Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Aus der Forschung - für die Praxis

Ausgabe Nummer 24 (2015)

Eines der zentralen Themen am Flurabend zu Fenchel und Sellerie stellte die aktuelle Bewilligungssituation von Pflanzenschutzmitteln im Gemüsebau dar.

Jimmy Mariéthoz, Leiter der Fachstelle Gemüseund Beerenbau, BBZ Arenenberg, und Margareta Scheidiger, Beraterin Gemüsebau, BBZ Arenenberg, organisierten, gemeinsam mit der Gemüseproduzentenvereinigung TG/SH (Fachkommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft) für Anfang Juni einen Flurabend zu Fenchel und Sellerie. Dieser fand auf dem Bio-Betrieb von Dieter Schächtle in Tägerwilen statt. Hier werden auf 10 ha LN-Fläche, Rettich, Kohlrabi, Karotten, Stangensellerie für Bio-Rathgeb sowie Knollensellerie und Randen für die Saftproduktion (Biotta) angebaut. Dieter Schächtle meinte, dass die Produktion von Saftgemüse von der Erlösseite her interessant sein kann. Seine Hauptsorte beim Knollensellerie ist «Goliath», welche wenig anfällig für Septoria ist. Er beachte grosszügige Pflanzabstände, damit der Bestand nach Regen schnell wieder abtrocknen kann. Beim Stangensellerie ist «Tango» seine Hauptsorte. Diese gilt als anbausicher und widerstandsfähig gegen Schossen und Herzfäule. Insgesamt pflanzt Dieter Schächtle sechs Sätze zwischen Ende März bis Ende Mai. Der Betrieb Schächtle ist bezüglich Bewässerungsmöglichkeiten an einem privilegierten Standort, Wasser steht unbegrenzt zur Verfügung. Auf dem Biobetrieb sind viele Kulturarbeiten nötig, dabei wird der Betriebsleiter von vier ausländischen Angestellten unterstützt. Jürgen Krauss von Agroscope Wädenswil präsentierte den Besuchern einen Agroscope-Demoversuch bei Fenchel auf dem SGA-Betrieb von Rainer Schächtle, dem Nachbar von Dieter Schächtle.

Zusammenarbeit mit Arbeitskreis Lückenindikation
Jürgen Krauss thematisierte die Ersatzstrategie für den Herbizidwirkstoff Linuron. Die Ausgangssituation für Linuron ist, dass dessen Zulassung in der gesamten EU per 31. Juli 2016 ausläuft, ausser in Österreich, wo Linuron bis 2020 angewendet werden darf. Agroscope führt seit 2013 proaktiv Versuche durch, um bei einem Verlust in der Schweiz schnell handeln zu können. Insgesamt hat Agroscope, in Absprache mit dem Arbeitskreis Lückenindikation (D), zwischen 2013 und 2014 insgesamt 18 Versuche zum Afalon-Ersatz, darunter bei Fenchel und Sellerie, ausgeführt. Anlässlich des Gemüsebautages vom 2. September 2015 in Wädenswil können alle Versuche (und noch vieles mehr) besichtigt werden. Matthias Lutz, Phytopathologe, Agroscope Wädenswil, thematisierte spezifische Krankheiten bei Doldenblütlern, mit dem Schwerpunkt auf Fenchel und Sellerie. In den letzten Jahren häuften sich in der Schweiz Meldungen der Gemüseproduzenten über Pilzkrankheiten bei Knollenfenchel. Neben dem Falschen Mehltau treten öfter Infektionen durch Cercosporidium- Pilze auf. Im Rahmen einer Masterarbeit der ETH Zürich, in Zusammenarbeit mit Agroscope, wurden die Interaktionen von Falschem Mehltau und den Kulturen Fenchel und Petersilie untersucht. Als Erkenntnisse für die Praxis, so Matthias Lutz, sei davon auszugehen, dass die Erreger von Falschem Mehltau auf Fenchel meistens von Petersilienpflanzen stammen.

Neue Bewilligungen sind gefragt
Auf Saatgut von Basilikum, Nüsslisalat, Ruccola und Radies kann der Falsche Mehltau durch eine Desinfektion mit belüftetem Dampf eliminiert werden. Den Anbauern wird als Sicherheitsmassnahme empfohlen, die Kulturen von Petersilie und Fenchel räumlich und zeitlich so weit wie möglich zu trennen. Reto Neuweiler, Leiter Extension Gemüsebau, Agroscope Wädenswil, informierte über Aktuelles zur Bewilligungssituation im Gemüsebau. Seit 2010 werden bestehende Bewilligungen von diversen Stoffen der gezielten Überprüfung unterzogen, was auch im Gemüsebau zu Rückzügen diverser bestehender Bewilligungen führt. Fenchel und Stangensellerie sind von diesem Prozess besonders betroffen. Bei Stangensellerie als Kleinkultur besteht Hoffnung, dass für ein (in Belgien bereits zugelassenes) Präparat gegen Blattläuse als Ersatz von einer Schweizer Firma eine Bewilligungserweiterung für die Schweiz beantragt werden kann. Dies ohne dass aufwendige und teure Studien durchgeführt werden müssen. Neue Bewilligungen sind gefragt: Gegen Spinnmilben ist seit 2014 aus dem Lückenindikations- Projekt neu ein Präparat mit dem Wirkstoff Fenpyroximat bei Knollensellerie bewilligt. Bei Stangensellerie kann dieses Präparat aufgrund fehlender Rückstandsdaten nicht bewilligt werden. Aus Sicht der Gemüsebaupraxis sind zusätzliche Fungizide mit hoher Wirksamkeit gegen den Falschen Mehltau und weitere Wirkstoffe gegen andere Blattkrankheiten erwünscht, so Reto Neuweiler. Als positiven Impuls bewertet er es, dass durch den VSGP aus dessen Fonds «Rückstandsanalysen» entsprechende Rückstandsstudien von Agroscope finanziell mitunterstützt werden.


Isabelle Schwander










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