Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Ausländische Arbeitskräfte in der Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 17 (2015)

Bewilligungsverfahren für Personen aus EU Staaten und Personen im Asylverfahren

Viele Betriebe im Thurgau sind auf die Unterstützung ausländischer Arbeitskräfte angewiesen. Auch wenn seit der Abstimmung über die Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ viel diskutiert und geschrieben wurde, bleiben die bisher bekannten und bewährten Bewilligungsverfahren in Kraft. Der Mindestlohn für landwirtschaftliche Mitarbeiter bleibt unverändert bei 3200 Franken pro Monat.

Personen aus 25 EU- und den EFTA-Staaten von Portugal bis Estland können in der Schweiz ohne Einschränkungen arbeiten. Bei Einsätzen bis 90 Tage gilt das vereinfachte Meldeverfahren, für längere Aufenthalte das Bewilligungsverfahren. Für Personen aus Rumänien und Bulgarien gilt nach wie vor ein gesondertes Bewilligungsverfahren, wo unter anderem Inländervorrang und Arbeitsvertrag geprüft werden.

Personen ausserhalb der EU
Die Erteilung einer Arbeitsbewilligung für Personen, die ausserhalb der EU in sogenannten Drittstaaten leben, ist nicht möglich. Ausgenommen davon sind Praktikumseinsätze, welche durch eine anerkannte Organisation wie zum Beispiel Agrimpuls vermittelt und begleitet werden. Wer einem Praktikanten bis vier Monate einen Ausbildungsplatz bietet, hat gute Chancen, eine solche Bewilligung zu bekommen. Hingegen sind Praktikumseinsätze über vier Monate kaum mehr möglich. Diese Bewilligungen sind kontingentiert, im Thurgau gibt es dafür nur rund zehn pro Jahr.

Asylbewerber und Flüchtlinge
Asylsuchende dürfen in den ersten drei Monaten nicht arbeiten. Für vorläufig aufgenommene oder anerkannte Flüchtlinge mit N-, F- oder B-Ausweis gilt, dass sie grundsätzlich arbeiten dürfen. Es braucht allerdings eine Bewilligung. Das Verfahren ist ähnlich wie bei Personen aus Rumänien und Bulgarien. Mit dem Formular B1 muss ein Gesuch an das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) gestellt werden. Das AWA prüft die Eignung sowie Mindestlöhne und erteilt, wenn die Bedingungen erfüllt sind, die Bewilligung. Es wird eine Vollzeitanstellung oder zumindest ein regelmässiges Einkommen von über 1700 Franken pro Monat angestrebt. Arbeit auf Abruf ist nicht möglich.

Sonderabgabe für Flüchtlinge
Wer eine asylsuchende Person (Ausweis N) oder einen vorläufig aufgenommen Flüchtling (Ausweis F) beschäftigt, muss eine Abgabe von 10 Prozent des Bruttolohnes dem Bund abliefern. Diese Abgabe darf vom Lohn abgezogen werden. Zuständig für die Abgabepflicht und den Einzug ist das Staatsekretariat für Migration in Bern. Sinnvollerweise wird diese Sonderabgabe monatlich analog der Versicherungsbeiträge und der Quellensteuer vom Bruttolohn abgezogen.

Versicherungspflicht
Alle Arbeitnehmer müssen unabhängig des Bewilligungsverfahrens nach der Einreise bei der Krankenkasse und AHV angemeldet werden. Grenzgänger und Personen aus EU-Staaten, welche im Meldeverfahren bis maximal 90 Tage in der Schweiz arbeiten, können sich von der Krankenkassenpflicht befreien lassen. Dazu ist ein Gesuch an die Krankenkassenkontrollstelle des Arbeitsortes zu richten. Es muss ein gleichwertiger privater Versicherungsschutz nachgewiesen werden.


Adrian von Grünigen,
Verband Thurgauer Landwirtschaft




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