Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Auswirkungen des Klimawandels im Naturfutterbau

Ausgabe Nummer 24 (2018)

Gemäss den Klimamodellen wird es in Zukunft in der Schweiz wohl wärmer und im Sommer trockener sein. Gleichzeitig werden vermehrt extreme Jahre – beispielsweise langanhaltende Schlechtwetter- oder Trockenphasen – auftreten. Es wird empfohlen, frühzeitig den einen oder anderen Vorschlag auszutesten. Denn nicht für jeden Betrieb passen dieselben Massnahmen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bei uns heute schon spürbar und werden sich in Zukunft noch stärker auswirken: Im Vergleich zum Mittelwert der Referenzperiode 1980 bis 2009 werden in der Schweiz im Jahr 2065 die Sommertemperaturen 2 bis 3 Grad Celsius wärmer und die Sommerniederschläge 5 bis 15 % tiefer sein, dies bei zunehmenden Schwankungen von Jahr zu Jahr (Swiss climate change scenarios CH2011). Das Wasser wird also in Zukunft im Sommer im Durchschnitt der Jahre knapper werden, gleichzeitig müssen wir mit vermehrten Wetterextremen rechnen. Der Frühling 2018 mit der langanhaltenden Trockenheit war wieder ein gutes Beispiel dafür, dass – insbesondere im Talgebiet – grosse Herausforderungen auf uns zukommen werden!

Ertragskompensation bei Niederschlägen nach Trockenphase
In mehrjährigen Versuchen von Agroscope und weiteren Forschungsinstitutionen wurden die profitierenden Arten von langanhaltender Trockenheit eruiert: Es sind dies erstaunlicherweise vor allem die Stickstoff fixierenden Arten (auch Weissklee!) und dann an zweiter Stelle die tiefwurzelnden Arten (zum Beispiel Lüscher und Mosimann, 2016). Ebenfalls profitieren wohl gewisse Unkräuter wie die Wiesenblacke, da vermehrt Lücken in den Beständen zu erwarten sind. Ein besonders interessantes Resultat ist aber das enorme Wachstum einer Wiese nach langanhaltender Trockenheit: Diese Kompensation wird durch stärkeres Wurzelwachstum und vermehrte Reserveeinlagerung in die Stoppeln während der Trockenphase kombiniert mit einer extrem hohen Stickstoffverfügbarkeit bei erneuter Bodenfeuchtigkeit erklärt. Trotz trockenem und ertragsarmem Sommer kann deshalb ein im Vergleich zu einem ausgeglichenen Jahr fast ebenbürtiger Jahresertrag erreicht werden, genügend Niederschlag im Frühling und Herbst vorausgesetzt.

Massnahmen im Futterbau bei Trockenheit
Während längeren Trockenphasen ist es wichtig, dass die Wiesenbestände nicht übernutzt werden. Das heisst, dass sowohl Schnitthöhe als auch Ruhezeit erhöht werden sollen. Dadurch haben die Pflanzen mehr Restfläche, wo sie die Reserven einlagern können. Weiter ist es häufig so, dass die Pflanzen blühen, gleichzeitig aber fast kein Bodengras vorhanden ist. Diese Situation kann auch genutzt werden, um die Gräser (zum Beispiel Italienisch Raigras) versamen zu lassen. Bei dieser natürlichen Übersaat kommen pro Flächeneinheit viel mehr Samen auf den Boden als bei der maschinellen Übersaat. Sobald es wieder Niederschlag gibt, werden diese Samen keimen und die Lücken der Trockenheit schliessen. Weitere Massnahmen können aus folgendem «bunten Strauss» ausgewählt werden: Als vorbeugende Massnahme das Anlegen von Futterreserven sowie der (teilweise) Ersatz von bisher eingesetzten Kunstwiesenmischungen durch robustere Mischungen. Als Massnahme nachdem die Trockenheit eingesetzt hat das Bewässern von Wiesen, was natürlich eine sehr effektive, aber teure Massnahme ist!

Massnahmen im Futterbau bei Nässe
Bei Nässe sind vor allem die entstehenden Lücken durch Grasnarbenschäden ein Problem. Diese gilt es möglichst zu verhindern. In Weiden kann ein regelmässiges Verschieben der Ein- und Ausgänge Abhilfe schaffen. Bei der Konservierung lohnt es sich, die Fläche vor dem Mähen noch einen Tag abtrocknen zu lassen. Dann ist die Befahrbarkeit schon einiges besser. Dies lohnt sich insbesondere bei der Silageherstellung, da bei dieser Konservierungsart sich die Futterqualität durch eine geringere Futterverschmutzung und das «Tanken» von etwas mehr Zucker verbessert.

Fazit
Dass sich unser Klima verändert und die Wetterextreme zunehmen, ist offensichtlich. Aus futterbaulicher Sicht ist es wichtig, dass man das Risiko absichert. Beispielsweise indem man verschiedene Kunstwiesenmischungen auf dem Betrieb ansät, oder indem man Futterreserven auch für den Sommer anlegt. Weiter ist es wichtig, dass die einschlägigen Wettersituationen frühzeitig erkannt werden und so auch rechtzeitig mit geeigneten Massnahmen reagiert werden kann. Nicht jede Massnahme, welche im vorherigen Abschnitt erwähnt wurde, eignet sich für jeden Betrieb gleichermassen. Ob und wie sich die einzelnen Massnahmen auf ihren Betrieb eignen, müssen Sie selber beurteilen.


Bruno Nabulon und Daniel Nyfeler
(BBZ Arenenberg)




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