Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Austausch über die Grenze hinweg

Ausgabe Nummer 27 (2014)

Ob Schweiz oder Deutschland – Bio kennt keine Grenzen

An der Exkursion des Bioackerbaurings Ostschweiz nahmen rund 40 Biobauern teil und erlebten drei sehr unterschiedliche Biohöfe ennet dem Bodensee.

Mit auf der Reise, die in Zusammenarbeit mit der Bioberatung des BBZ Arenenberg organisiert wurde, war Jonathan Kern, Ackerbauberater beim deutschen Bioland aus Baden-Württemberg. Er erklärte gleich zu Beginn, dass im süddeutschen Raum rund sechs bis sieben Prozent (ungefähr 4000 Betriebe allein in Süddeutschland) der landwirtschaftlichen Fläche nach Bio-Richtlinien produziert wird, in der Schweiz sind es ungefähr zehn Prozent.
Über Konstanz und Stockach erreichte die Reisegruppe schon nach eineinhalb Stunden die Hofgemeinschaft Heggelbach, welche seit 25 Jahren einen Demeter-Betrieb mit gegenwärtig sechs Familien führt. Was vor einem Vierteljahrhundert beschaulich auf einem Stück hängiger Wiese begann, habe sich erfreulich entwickelt, erklärte Jona Kreis, der zusammen mit einem Kollegen für den Gemüseanbau und den Vertrieb zuständig ist.

170 Hektaren Gemüse
«Das Besondere an der Betriebsgemeinschaft ist die Vielfalt», erklärte Jona Kreis und meint damit nicht nur die Vielfalt der Betriebszweige, sondern auch die Vielfalt der Menschen, die sich hier gefunden haben. Faszinierend sei, dass hier Leute die Arbeit so einteilen, dass jeder nach seinem beruflichen Wissen, nach Erfahrungen oder momentanen Ressourcen die Verantwortung für ein Teilgebiet übernehmen könne. Heute werden gegen 200 Hektaren bewirtschaftet, davon entfallen auf Ackerbau und Gemüse rund 170 Hektaren, auf einer Höhe von 650 Meter über Meer kein leichtes Unterfangen. Angepflanzt wird besonders Lagergemüse wie Rote Bete, Pastinaken, Zuckermais, Zwiebeln, Schalotten, Sellerie und Kartoffeln. Zum Hof gehören auch gegen 50 Milchkühe, ein Stier und deren Nachkommen. Das Braunvieh, mit Hörnern selbstverständlich, werde ausschliesslich mit Gras, Klee und Heu gefüttert, sagte Kreis weiter. Die Milch werde in der eigenen Käserei weiter verarbeitet. Da es in der Region noch sieben weitere Demeter-Betriebe gebe, habe man sich vor Jahren zusammengeschlossen, um bei der Vermarktung ein grosser, starker Partner zu sein. «Wir teilen uns heute auf und jeder produziert das, was auf seinen Böden am besten wächst», so Kreis.

Gutes Geschäft im Grosshandel
Der Gemüseanbau sei auf die Fruchtfolge eingebunden. So können sich das Kleegras, die Getreidekulturen, die Hackfrüchte sowie die Gemüsekulturen ideal ergänzen. Mit drei grossen Abnehmern im Naturkost- Grosshandel habe man es heute geschafft, das Gemüse sehr gut zu vermarkten. Die Zahlen nehmen ständig zu, eine neue Halle mit Wasch- und Rüststrasse sei in Planung. Da der Markt es wünscht, werden heute gegen 150 000 Packungen Randen und Zuckermais auch gekocht und vakumiert verkauft. Neben dem Acker- und Gemüsebereich leben auf dem Hof um die 280 Mastschweine, welche mit eigenen Produkten gefüttert werden. Mit Photovoltaikanlagen und einer Holzvergaseranlage produziere man mehr Strom, als der Betrieb insgesamt brauche. Dadurch dass sie auf dem Hof viele Maschinen selber warten und reparieren, sei es hin und wieder auch möglich, eigene Gerätschaften auf ihre Bedürfnisse angepasst anzufertigen. Die Kollegen aus der Schweiz waren begeistert und die Diskussionen auf der Weiterfahrt zur Mittagsrast im «alten Schlawiner» in Osringen-Nenzingen waren lebhaft und intensiv.

