Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Aus Überschussbananen wird eine neue Thurgauer Spezialität

Ausgabe Nummer 19 (2020)

Bananenstängeli

In einer Zusammenarbeit zwischen dem Verein Mehr als zwei und dem Thurgauer Familienunternehmen Öpfelfarm entsteht Neues aus «geretteten» Bananen. Das Produkt markiert den ersten Meilenstein einer Linie von Erzeugnissen, die Foodwaste vermindern sollen.

Bananen gehören fix zum Speiseplan von Herrn und Frau Schweizer, obwohl sie hier gar nicht wachsen. Doch rund 30 % der aufwendig importierten Südfrüchte landen im Abfall – jährlich rund 30 000 Tonnen. Was bei Obst und Gemüse generell gilt, gilt auch hier: Will man Überschüsse nachhaltig retten, muss man sie haltbar machen.

Das Öpfelringli als Vorbild
Eine der offensichtlichsten Möglichkeiten ist das Trocknen. Mit dieser Idee wandten sich die Initiantinnen an Roland Kauderer von der Öpfelfarm. «Wir hatten schon viel in unseren eigenen Küchen getestet und waren uns sicher, dass ein getrocknetes Produkt sehr gut funktionieren kann», sagt Olivia Menzi, Präsidentin des Vereins. «Aber man kann so etwas nicht umsetzen ohne einen Partner mit dem richtigen Know-how in der Lebensmittelproduktion und mit professioneller Infrastruktur. Wir brauchten jemanden, der weiss, was er tut.»
So sind nach ersten Tests und einer Prototypen-Produktion schliesslich die Bananenstängeli entstanden. Die Basis sind 100 % vor der Entsorgung gerettete Bananen, in Steinebrunn handverarbeitet und schonend getrocknet unter Einsatz von Thurgauer Naturstrom.

Ein Anfang für mehr
Weitere Produkte sind in Planung; mit einer Bäckerei arbeitet man beispielsweise an einem Bananenbrot und auch aus der Gastronomie gibt es Interesse an Produkten auf Basis des vermeintlichen Überschusses. Olivia Menzi sagt dazu: «Wir wollen unsere Ideen dahin bringen, wo sie bestehende Infrastruktur auslasten und Betriebe auf dem jeweiligen Gebiet unterstützen können. Es ist von allem genug da, aber die richtigen Menschen müssen zusammenfinden.»

Bananen aus dem Thurgau kommen gut an
Erst seit Ende April sind die Stängeli im Verkauf, bei der Öpfelfarm und bei einigen anderen Handelspartnern – und schon trudeln Anfragen nach mehr ein. Roland und Monika Kauderer freut’s: «Wir hätten nie gedacht, dass aus der Idee von Olivia Menzi in so kurzer Zeit ein ganz neues Produkt entstehen könnte. Die Bananen finden super Anklang. Wir gewinnen neue und sehr spannende Kundinnen und Kunden. Lange haben wir uns dagegen gewehrt, Südfrüchte zu verarbeiten. Aber als wir gehört haben, wie viele davon weggeworfen werden, fanden wir, es sei einen Versuch wert.»


Text und Bilder:
Olivia Menzi, Verein Mehr als zwei, und Roland Kauderer










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