Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Auf der Suche nach resistenten Kartoffelsorten

Ausgabe Nummer 31 (2015)

Am 21. Juli 2015 fand eine vom FiBL und Agroscope in Zusammenarbeit mit Rathgeb Bio und dem Strickhof organisierte Besichtigung der Biokartoffel-Sortenversuche bei Rathgeb Bio in Unterstammheim statt.

Hansueli Dierauer, Departement Bildung, Beratung und Kommunikation (Ackerbau und Betriebsplanungen) vom FiBL informierte über den Ablauf der Sortenprüfung im Biolandbau. In den nächsten Jahren sollen die Anstrengungen im Hinblick auf einen kupferfreien Anbau im biologischen Landbau mit einem Vorversuch mit zirka 40 Sorten verstärkt werden. Die besten vier Sorten kommen in ein Netz aus sechs Praxisversuchen, wo die Kartoffeln bereits grossflächig angebaut werden. Ziel eines Projekts ist es, möglichst bald ein Sortiment an Sorten zur Verfügung zu haben, das den Ansprüchen des Biolandbaus gerecht wird. Geeignete Sorten sollen den Produzenten, den Abpack- und Lagerbetrieben sowie den Vermarktern bekannt gemacht werden. Der Wissensaustausch zu neuen Sorten zwischen den verschiedenen Partnern der Biokartoffel-Branche soll gefördert werden (Plattform Biokartoffeln). In der ersten Phase werden nur festkochende Sorten geprüft, da in diesem Segment der Bedarf am grössten ist. Die Vermarktung der Prüfsorten erfolgt über den Grossverteiler Coop, der Coop-Fonds für Nachhaltigkeit unterstützt dieses Projekt.

Nicht nur auf eine Sorte setzen
Daniel Hangartner, Leiter Anbau Freiland bei Rathgeb Bio in Unterstammheim, erörterte das Sortenspektrum des Betriebs, welches zum grössten Teil aus festkochenden Sorten wie zum Beispiel «Charlotte » besteht. Im Verlaufe des Monats Juli 2015, mit langer Hitzeperiode, wurde auf der Parzelle mit dem Sortenversuch zwei Mal mit 35 mm bewässert, um die Referenz für die Auswirkung von trockenen Jahren auf neue Sorten zu erhalten.
Theodor Ballmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Agroscope, stellte die einzelnen Sorten im Vorversuchsfeld und deren allgemeine Sorteneigenschaften vor. Er betonte, dass es nicht die eine Sorte gibt, die an jedem Standort gleich gut und erfolgreich gedeiht. Sorten wie zum Beispiel «Antonia» (festkochend) erwiesen sich 2014 in Kartoffeldegustationen zur Beurteilung der Menüeignung als sehr geeignet.
Django Hegglin vom FiBL, verantwortlich für die Betreuung der Praxisversuche, informierte über die FiBL-Praxisversuche. Er betonte, dass bei der Auswahl neuer Kartoffelsorten die Phytophthora-Resistenz und der festkochende Typ oberste Priorität haben. Die zwei Sorten «Vitabella» und «Campina» wurden aus den Berichten über die Vorversuche von Agroscope der letzten Jahre aufgrund ihrer sehr guten Krautfäule-Resistenz ausgewählt.

Interessante Sorten «Vitabella» und «Campina»
Die zwei Sorten «Allians» und «Princess» hingegen wurden aufgrund ihrer grossen Bedeutung im Biolandbau im naheliegenden Ausland ausgewählt (Allians: Deutschland und Frankreich; Princess: Deutschland). Im Jahr 2014 wurden sechs Streifenversuche auf sechs verschiedenen Praxisbetrieben (in den Kantonen VD, SO, TG, BE und AG) durchgeführt. Die vier Versuchssorten Vitabella, Campina, Allians und Princess sowie die Vergleichssorte Charlotte wurden auf einer Fläche von je 20 Aren angebaut. Aus den Versuchen resultiert, dass die Sorten «Vitabella» und «Campina» für den Biolandbau sehr interessant sind und weiter verfolgt werden sollten. «Vitabella» fiel vor allem aufgrund ihrer Kraufäuleresistenz und dem guten Ertragspotenzial auf. Die Rhizoctoniaresistenz und die Knollenqualität können als mittelmässig bezeichnet werden. Die Sorte «Allians » wird nicht für den Biolandbau in der Schweiz empfohlen. «Allians» ist zwar sehr resistent gegen Krautfäule, ihre Rhizoctoniaanfälligkeit bedeutet aber ein zu hohes Anbaurisiko. «Princess» wies eine sehr schlechte Resistenz gegen Krautfäule und Rhizoctonia auf und zeigte einen starken Wiederaustrieb der Knollen im Boden und im Lager.


Isabelle Schwander













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