Ausgabe Nummer 9 (2007)
Aus dem Land der Reisfelder und Pfirsichbäume
Ushi heisst auf Japanisch Kuh,Koushi Kalb.Auf dem Hof von Elsbeth und Urs Schär in
Eggethof bei Langrickenbach werden diese Wörter oft gebraucht; die japanische Praktikantin
Mika Tanigawa hilft im Stall und im Haus.
In ihrer Heimat Japan studiert die fast 25- jährige Mika Tanigawa seit drei Jahren Landwirtschaft. Bei Elsbeth und Urs Schär lernt sie die praktische Seite des Bauerns kennen und erhält zudem einen Einblick in das Leben in der Schweiz. Mika wollte in die Schweiz, da diese wie Japan klein ist. Die Natur und die Berge faszinieren sie. Und in ihrer Heimat hat sie viel von Heidi gehört, in Japan eine Kultfigur.
Mika kommt aus einem kleinen Dorf im Westen von Japan. Die Landschaft ist flach, es wird viel Reis angepflanzt. Ihr Vater bewirtschaftet eine etwas mehr als eine Hektare grosse Pfirsichplantage. Bei Elsbeth Schär lernte sie Möglichkeiten kennen, die heruntergefallenen Früchte zu verwerten. Mika lernte selbst Konfitüre zu machen und Kuchen zu backen, für sie etwas Ungewöhnliches, denn in Japan machen die wenigsten Frauen selbst Konfitüre. Zurück zu Hause möchte sie das Erlernte mit Pfirsichen ausprobieren. Der Aufenthalt in der Schweiz inspiriert sie für viele weitere Pläne. So möchte sie in ihrer Heimat die Apfelsorte Gravensteiner, ihren Lieblingsapfel, anbauen. Das Schweizer Essen schmeckt Mika besonders gut. Sie schwärmt von Apfelstrudel mit Vanillesauce, Braten und Brot. Im Land der aufgehenden Sonne wird nur wenig Brot gegessen. Es ist süsslich und wird zur Nachspeise serviert. In Japan gibt es nur noch wenige Landwirte. Meist werden Reis,Früchte und Gemüse angebaut. Milch kommt in der traditionellen japanischen Küche nicht vor. Erst seit jüngerer Zeit gibt es Milchkühe in Japan. Das Hauptnahrungsmittel ist Reis, einige Familien essen drei Mal am Tag Reis.
Misten, füttern, melken
In ihrem ersten Monat in der Schweiz besuchte Mika mit neun anderen japanischen Praktikanten einen Intensivdeutschkurs in Zürich und wohnte auf einem Bauernhof in der Nähe. Während zwei Wochen war sie in einer Haushaltsschule, wo sie stricken, häkeln und kochen lernte. Mit der Schule machte sie Exkursionen auf verschiedene Landwirtschaftsbetriebe. In einem Skilager lernte sie Ski fahren.
Bei der Familie Schär hilft sie sowohl im Stall wie auch im Haushalt. Unter anderem lernte sie von Urs Schär melken, den Heukran bedienen und Traktor fahren. Während die Familie Schär in den Ferien war, schaute Mika alleine zu den dreissig Kühen. Auch mit den drei Kindern von Urs und Elsbeth Schär versteht sie sich gut. Andy lernt mit viel Freude japanische Schriftzeichen. Nina, die Älteste, ist im Rollstuhl. Sie liebt es besonders, wenn Mika ihr bei den täglichen Verrichtungen hilft. Von ihrer Heimat her ist Mika gewohnt, die anfallenden Arbeiten sehr genau zu machen. Sie musste lachen, als Urs Schär ihr sagte, sie solle im Stall nicht den Doktor machen.
