Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. April 2020


Auslöser erkennen und umdenken lernen

Ausgabe Nummer 11 (2020)

Über 70 Frauen nahmen am 4. Bäuerinnen Zmorge am Arenenberg teil.

«Der BäuerinnenZmorge am Arenenberg hat sich etabliert», erzählt Esther Maurer-Ammann von der Kommission Frauen in der Landwirtschaft des Verbands Thurgauer Landwirtschaft begeistert. «Es freut mich, dass wir jedes Jahr wieder neue Gesichter treffen und auch Frauen sehen, die jedes Jahr wieder dabei sind.» Esther Maurer-Ammann hat zusammen mit Regula Böhi-Zbinden und Nadine Iseli nicht nur eine kleine Auszeit für die Frauen organisiert, so stand auch für noch nicht schulpflichtige Kinder eine Kinderbetreuung bereit. Über 70 Frauen trafen sich am Donnerstag, 5. März 2020, zum gemütlichen und liebevoll angerichteten Morgenessen und liessen sich beim fakultativen Referat von Silvio Spadin zum Thema «Das Kind in mir» inspirieren. Silvio Spadin ist frei beruflicher Pfarrer und Lebens- und Eheberater. Zusammen mit seiner Frau leitet er die Christliche Lebens- und Eheberatungsstelle in Thayngen.

Gefühle bei Wut, Trauer, Angst, Scham und Freude
«Was ist mit dem inneren Kind gemeint? Wie entsteht es und wie gehe ich mit dem inneren Kind um?» Mit diesen Fragen eröffnete Silvio Spadin sein Referat. Beim inneren Kind geht es um Gefühle und darum, wie wir uns bei Wut, Trauer, Angst, Scham und Freude ausdrücken respektive verhalten. «Diese Verhaltensmuster resultieren aus Kindheitserfahrungen in der Ursprungsfamilie und werden bereits in den ersten drei Lebensjahren festgelegt», berichtet Silvio Spadin. «Die Gefühle sind in uns abgespeichert und nehmen Einfluss auf unser Leben, ob wir wollen oder nicht», meint er mit einem Augenzwinkern, «in der Paarbeziehung, am Arbeitsplatz, im Verein, überall.»

Beispiele aus der Praxis
Spadin führt ein Beispiel vor: «Bei einer Konfliktsituation flippt der Mann aus, wirkt aggressiv, wird laut und verletzt verbal. Die Frau hingegen zieht sich zurück, verstummt, verzweifelt, weint. Ein typisches Verhaltensmuster. Obwohl unsere Kindheit schon lange zurückliegt, fühlen wir uns in gewissen Situa tionen dennoch wie ein Kind», erzählt Silvio Spadin und ermutigt die aufmerksamen Zuhörerinnen, dem inneren Kind Anweisungen zu geben oder Grenzen zu setzen, «denn wer negativ denkt, der fühlt sich auch negativ. Wer sich als Opfer sieht, wird passiv und entzieht sich der Verantwortung ». Wichtig sei, den Auslöser zu erkennen, das innere Kind wahr- und ernst zu nehmen, zu bejahen und auf Augenhöhe zu begegnen, zum Beispiel: «Ja, ich schäme mich, oder ja, ich bin jetzt wütend.» Spadin: «Wir sind alle unterschiedlich gestrickt und gehen mit unseren Gefühlen unterschiedlich um. Um das innere Kind anzunehmen, muss sich jeder selbst damit auseinandersetzen, das Verhalten anschauen und aufarbeiten. Wichtig ist, dass ein Umdenken stattfindet und dass ein jeder emotional erwachsen wird.»


Text und Bilder:
Salome Preiswerk Guhl










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