Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Ausflug zu den Mutterkühen

Ausgabe Nummer 10 (2015)

Aus der Kommission Viehwirtschaft

Mit der Exkursion zu den Mutterkühen hat die Kommission Viehwirtschaft des VTL ein topaktuelles Thema getroffen. Gegen 40 Personen besuchten vergangene Woche die Mutterkuh- Betriebe von Hansueli Hauser in Riedt und Christian Enderlin in Winden.

Mit der Milchproduktion nicht mehr zufrieden
Die unbefriedigende Situation auf dem Milchmarkt mit den immer tieferen Preisen war für Hansueli Hauser und seine Familie der Auslöser, seine Tierhaltung zu überdenken. Im letzten Jahr gab er die Milchproduktion auf. Mit relativ wenig Aufwand konnte er seinen Milchviehstall auf die Bedürfnisse einer Mutterkuhherde umbauen. Die Herde ist noch im Aufbau mit dem Ziel von zirka 45 Mutterkühen. Zwei Drittel der Herde bestehen aus den Rassen Simmentaler, Pinzgauer und Angus, ein Drittel sind Kreuzungstiere. Im Sommer werden zirka 15 Kühe mit Kälbern, Rindern und Aufzuchttieren während 100 Tagen gealpt.
Mit dem Aufbau der Herde sammelt die Familie Hauser auch täglich mit den verschiedenen Rassen neue Erfahrungen, welche sie an die interessierten Teilnehmer der Exkursion weitergeben konnten. Hausers haben den Einstieg in die Mutterkuhhaltung geschafft und wir wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg.

Alles Fleisch selber vermarkten
Am Nachmittag führte uns die Reise auf den Betrieb von Christian Enderlin in Winden. Enderlin war schon seit längerem auf der Suche nach der optimalen Bewirtschaftung für seinen kleineren Betrieb. Nachdem er sich zwei Mal für 10 Jahre in Betriebsgemeinschaften einbrachte, kam er bei einem längeren Neuseeland-Aufenthalt auf die Idee der Mutterkuhhaltung.
Auf der Suche nach einer für ihn passenden Rasse, landete er bei den Angus-Rindern. Heute sind 14 Muttertiere mit ihren Kälbern in seinem Stall. Damit seine Mutterkühe optimale Bedingungen haben, erstellte er in Eigenregie einen Rundholzstall, bei dem er zum Teil Holz aus dem eigenen Wald einsetzen konnte.
Den Sommer verbringt die ganze Herde jeweils auf einer Alp im Engadin. Zurück von der Alp, im Oktober, beginnt die saisonale Abkalbung. Enderlin machte die besten Erfahrungen, wenn die Tiere auf der Weide abkalben können. Enderlins haben mittlerweile genug Kunden, um das Fleisch ihrer Tiere direkt ab Hof zu verkaufen. Der Kundenkontakt ist ihnen sehr wichtig; mit verschiedenen Aktionen versuchen sie, diesen auch zu pflegen.
Die Teilnehmer der Exkursion erlebten einen interessanten und spannenden Tag bei den Mutterkühen. Herzlichen Dank den Familien Hauser und Enderlin für die Bereitschaft, den Betrieb zu zeigen, und Manuel Hasler für die Organisation. Dieser brachte es mit seinem Schlusswort auf den Punkt. Mutterkuhhaltung ist eine extensivere, aber dennoch anspruchsvolle Form der Rindviehhaltung und heisst nicht: «Die ‹Mutter› hält die Kühe!»


Urs Schär, Präsident
Kommission Viehwirtschaft VTL













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