Bleibende Kontakte
Über 25 Praktikanten haben schon auf dem Betrieb der Familie Schär mitgeholfen. Da Nina seit Geburt cerebralgelähmt ist, hat Elsbeth Schär mehr im Haus zu tun und ist froh, wenn sie jemand im Stall vertritt und im Haus mithilft. In einem Gästebuch sind die Praktikanten mit Foto und besonderen Erlebnissen verewigt. Mit einigen haben sie heute noch Kontakt. Mika ist bereits der zweite Praktikant aus Japan. Sie bleibt noch zwei Wochen in der Schweiz. Ende März wird ein neuer japanischer Praktikant ihren Platz einnehmen. Schärs schätzen an den Japanern, dass sie sich auch für Land und Leute interessieren. Mit Praktikanten aus dem Osten haben sie die Erfahrung gemacht, dass sie oft möglichst viel arbeiten und dabei möglichst wenig Geld ausgeben wollen. Manchmal war es schwierig sie zu Ausflügen mitzunehmen, da sie das Geld reute. Zudem sind auch männliche Japaner eher bereit, einmal im Haushalt zu arbeiten, während Männer aus dem Osten dazu kaum zu bewegen sind.
Abschied
An der Schweiz schätzt Mika den freien Sonntag, in Japan keine Selbstverständlichkeit. Die meisten Geschäfte sind sieben Tage in der Woche geöffnet. Am Sonntag trifft Mika andere japanische Praktikanten. Zusammen entdecken sie mit dem Velo oder der Bahn die Schweiz. Zwei Kolleginnen wohnen in Kradolf, einer in Kerzers. Zwei Wochen Reisen schliessen den Aufenthalt von Mika ab. Sie möchte nach Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich. Zurück in Japan wird sie ihrem Vater bei der Pfirsichernte helfen. Und danach möchte sie ein weiteres Praktikum in Neuseeland machen. Der Abschied wird beiden Seiten schwer fallen. Die Beziehung ist eng, Mika ist gut in die Familie integriert. Sie hilft jeden Tag bei der Arbeit, sitzt am Esstisch und kommt auf Ausflüge der Familie Schär mit. Vielleicht gibt es ein Wiedersehen in Japan; Elsbeth und Urs Schär träumen davon, eines Tages Mika in ihrer Heimat zu besuchen.
Ursina Hulmann
In ihrer Heimat Japan studiert die fast 25- jährige Mika Tanigawa seit drei Jahren Landwirtschaft. Bei Elsbeth und Urs Schär lernt sie die praktische Seite des Bauerns kennen und erhält zudem einen Einblick in das Leben in der Schweiz. Mika wollte in die Schweiz, da diese wie Japan klein ist. Die Natur und die Berge faszinieren sie. Und in ihrer Heimat hat sie viel von Heidi gehört, in Japan eine Kultfigur.
Mika kommt aus einem kleinen Dorf im Westen von Japan. Die Landschaft ist flach, es wird viel Reis angepflanzt. Ihr Vater bewirtschaftet eine etwas mehr als eine Hektare grosse Pfirsichplantage. Bei Elsbeth Schär lernte sie Möglichkeiten kennen, die heruntergefallenen Früchte zu verwerten. Mika lernte selbst Konfitüre zu machen und Kuchen zu backen, für sie etwas Ungewöhnliches, denn in Japan machen die wenigsten Frauen selbst Konfitüre. Zurück zu Hause möchte sie das Erlernte mit Pfirsichen ausprobieren. Der Aufenthalt in der Schweiz inspiriert sie für viele weitere Pläne. So möchte sie in ihrer Heimat die Apfelsorte Gravensteiner, ihren Lieblingsapfel, anbauen. Das Schweizer Essen schmeckt Mika besonders gut. Sie schwärmt von Apfelstrudel mit Vanillesauce, Braten und Brot. Im Land der aufgehenden Sonne wird nur wenig Brot gegessen. Es ist süsslich und wird zur Nachspeise serviert. In Japan gibt es nur noch wenige Landwirte. Meist werden Reis,Früchte und Gemüse angebaut. Milch kommt in der traditionellen japanischen Küche nicht vor. Erst seit jüngerer Zeit gibt es Milchkühe in Japan. Das Hauptnahrungsmittel ist Reis, einige Familien essen drei Mal am Tag Reis.
