Ausgabe Nummer 35 (2008)
Ausgezeichnet besuchte Obstverwertertagung in Sulgen
Thurgauer Obstbau im Kampf gegen Feuerbrand
An der Thurgauer Obstverwertertagung informierte Markus Harder, Chef Landwirtschaftsamt, über das Projekt «Zukunft Obstbau», das die bestmögliche Entflechtung von Hoch- und Niederstammkulturen zum Ziel hat.In seinem Referat «Zukunft der Mostobstproduktion im Thurgau» anlässlich der Thurgauer Obstverwertertagung, stellte Markus Harder, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, fest, dass von den rund drei Millionen Hochstamm-Feldobstbäumen (Äpfel- und Birnbäume) zirka 210000 Hochstammbäume im Thurgau stehen. Er erinnerte daran, dass im Thurgau im Jahre 2000 rund 2500 Hochstammbäume und im vergangen Jahr rund 50 Hektaren Niederstammbäume und 7500 Hochstammbäume feuerbrandbedingt gerodet wurden. Für das laufende Jahr habe das Bundesamt für Landwirtschaft den Einsatz von Streptomycin bewilligt. Harder betonte, dass sich der Regierungsrat der wirtschaftlichen Bedeutung des Obstbaus bewusst sei. Gerade für das Landschaftsbild und den Tourismus seien aber auch Hochstammobstbäume wichtig. Mittelfristig sollte die Forschung und Entwicklung von Mitteln mit hohem Wirkungsgrad weiter forciert werden.
Entflechtung von Hochstamm- und Niederstammkulturen
Die langfristige Strategie des Regierungsrates unterstütze die Züchtung von feuerbrandresistenten Kernobstsorten. Laut Harder soll auch der Warndienst weiter aufgewertet und intensiviert werden. Zudem soll längerfristig eine Entflechtung von Hochstamm- und Niederstammkulturen erfolgen. Im Erwerbsobstgebiet soll die Mostobstproduktion von Hochstamm- auf Niederstammkulturen verlagert werden. Die Idee der Entflechtung sei im Feuerbrandjahr 2000 entstanden, aber auf Eis gelegt worden. Ursprünglich stamme die Idee aus Holland und Belgien, wo der Einsatz von Streptomycin erlaubt sei. Das hohe Feuerbrand-Infektionspotenzial durch den unkontrollierbaren Streuobstbau könne so minimiert werden. Das Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg habe zur Entflechtung einen Konzeptentwurf entwickelt. Der Thurgauer Obstverband habe darauf eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Pro Natura und WWF Thurgau, Thurgauer Vogelschutz, Amt für Raumplanung, Mostereien und Grosshandel, Hochstamm- und Niederstammproduzenten sowie das BBZ Arenenberg einberufen. Diese Arbeitsgruppe, welche demnächst vom Regierungsrat offiziell eingesetzt werde, habe das Konzept überarbeitet und beschlossen, das Projekt «Zukunft Obstbau» zu lancieren. So werden vier mögliche Entflechtungsgebiete, Mammern, Salenstein, Berg/Opfershofen und Münsterlingen/Altnau/Güttingen/Kesswil/ Uttwil, mit Vorrang Niederstammkulturen, vorgeschlagen. Bei den Entflechtungszonen mit Vorrang Kernobst-Hochstammbäume werde die Region Märwil? Bussnang?Schönholzerswilen vorgesehen.
Zwei Pilotprojekte
Nach Harders Aussagen möchte die Arbeitsgruppe je ein Projekt mit Vorrang Niederstammkulturen und Kernobst- Hochstammkulturen lancieren. Der Kanton, die Gemeinden, die Obsthandelsbetriebe und Mostereien sowie Direktbetroffene sollen das Projekt finanziell unterstützen. Nach Meinung von Harder sind die Entflechtungsmassnahmen unabhängig vom Entscheid des Streptomycineinsatzes notwendig. Die Trennung der Gebiete sei nicht einfach und brauche daher Zeit.
2,2 Millionen Liter pasteurisierter Süssmost
Mäni Graber, Thurgauische Beratungsstelle für Obstverwertung, gab der Freude Ausdruck, dass Harder transparent über das Entflechtungsprojekt «Zukunft Obstbau » informierte. Er freute sich aber auch, dass Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstverband, Edi Bosshard, Präsident Thurgauer Kundenmoster, sowie Bernhard Herzog, Betriebsleiter Mostereigenossenschaft Homburg, an der Obstverwertertagung teilnahmen. Im vergangenen Jahr wurden im Thurgau 2,2 Millionen Liter pasteurisierter Süssmost produziert. Peter Bitschnau, Technischer Leiter ACT, informierte über die Erfahrungen mit dem Rotationstrommelfilter.
Mario Tosato

Peter Bitschau (links) informierte über Rotationstrommelfilter und Markus Harder über den Thurgauer Obstbau. (zVg)
