Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Aufgepasst bei Pferdeweiden

Ausgabe Nummer 11 (2017)

Die Pferdehaltung hat im Kanton Thurgau einen hohen Stellenwert. So wurden im Jahr 2016 rund 6000 Equiden gezählt. Für zahlreiche Landwirte stellt die Pferdehaltung eine bedeutende Einnahmequelle dar. Die korrekte Haltung der Vierbeiner stellt hohe Anforderungen an den Tierhalter. Ein aktuelles und bedeutsames Thema sind die Einzäunungen der Pferdeweiden.

Versicherung hilft nicht immer
Wer Pferde hält, haftet für die Schäden, welche diese anrichten. Von dieser Haftung wird der Tierhalter nur befreit, wenn er nachweisen kann, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung des Tieres angewendet hat oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt aufgetreten wäre (Art. 56 OR). Wenn es also auf einer Pferdeweide oder durch ausgebrochene Pferde zu einem Unfall kommt, übernimmt die Betriebshaftpflichtversicherung den Schaden nur, wenn der Tierhalter nachweisen kann, dass die Einzäunung seiner Weiden sorgfältig erstellt und gewartet wurde.

Empfehlungen beachten
Der Pferdehalter ist demnach einerseits für Schäden haftbar, welche ausbrechenden Pferde anrichten, falls die Weide nicht korrekt eingezäunt war. Andererseits muss er aber auch für Schäden haften, welche entstehen wenn jemand auf die Weide gelangt und dort zu Schaden kommt. Sofern die Person nicht auf eine drohende Gefahr aufmerksam gemacht wurde. Ein Fall aus der Vergangenheit zeigt diese Problematik auf: Ein Schwyzer Pferdehalter hatte seine Weide mit einem dünnen, elektrischen Band, auf einer Höhe von 124 cm über dem Boden, eingezäunt. Ein fünfjähriges Kind gelangte aufrecht unter dem Zaun hindurch auf die Weide und wurde dort durch den Huftritt eines Pferdes irreversibel am Kopf verletzt. Das Bundesgericht machte den Tierhalter nach Art. 56 OR wegen Missachtung von Sorgfaltspflichten für die Schäden des Kindes haftbar, weil der Zaun nicht den Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) entsprach. Die Empfehlungen und Merkblätter der BUL und anderer anerkannter Fachorganisationen wirken im Falle eines Rechtsstreites wie ein Gesetz. Die BUL orientiert sich bei ihren Empfehlungen unter anderem an den Angaben, welche die Zaunhersteller für ihre Produkte abgeben.

Warnschilder anbringen
Zu beachten ist, dass auch die Wartung, Funktionskontrolle und der Unterhalt des Zaunes wichtig sind und nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Verwendung von gut sichtbarem Zaunmaterial ist wichtig, weil ein reiner Stahldraht von den Equiden oft erst sehr spät gesehen wird. Knotengitterzäune eignen sich schlecht für Pferde, da sie mit den Hufen im Zaun hängen bleiben können. Die Tore müssen sicher schliessen und dürfen nicht von den Pferden geöffnet werden können. Das Anbringen von Tafeln, zum Beispiel mit der Aufschrift «Betreten der Weide verboten» erfüllt einen Warnzweck und macht vor allem in der Nähe von Wohngebieten, Spielplätzen oder Schulanlagen Sinn.

Schenken Sie der sicheren Einzäunung Ihrer Pferde genügend Aufmerksamkeit – es lohnt sich.


Fabienne Schälchli
BBZ Arenenberg










« zurück zur Übersicht