rainer Schächtle schilderte, dass er insbesondere mit alten Gemüsesorten, die durch attraktive Farben, besondere Formen, einem typischen Geschmack und nicht zuletzt auch emotionale Werte punkten, guten Anklang bei den Konsumenten findet. Er produziert nicht für ein Label und den Grosshandel, sodass er es sich erlauben könne, nicht auf Menge ausgerichtet zu sein und mit Spezialitäten in der Direktvermarktung existenzsichernde Erlöse generieren könne. Margareta Scheidiger, Beraterin Gemüsebau am BBZ Arenenberg, führte die Besucher durch ihren «Schaugarten» mit diversen Kohlspezialitäten, den sie auf dem Betrieb Schächtle im Frühjahr unter «Ex-tenso-Bedingungen» anlegte. Bei der Führung durch den «Schaugarten» erhielten die Marktfahrer und Direktvermarkter Impulse für den Anbau von Sorten, die als «Trouvaillen» bezeichnet werden dürfen. Als ein Beispiel dafür präsentierte Margareta Scheidiger den violett-roten Rosenkohl «Falstaff». Die Kultur entwickelt sich wie grüner Rosenkohl, ist aber weniger kompakt im Wuchs. Die rote Farbe baut «Falstaff» erst richtig mit kühlen Temperaturen und dem ersten Frost auf. Es empfehle sich, die Kunden darauf hinzuweisen, dass der rote Rosenkohl separat gekocht werden muss, damit er seine Farbe behält.

Optische und kulinarische Entdeckungen
Die asiatische beeinflusst längst die Schweizer Küche stark, und so entstehen Chancen für den Anbau von dafür geeigneten Spezialitäten wie zum Beispiel den Schotenrettich (Luftradies), der als Dipp-/Apéro-Gemüse angeboten werden kann, das auch gedünstet schmeckt. Ein Blickfang ist der dekorative italienische Palmkohl «Nero di Toscana» mit seinen palmenartigen Blättern und bis 80 cm hohem Wuchs. Erst die richtig kühlen Temperaturen, wenn sie über längere Zeit einwirken (nicht unbedingt der Frost), machen diesen Grünkohl mild und süss. Als besondere Attraktion, mit einer Verfügbarkeit von Herbst- bis Spätherbst, eignet sich für Markt und Hofladen der Daikon- Rettich «Watermelon». Dieser dekorative, kugelrunde Rettich mit rotem Fleisch ist aromatisch und mild. Allerdings reagiert die Pflanze empfindlich auf Tageslänge und Hitzestress. Als empfehlenswert, da vielseitig verwendbar (sowohl als Salat wie auch für mildes Sauerkraut), gilt auch der Weisskohl «Filderkraut ». Eine besondere Augenweide stellt der Federkohl dar. Meistens wurde der Federkohl, der einen sehr hohen Vitamin-C-Gehalt aufweist, als währschaftes Gericht (beispielsweise mit Geräuchertem und Wurst) serviert. Doch der grüne und der magentafarbene Federkohl können mehr. Fein geschnitten als Salat oder in asiatischen Wokgerichten stellen seine krausen Blätter für die Konsumenten eine optische wie kulinarische Entdeckung dar.










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