Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Aufhören kommt nicht in Frage

Ausgabe Nummer 49 (2014)

Das Projekt «Regionale Entwicklung Tannzapfenland » wurde von Bund und Kanton auf Eis gelegt. Nun haben sich die Mitglieder des Trägervereins einstimmig für das Weitermachen entschieden, auch wenn noch viele Steine im Weg stehen.

Es war kein sonniger Herbsttag mit Weitblick, als sich am vergangenen Donnerstag die Vereinsmitglieder des Trägervereins PRE Tannzapfenland in Dussnang trafen. Die feucht-nassen Nebelschwaden und die trübe Sicht symbolisierten geradezu die verworrene Situation beim Verein, der vor eineinhalb Jahren gegründet wurde, um die Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Produkte innerhalb der Region zu optimieren. Vor einem Jahr wurden bei Bund und Kanton drei Teilprojekte eingereicht. Im Fokus stand eine neue Käserei in der Au, eine strassenschonende Milchsammlung und eine nachhaltige, gemeinsame Vermarktung von einheimischen Käsesorten. Leider wurden diese Teilprojekte von Bund und Kanton nach Rücksprache mit dem PRE-Vorstand für zwei bis drei Jahre sistiert. Bei einer Aussprache zeigten sich Vertreter von Bund und Kanton von den Ideen zwar überzeugt, hingegen fehlte ihnen die Vernetzung zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe. Unterdessen baute Roger Hug, Käserei Gupfen, ein grosses Käsereifungslager, darum zweifelten die Behörden, ob in der gleichen Gemeinde zwei Käsereiprojekte, wenn auch auf unterschiedliche Weise, unterstützt werden können.

Nur noch ein Milchkäufer
Werner Ibig, Präsident PRE Tannzapfenland, orientierte vor drei Monaten die Vereinsmitglieder über die Situation. Der Vorstand wollte aber die Hände nicht in den Schoss legen und entschied sich, auch ohne PRE-Unterstützungsgelder die strassenschonende Milchsammlung nochmals genauer anzuschauen. Beim Gespräch mit vier grossen Milcheinkäufern zeigte es sich, dass in Zukunft nur noch ein Einziger die Milch einsammeln sollte, getrennt nach Silo- und silofreier Milch. Godi Siegfried, Landwirt, Gemeinderat und Präsident PMO Biedermann/ Züger, will eine Lösung ohne finanzielle Einbussen für die Landwirte. Deshalb ist auch er der Meinung, dass sich die Bauern auf einen einheitlichen Milchkäufer einigen müssen. Dieser muss sich verpflichten, die Milchsammlung mit einem entsprechenden Fahrzeug mit maximal 16 Tonnen durchzuführen. Das Ziel würde heissen, die Milchsammlung so zu organisieren, dass keine Massnahmen seitens der Gemeinde nötig würden, wie zum Beispiel Gewichtsbeschränkungen auf den Gemeindestrassen. Bislang hat die Gemeinde Fischingen Millionen für den Strassenbau und Strassenunterhalt ausgegeben. «Wenn wir es schaffen, freiwillig eine annehmbare Lösung zu finden, würde dies der Landwirtschaft Respekt und Achtung verschaffen», ist Siegfried überzeugt.

Keine PRE-Gelder im Käsereifungslager
Um den Gerüchten um das neue Käsereifungslager und über die Sistierung der drei eingereichten Teilprojekte Einhalt zu bieten, erklärte Roger Hug, dass er für seinen Neubau einen zinslosen Investitionskredit vom Bund erhalten habe, den er innert 15 Jahren zurückzahlen müsse. Den Grossteil seiner Kosten tilge er mit Privatvermögen und Hypotheken. «In mein Projekt sind absolut keine PRE-Gelder eingeflossen », sagte er deutlich. Für Ibig stellte sich nach dieser Gerüchtebereinigung nur noch eine Frage: «Wollen wir weitermachen mit dem Schwerpunkt Milchsammlung und Käsevermarktung, um den Verantwortlichen bei Bund und Kanton zu zeigen, dass wir dran bleiben, oder wollen wir abwarten und Tee trinken?» Bevor abgestimmt wurde, kam es zu einem emotionalen Votum von Franz Heinzer, Käser in der Au, zu seiner momentanen Situation mit dem Pilgerkäse. Als Antwort erklärte ihm Godi Siegfried: «Komm in unser Boot, Franz, wir sind offen für deine Ideen.» Einstimmig stellten sich die gut 20 Landwirte und Käser hinter den Vorstand und beschlossen, das Vorhaben weiter zu verfolgen.
Franz Bischof löst Agnes Böhi neu im Vorstand ab, Werner Ibig stellt sich entgegen seiner Ankündigung weiterhin als Präsident zu Verfügung.


Ruth Bossert










« zurück zur Übersicht