Misten, füttern, melken
In ihrem ersten Monat in der Schweiz besuchte Mika mit neun anderen japanischen Praktikanten einen Intensivdeutschkurs in Zürich und wohnte auf einem Bauernhof in der Nähe. Während zwei Wochen war sie in einer Haushaltsschule, wo sie stricken, häkeln und kochen lernte. Mit der Schule machte sie Exkursionen auf verschiedene Landwirtschaftsbetriebe. In einem Skilager lernte sie Ski fahren.
Bei der Familie Schär hilft sie sowohl im Stall wie auch im Haushalt. Unter anderem lernte sie von Urs Schär melken, den Heukran bedienen und Traktor fahren. Während die Familie Schär in den Ferien war, schaute Mika alleine zu den dreissig Kühen. Auch mit den drei Kindern von Urs und Elsbeth Schär versteht sie sich gut. Andy lernt mit viel Freude japanische Schriftzeichen. Nina, die Älteste, ist im Rollstuhl. Sie liebt es besonders, wenn Mika ihr bei den täglichen Verrichtungen hilft. Von ihrer Heimat her ist Mika gewohnt, die anfallenden Arbeiten sehr genau zu machen. Sie musste lachen, als Urs Schär ihr sagte, sie solle im Stall nicht den Doktor machen.
Bleibende Kontakte
Über 25 Praktikanten haben schon auf dem Betrieb der Familie Schär mitgeholfen. Da Nina seit Geburt cerebralgelähmt ist, hat Elsbeth Schär mehr im Haus zu tun und ist froh, wenn sie jemand im Stall vertritt und im Haus mithilft. In einem Gästebuch sind die Praktikanten mit Foto und besonderen Erlebnissen verewigt. Mit einigen haben sie heute noch Kontakt. Mika ist bereits der zweite Praktikant aus Japan. Sie bleibt noch zwei Wochen in der Schweiz. Ende März wird ein neuer japanischer Praktikant ihren Platz einnehmen. Schärs schätzen an den Japanern, dass sie sich auch für Land und Leute interessieren. Mit Praktikanten aus dem Osten haben sie die Erfahrung gemacht, dass sie oft möglichst viel arbeiten und dabei möglichst wenig Geld ausgeben wollen. Manchmal war es schwierig sie zu Ausflügen mitzunehmen, da sie das Geld reute. Zudem sind auch männliche Japaner eher bereit, einmal im Haushalt zu arbeiten, während Männer aus dem Osten dazu kaum zu bewegen sind.
Abschied
An der Schweiz schätzt Mika den freien Sonntag, in Japan keine Selbstverständlichkeit. Die meisten Geschäfte sind sieben Tage in der Woche geöffnet. Am Sonntag trifft Mika andere japanische Praktikanten. Zusammen entdecken sie mit dem Velo oder der Bahn die Schweiz. Zwei Kolleginnen wohnen in Kradolf, einer in Kerzers. Zwei Wochen Reisen schliessen den Aufenthalt von Mika ab. Sie möchte nach Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich. Zurück in Japan wird sie ihrem Vater bei der Pfirsichernte helfen. Und danach möchte sie ein weiteres Praktikum in Neuseeland machen. Der Abschied wird beiden Seiten schwer fallen. Die Beziehung ist eng, Mika ist gut in die Familie integriert. Sie hilft jeden Tag bei der Arbeit, sitzt am Esstisch und kommt auf Ausflüge der Familie Schär mit. Vielleicht gibt es ein Wiedersehen in Japan; Elsbeth und Urs Schär träumen davon, eines Tages Mika in ihrer Heimat zu besuchen.
Ursina Hulmann