Gerätepark vom Modernsten
Auf dem nächsten Hof wartete Volker Duttlinger auf die Reisegesellschaft aus der Schweiz. Der Hinterberghof in Mauenheim hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von gegen 200 Hektaren. Auf dem Betrieb wird Ackerbau betrieben, dazu verrichtet Duttlinger Lohnarbeiten für andere Landwirte. Wer sich für grosse, teure Maschinen interessierte, kam auf diesem Hof voll auf seine Rechnung. Mähen, Kreiseln, Schwaden, Pressen, Wickeln, Dreschen und Transportieren – für jede Arbeit gibt es bei Dittlinger die richtige, brandneuste Maschine in bester Manier. Die meisten Geräte werden GPS-gesteuert eingesetzt. Für Organisator Tobias Brühlisauer ist das «eine andere Liga». Auch die anderen Biobauern konnten mit dem Gerätepark in zweistelliger Millionenhöhe wenig anfangen. «Schön anzuschauen», sagte ein Biobauer, ein anderer meinte knapp: «eine Spinnerei».
Der letzte Hof, den die Gruppe besuchte, war der Hof Gasswies im Klettgau. Freddy Rutschmann betreibt auf 120 Hektaren Ackerbau und Saatgutvermehrung und hat 50 Milchkühe. Die Muttergebundene Kälberaufzucht ist eines seiner Markenzeichen, auf die beim Rundgang aber nicht gross eingegangen wurde. Sein Stolz ist die Direktvermarktung der Fleischwaren über Internet. Er produziert Soja für einen Tofu-Hersteller.


Ruth Bossert



Der Kontakt untereinander ist wertvoll

Ernst Zuberbühler, Tägersheim bewirtschaftet einen Bioweidebetrieb und pflanzt Lagergemüse an. «Die drei Betriebe die wir heute besucht haben waren extrem unterschiedlich. Die gelebte Gemeinschaft beim Demeter-Betrieb hat mir Eindruck gemacht. Der zweite Betrieb spielt in einer anderen Liga, als wir es uns in der Ostschweiz gewohnt sind. Die Maschinen waren schön anzuschauen, doch absolut unrealistisch für unsere Betriebe und unsere Budgets. Der dritte Landwirt schien mir geerdet und sympathisch. Ich habe das Gefühl, dass alle drei Männer glücklich sind und Spass an ihrer Arbeit haben. »

Daniel Wartmann, Märstetten Ackerbau und wenig Gemüse, Schafe «Ich habe den Betrieb erst kürzlich von meinem Vater übernommen und wir befinden uns jetzt in der Umstellungsphase auf Bio. Ich habe vor allem durch den Kontakt mit den anderen Biobauern sehr viel vom heutigen Tag profitieren können. Die besichtigten Betriebe waren sehr gross und auch sehr unterschiedlich. Vom letzten Landwirt im Klettgau konnte ich einige gute Tipps nach Hause nehmen. Auch das Gemeinschaftsleben auf dem Demeterhof fand ich spannend, auch wenn es für mich nicht ganz stimmen würde.»

Sepp Sennhauser, Rossrüti Demeterbetrieb, Saatkartoffeln, ProspecieRara-Sorten, Dinkel und Lein «Ich habe heute wieder einmal festgestellt, dass der Biolandbau eine sehr breite Facette aufweist. Die unterschiedlichen Betriebe zeigten, dass jeder Betrieb anders funktioniert. Trotzdem stellt man fest, dass die Landwirte nicht bloss nach den vorgegebenen Richtlinien arbeiten. Unsere Kollegen in Deutschland wollen dasselbe wie wir: Gesunde Lebensmittel produzieren und möglichst wenig Ressourcen vernichten. Zentral sei das organische Zusammenspiel aller Bereiche eines Hofes: Mensch, Tier, Pflanzen und Produkt. »












Ernst Zuberbühler, Tägersheim


Daniel Wartmann, Märstetten


Sepp Sennhauser, Rossrüti

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