Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Aus der Forschung - für die Praxis

Ausgabe Nummer 50 (2015)

11. BioForschungs-Infotag

Die thematischen Schwerpunkte des BioForschungs- Infotages waren die funktionelle Biodiversität und Futterbau.

Der 11. BioForschungs-Infotag von Ende Dezember in Salenstein am BBZ Arenenberg wurde organisiert vom Bioforschungskoordinator von Agroscope, Fredi Strasser und der Bioberatung des BBZ Arenenberg. Der Anlass wurde vom FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), Agridea, Bio Ostschweiz und Bio ZH/SH unterstützt. Jakob Rohrer von der Bioberatung am BBZ Arenenberg moderierte die Tagung. Katja Jacot von Agroscope thematisierte die Nützlingsblühstreifen, welche Schädlinge in Getreide und Kartoffeln reduzieren. Zwischen 2011 bis 2014 wurde die Bedeutung von einjährigen Nützlingsblühstreifen für die Reduktion von Getreidehähnchen und Blattläusen auf Praxisbetrieben und im Labor erforscht. Es resultierte daraus nachweislich, dass der Getreidehähnchenbefall und Blattschaden in Feldern mit Nützlingsblühstreifen im Winterweizen stark reduziert werden konnte. Mit dem Nützlingsblühstreifen kann auch der Blattlausbefall stark reduziert werden. Sowohl 2015 und 2016 wird eine breite Prüfung der Samenmischungen an verschiedenen Standorten im Schweizer Mittelland vorgenommen. Ab 2017, so das Ziel, sollen Empfehlungen für Samenmischungen für den Handel vorliegen. Henryk Luka vom FiBL informierte über mehrjährige, artenreiche Blühstreifen zur Verbesserung der natürlichen Schädlingskontrolle. Nützlingsblühstreifen (ein Merkblatt «Blühstreifen für Bestäuber und andere Nützlinge » steht auf der Homepage von agridea kostenlos zum Download zur Verfügung) sind Bestandteil eines Pflanzenschutzsystems, welches zur Reduktion des Einsatzes von breitenwirkenden Insektiziden beiträgt und die funktionelle Biodiversität erhöht.

Alternative zu importierten Proteinfuttermitteln
Zwischen 2015 bis 2018 erfolgen Versuche zur Untersuchung eines neuen Schädlings-Nützlings-Komplexes. Auch wird die Prüfung eines Low-Input-Pflanzenschutzsystems für den Kohlanbau in grossen Freilandversuchen (Erfolgskontrolle) vorgenommen. So soll gezielte Nützlingsförderung mit Blühstreifen am Feldrand und Blühpflanzen direkt im Kohlfeld vorgenommen werden. Kombiniert mit der Freilassung von parasitoiden Populationen soll schon ab April erreicht werden, dass diese die Schädlinge ohne Verspätung angreifen und reduzieren können. Für die Erforschung eines nachhaltigen Effektes auf die mehlige Apfelblattlaus und ihre Antagonisten werden Pilotversuche erfolgen. Olivier Huguenin von Agroscope präsentierte Ergebnisse aus Futterbaumischungen für Schnitt und Weide. An den Standorten Reckenholz und Tänikon wurde auch die Trockenresistenz der Mischungskomponenten geprüft. N2-fixierende und tiefwurzelnde Arten zeigten eine bessere Trockenheitsresistenz als nicht fixierende und flachwurzelnde Arten. Die 4-Arten Mischung unter Trockenheit zeigte dieselben Erträge wie der Durchschnitt der Reinbestände mit einer normalen Wasserversorgung = Sicherheitseffekt der Mischungen. Und es erwies sich, dass Klee-Gras-Mischungen vorteilhaft sind bezüglich Ertrag, Rohproteinertrag, Futterverzehr und Milchleistung. Andy Vogel, der einen viehlosen Biobetrieb bewirtschaftet, stellte seine Anbauerfahrungen mit Futterleguminosen vor. Diese erachtet er als Alternative zu importierten Proteinfuttermitteln.

Esparsette – ein Garant für Produktqualität
In diesem Zusammenhang stellte er auch die «IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen» vor (nähere Informationen für an einer Zusammenarbeit Interessierte: IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen, c/o Andy Vogel-Kappeler, Schulstrasse 2, 8564 Wäldi, oder per Mail an: betrieb@ cyberstep.ch). Zu den Grundsätzen dieser IG gehört unter anderem: Mit dem Anbau von Weissklee-Reinsaaten sollen Trockenwürfel von höchster Qualität (Eiweiss und Energie) produziert werden. Daniel Nyfeler vom BBZ Arenenberg fügte an, dass die Saatgutzusammensetzung (Leguminosenarten-, -sorten und Mischungszusammensetzung) noch optimiert werden muss und Fütterungsversuche nötig sind. Frigga Dohme-Meier von Agroscope informierte über den Einfluss der Verfütterung von tanninhaltigen Leguminosen auf die Produktqualität. Anhand von in-vivo-Studien bei Kühen und Schafen zeigte sich, dass die beigegebene Esparsette in den Rationen zu einem Anstieg von Linolensäure in Milch, Käse und Fleisch führte. Auch war ein deutlicher Anstieg von langkettigen, ungesättigten Fettsäuren im Fleisch erkennbar. Andreas Lüscher von Agroscope richtete in seinen Ausführungen den Fokus ebenfalls auf das Potenzial der Esparsette. Die neuen Erkenntnisse und Werkzeuge (molekulargenetischer Marker) ermöglichen eine effizientere Züchtung und bessere Sorten. In Mischungs- und Variabilitätsexperimenten zeigte sich, dass es möglich ist, gute Mischungen für Esparsette zu entwickeln. Im Nachtrag zum Sommer 2015, mit seinen langen Trockenperioden, sei besonders erwähnenswert, dass die Esparsette hervorragende Trockenresistenz zeigte.


Isabelle Schwander










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