Ausgabe Nummer 5 (2007)

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Auf den Spuren von Pfarrer Sebastian Kneipp

Vielleicht kennen Sie den berühmten Pfarrer, Naturarzt oder Wasserdoktor aus Büchern, haben schon einige Anwendungen ausprobiert, indem Sie barfuss über taunasse Wiesen spaziert sind oder Arme und Beine im kalten Brunnen abgekühlt haben.

Sebastian Kneipp wurde 1821 in Stephansried, Oberallgäu, als Sohn einer armen Webersfamilie geboren. Der Dorfpfarrer verhalf dem intelligenten Knaben zum Eintritt ins Gymnasium. 1848 begann Sebastian Kneipp das Theologiestudium in Dillingen und München. Schon bald erkrankte Kneipp an einer schweren Lungentuberkulose. Aussichtslos auf eine Genesung stiess Sebastian Kneipp auf ein Büchlein «Unterricht von der wunderbaren Heilkraft des frischen Wassers» von Dr. Johann Siegmund Hahn und erprobte es. Einmal lief er drei Viertelstunden an die Donau, zog sich aus, stürzte sich für ein paar Sekunden in die kalten Fluten. Da er kein Handtuch dabei hatte, zog er sich ohne abzutrocknen an und eilte schweissgebadet in seine Wohnung zurück. Es tat ihm gut, und er machte dies drei Mal die Woche, bis er vollständig geheilt war. 1852 wurde er in Augsburg zum Priester geweiht.
1855 wurde er Beichtvater der Dominikanerinnen in Wörishofen und 1881 als Pfarrer gewählt. Hier genügte er sich nicht mit der geringen Seelsorgearbeit im Kloster und griff bald in den Landwirtschaftsbetrieb des Klosters ein und führte Verbesserungen durch. Seine Hauptsorge galt aber den Waisenkindern und den armen Leuten. Es sprach sich herum, dass der Beichtvater nicht nur etwas von Seelsorge und Landwirtschaft verstand, sondern dass er auch Kranke erfolgreich behandelte. Es ging nicht lange, strömten Leute aus aller Welt zu ihm, um Heilung zu finden. Kneipp veröffentlichte ein erstes Buch «Meine Wasserkur», errichtete ein Badehaus, ein Kinderasyl, ein Priesterkurhaus und eine Kurklinik. Unterstützt wurde Sebastian Kneipp von der Mithilfe der Schwestern des Dominikanerinnenklosters.
1897 starb Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen.
Als Priester war sich Sebastian Kneipp sehr bewusst, dass zur Erlangung und Erhaltung des allgemeinen Wohlbefindens die seelischen und geistigen Kräfte eine grosse Rolle spielen. Es ist nicht immer leicht, den Sinn und das Ziel des Lebens zu suchen und zu finden, aber in Kneipps Augen muss dieses Streben für jeden unabhängige Lebensaufgabe sein, ohne die keine bleibende Gesundheit erreicht werden kann. Kneipp besass ein sicheres Gespür für verschiedene Krankheitsursachen, die man heute als seelische Konflikte, vegetative Dystonien und psychosomatische Hintergründe bezeichnet. Insofern ist Kneipps Lehre heute aktueller denn je. Gerade als Landbevölkerung und Erzeuger von Lebensmitteln könnten die fünf Prinzipien, auf die die Lehre von Kneipp basiert, gut umgesetzt werden.

Wasser, Bewegung, Pflanzen, Ernährung und Ordnung
Im Wasser liegt Heil. Es ist das natürlichste, einfachste und richtig angewandt das sicherste Heilmittel.
Bewegung in der freien Natur als Sport oder bei der Arbeit.
Pflanzen und Kräuter wachsen in unseren Gärten und Wiesen.
Für die optimale Ernährung finden wir sogar hofeigene Lebensmittel. Ein Ausspruch von Kneipp: Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche ? nicht durch die Apotheke.
Für die Ordnung, damit meint er das innere Gleichgewicht, ist jeder selber zuständig.
Ich hatte die Möglichkeit, mit meinem Mann ein paar Tage in Bad Wörishofen im Hotel des Klosters zu verbringen. Das Kloster steht mitten im Städtchen und wird zur Hälfte von zirka 30 Dominikanerinnen bewohnt. Der andere Teil ist seit einem Jahr ein Hotelbetrieb mit feinster, gesunder Küche, Kur- und Wellnessangeboten. Die Klosterfrauen sind im Hotel für die fachgerechten Kneippanwendungen zuständig und beliefern die Küche mit Kräutern aus dem eigenen Klostergarten. Es war sehr spannend, den Spuren von Sebastian Kneipp zu folgen. Hotels, Kurkliniken, Kräutergärten, viel Sehenswertes und Interessantes prägen diesen Ort.
Vielleicht habe ich Ihr Interesse geweckt, leicht anwendbare Heil- und Wohlfühlmethoden näher kennenzulernen und etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Sie werden feststellen, wie viele Wellnessangebote zu Hause möglich sind. Informieren Sie sich genauer über Bücher, örtliche Kneippvereine und Internetseiten.
Wie wäre es, sich heute Abend die Strümpfe auszuziehen und im frischen Neuschnee kurz herumzustampfen (Vorausetzung sind warme Füsse und ein warmer Kürper) und ohne Abtrocknen in warme Wollsocken zu schlüpfen?
Ein tiefer gesunder Schlaf wird das Resultat sein!

Agnes Greminger


Statue von Sebastian Kneipp in Bad
Wörishofen. (zVg)
Statue von Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen. (zVg)