Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Ausgezeichnete "Eau de vie"

Ausgabe Nummer 33 (2014)

Mit der Ostschweizerischen Edelbrandprämierung, die alle zwei Jahre stattfindet, wird der Ansporn zum Herstellen von Qualitätsbränden und deren Präsentation gefördert.

Im Vorfeld der Prämierung fand am Landwirtschaftlichen Zentrum SG (LZSG) in Flawil am 28. Juni 2014 die 7. Ostschweizerische Edelbranddegustation statt. 133 Edelbrände von bäuerlichen Brennern und Brennauftraggebern aus der Ostschweiz (St. Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, Zürich) und dem Fürstentum Liechtenstein wurden von einer Fachjury mit Juroren aus verschiedenen Kantonen bewertet. Bei den Resultaten und dem Gesamteindruck wurde im Vergleich zu Vorjahren erneut ein qualitativer Quantensprung erzielt. Die Vielfalt der Brände, deren Aufmachung und Qualität überzeugten die Jury. Anfang August lud nun Richard Hollenstein, Leiter der Fachstelle Obstbau am Landwirtschaftlichen Zentrum SG, Flawil, Brenner und Brennauftraggeber zur Edelbrandprämierung am Mattenhof in Flawil ein.

Innovation und gute Aufmachung
Als Ehrengast nahm an der Prämierung das Jurymitglied Arthur Nägele aus Gaissau (A) teil. Er ist international als Sensorik-Experte für Destillate tätig. Richard Hollenstein hob in seiner Begrüssungsrede hervor, dass die Edelbranddegustation nach den strengen Regeln der Blinddegustation erfolgte. Die Brände wurden in 14 Gruppen (Apfel, Birne, Traubentrester, Beeren/Traube, Kirsch, Zwetschge, Quitte, Pflaume/Mirabelle, Vieille, Spirituose, Getreide/ Whisky, Wild/Wurzeln, Gin und Liköre) eingeteilt. 102 von insgesamt 133 Muster erhielten an der 7. Ostschweizerischen Edelbrandprämierung eine Auszeichnung. Die prämierten Brände und Destillate beeindruckten alle durch Innovationsgeist und eine insgesamt gelungene Aufmachung. Hollenstein äusserte sein Bedauern darüber, dass der Brennerei-Experte Peter Dürr, tätig an Agroscope in Wädenswil (der jeweils auch die technische Leitung der Ostschweizer Edelbrandprämierungen übernahm), Anfang 2014 verstorben ist. Es sei sein grosser Mitverdienst, dass das Brennereigewerbe eine regelrechte Renaissance erlebte und sich heute insgesamt auf einem beachtlichen, konkurrenzfähigen Niveau befinde. Hollenstein informierte, dass der Modulkurs Brennerei mit derzeit 33 Anmeldungen restlos ausgebucht ist und man sich am Mattenhof überlege, ob doch noch ein paar weitere Interessenten aufgenommen werden können: «Wir sind sehr erfreut über die ausserordentlich grosse Resonanz auf unsere Ausschreibung, vor allem, weil sich darunter auch junge Leute für die Teilnahme angemeldet haben.»

Gastronomie miteinbeziehen
Die besondere Herausforderung für bäuerliche Brenner und Brennauftraggeber bestehe darin, Gegensteuer zu den Importen zu geben. Dabei sei es wichtig, dass die Gastronomie miteinbezogen wird. Es wurden Kurse mit Gastronomen angeboten mit dem Ziel, diese zu sensibilisieren, dass es nebst den trendigen Produkten wie Wodka, Whisky und Grappa noch viele einheimische Edelbrände von bester Qualität gibt. Dazu Hollenstein: «Die Anwesenden konnten wir davon überzeugen, es gibt aber noch viel zu tun.» Einen wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Vermarktung leistet im Kanton St. Gallen der Trägerverein von «Culinarium». Hollenstein ist überzeugt, dass die ostschweizerische Edelbrandprämierung mit dazu beiträgt, die Qualität und das Image einheimischer Destillate weiter zu verbessern. Danach befragt, was im Bereich der Vermarktung noch zusätzlich nötig ist, meinte Hollenstein: «Die Vermarktung ist Sache jedes einzelnen Brenners. Mit der Teilnahme an der Prämierung und ausgezeichneten Produkten kann er die Qualität belegen, was sicher ein wichtiges Element ist. Entscheidend ist aber die Kundenbindung an den Betrieb, analog dem Beispiel Wein. Wenn die Kunden den Betrieb, den Brenner und seine Strategie kennen, lassen sich Produkte leichter verkaufen.» Besonders gespannt waren die Gäste auf die Bekanntgabe der Gruppensieger, die über 18 von 20 möglichen Punkten erzielten. Der Abend klang mit der Degustation der bewerteten Produkte gemütlich aus.


Isabelle Schwander










« zurück zur Übersicht